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Zeichen stehen auf Trennung Anleger wetten auf Chrysler-Verkauf

Wichtige Großinvestoren von Daimler-Chrysler haben Vorstandschef Dieter Zetsche bei seinen Sanierungsplänen für die US-Sparte den Rücken gestärkt. Experten sehen deutliche Zeichen dafür, dass das Pendel am Ende in Richtung Trennung ausschlagen wird. Spekulationen über mögliche Partner und angebliche Interessenten gibt es reichlich.

hz/mm/shr/HB FRANKFURT. Große deutsche Fondsgesellschaften reagierten nach einer Umfrage des Handelsblatts einhellig zustimmend auf die Pläne des Daimler-Managements, die US-Sparte Chrysler auf den Prüfstand zu stellen. „Die Restrukturierung ist positiv zu bewerten, die Richtung stimmt“, sagte Ingo Reich, Fondsmanager von Union Investment. Auch Thomas Körfgen, Fondsmanager der SEB sieht Daimler auf dem richtigen Weg: „Wir begrüßen die Schritte, die aber relativ selbstverständlich sein sollten“, sagte er.

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen haben die Stuttgarter die US-Bank JP Morgan beauftragt, die Optionen für Chrysler zu prüfen. Laut Finanzkreisen sollen die Investmentbanker drei Optionen prüfen: einen Verkauf, einen möglichen Spin off an die eigenen Aktionäre sowie eine Fortsetzung der Integration in den Konzern. Experten werten dies als deutliches Zeichen, dass Daimler von der Integration nicht mehr überzeugt sei. Es sei es deshalb nicht unwahrscheinlich, dass das Pendel am Ende in Richtung Trennung ausschlagen werde, hieß es in Finanzkreisen. Eine Reihe von US-Private-Equity-Gesellschaften habe bereits Interesse angemeldet.

Aber auch beinahe jeder größere Autohersteller wird als potenzieller Partner genannt. Die Agentur Bloomberg meldet beispielsweise, Chrysler spreche bereits seit einem Monat mit dem US-Konkurrenten General Motors (GM) über eine Design-Allianz. Beide Hersteller könnten künftig Modelle gemeinsam entwickeln. Eine Fusion würde Synergien schaffen, auch kartellrechtlich wäre sie wohl kein Problem: Die relevante Schwelle von 50 Prozent US-Marktanteil würden beide zusammen nicht überschreiten. Die Gespräche seien allerdings noch in einem äußerst frühen Stadium. Der weltgrößte Autobauer GM steckt selbst seit Jahren in der Dauer-Restrukturierung.

Weitere Spekulationen ranken sich um die von Carlos Ghosn geführten Hersteller Renault und Nissan. Ghosn hatte vor einigen Monaten eine Allianz mit GM erwogen, zuletzt aber zunächst allein bleiben wollen. Am vergangenen Donnerstag bei der Vorstellung der Jahresergebnisse von Renault hatte Ghosn allerdings gesagt, dass es zum derzeitigen Zeitpunkt „gefährlich" wäre, die Allianz um einen US-Partner auszudehnen. Denn der Automanager, der Renault und Nissan in Personalunion führt, hat genug Probleme damit, die Rentabiliät von beiden Konzernen zu verbessern.

Der japanische Autokonzern Toyota winkte dagegen bereits ab. „Wir haben kein besonderes Interesse, andere Unternehmen zu erwerben“, sagte Nordamerika-Chef Jim Press. Auch für den Autobauer Mitsubishi ist nach den Worten des Europachefs Tim Tozer Chrysler kein Thema. Bei PSA Peugeot Citroen hatte man bereits am Mittwoch abgeblockt. „Wir sind nicht dogmatisch mit Sicht auf Allianzen, aber das zählt derzeit überhaupt nicht zu unseren Prioritäten", hatte ein Sprecher dem Handelsblatt gesagt. Zetsche hatte am Mittwoch angekündigt, für Chrysler nach vielen Verlustjahren alle Optionen zu prüfen.

Die Aktionäre von Daimler-Chrysler setzen auf einen Befreiungsschlag und spekulieren auf den Verkauf der krisengeschüttelten US-Tochter Chrysler. Einen Tag nach der überraschenden Ankündigung Zetsches legten die Aktien des deutsch-amerikanischen Autobauers am Donnerstag erneut um mehr als fünf Prozent zu. Damit war das Papier mit Abstand größter Gewinner im Dax.

Der US-Autohersteller ist immer wieder in die Verlustzone gerutscht. Im vergangenen Jahr fuhr Chrysler das dritte Mal seit der Fusion mit Daimler-Benz vor neun Jahren hohe Verluste ein. Nun sollen 13 000 der 83 000 Stellen wegfallen und Mrd. in verbrauchsärmere Fahrzeuge investiert werden. 40 000 Jobs hatte Chrysler schon zuvor gestrichen. Dennoch führten Überkapazitäten und eine verfehlte Modellpolitik 2006 zu einem operativen Verlust von 1,1 Mrd. Euro.

Der japanische Autobauer Toyota hat schon abgewunken. „Wir haben kein besonderes Interesse, andere Unternehmen zu erwerben“, sagte Toyota-Nordamerika-Chef Jim Press. Einen Medienbericht, wonach es erste Gespräche von Zetsche mit dem US-Konkurrenten General Motors geben soll, kommentierten beide Unternehmen nicht. Der weltgrößte Autobauer steckt selbst seit Jahren in der Dauer-Restrukturierung.

Börsengang als Ausweg mit Charme

Ein Ausweg wäre ein Börsengang. Dieser hätte den Charme, dass Daimler die Zukunftsaussichten von Chrysler aufzeigen und gleichzeitig einen - wenn auch bescheidenen - Emissionserlös einstreichen könne, sagte Christoph Stürmer, Analyst des Beratungsunternehmens Global Insight. Aus seiner Sicht wäre es sinnvoll, zunächst bis zu ein Viertel der Chrysler-Anteile in den USA an die Börse zu bringen.

Die Chrysler-Aktie war nach der Fusion von der New Yorker Börse genommen worden. „Einer der Geburtsfehler der Fusion war die doppelte Firmensitz in den USA und Deutschland“, sagte Stürmer. Dadurch sei die Daimler-Chrysler-Aktie aus vielen US-Investmentfonds gefallen. Der Anteil amerikanischer Anleger bei Daimler-Chrysler sei seither deutlich geschrumpft.

Auch Arndt Ellinghorst von Dresdner Kleinwort favorisiert einen Börsengang von Chrysler. Der sei umso wahrscheinlicher, je besser die Sanierung gelinge. „Ich würde das Unternehmen nicht totsagen“, sagte der Autoanalyst. Auch Fiat sei nach der Sanierung zurückgekommen. Der italienische Traditionskonzern hat 2006 erstmals seit sechs Jahren mit Autos wieder Geld verdient. Gelingt die Sanierung, könne Chrysler später wieder von Daimler-Benz getrennt werden. Ziel könne eine Allianz nach dem Muster von Renault/Nissan sein, meint Ellinghorst.

Robert Heberger vom Bankhaus Merck Finck hält eine Allianz mit einem anderen Autobauer für die wahrscheinlichste Lösung. „Die Börse würde am liebsten sehen, wenn Chrysler abgestoßen würde. Das sehe ich im Moment aber nicht.“

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