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Zeitarbeit boomt Die traurige Wahrheit hinter dem „Jobwunder“

Das sogenannte „Jobwunder“ klingt positiver, als es ist. Ein Blick hinter die Kulissen der schönen Arbeitsmarkt-Zahlen belegt: Unterm Strich verlagern nicht zuletzt die Dax-Konzerne mehr Stellen ins Ausland, als sie im Inland schaffen. Großer Profiteur ist die Zeitarbeitsbranche. Doch die Gewerkschaften gehen wegen der "Lohndrückerei" immer mehr auf die Barrikaden.
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Arbeiter im Werk eines Autoherstellers: Seit dem Boom der Zeitarbeitsbranche wächst auch der Druck gegen das

Arbeiter im Werk eines Autoherstellers: Seit dem Boom der Zeitarbeitsbranche wächst auch der Druck gegen das "Lohndumping".

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Randstad und Adecco sind keine Unternehmen, die in Deutschland als besonders bedeutsam gelten. Ihre Namen glitzern nicht, sie sind nicht der Sehnsuchtsort für junge Jobsuchende.

Doch gemessen an ihrer Bedeutung für die Volkswirtschaft, gehören die Unternehmen zu den ganz großen. Ginge es nach der Zahl ihrer hierzulande Beschäftigten, gehören die beiden Zeitarbeitsfirmen mit Sitz in den Niederlanden und der Schweiz längst in die erste Liga deutscher Unternehmen, den Dax. Randstad beschäftigt in Deutschland 50 000 Mitarbeiter. Genauso viele Angestellte arbeiten für den Ludwigshafener Chemieriesen BASF. Für Adecco arbeiten in Deutschland fast 40 000 Mitarbeiter, ebenso viele wie beim Energiekonzern RWE.

Die Zeitarbeit hat einen regelrechten Siegeszug angetreten. Seitdem die rot-grüne Bundesregierung im Zuge der Hartz-Reformen 2003 den Arbeitsmarkt deregulierte, boomt die Branche. Gab es damals erst 300 000 Zeitarbeiter, so sind es heute knapp 900 000.

Gerade die Elite der deutschen Wirtschaft, die 30 Dax-Konzerne, greift zunehmend auf die flexible Arbeitsreserve zurück - zulasten der Stammbelegschaft. In den vergangenen vier Jahren verschwanden 80 000 Jobs bei den Großkonzernen. Allein 2010 gingen unter dem Strich 11 600 Stellen verloren. Das ist das Ergebnis einer Handelsblatt-Analyse. Thyssen-Krupp baute 10 000 Vollzeitstellen ab, beschäftigt zugleich aber wieder 3 000 Zeitarbeiter. Der Chemiekonzern Bayer strich trotz Rekordgewinn 1 900 Stellen.

Der Autobauer BMW baute in den vergangenen drei Jahren 10 000 Stellen ab und greift heute wieder auf mehr als 3 000 Zeitarbeiter zurück. "Wir brauchen einen gewissen Anteil, um flexibel auf weltweite Marktschwankungen reagieren zu können", sagt der BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner. In Deutschland lernten Unternehmen Zeitarbeit vor allem in der Finanz- und Wirtschaftskrise als "Flexibilitätsreserve" schätzen.

Die Zahl der in Deutschland beschäftigten Zeitarbeiter ist für sich genommen spektakulär, im internationalen Vergleich aber eher moderat. In Großbritannien und den Niederlanden etwa ist der Anteil der Zeitarbeiter an der Gesamtzahl der Beschäftigten doppelt so hoch wie in Deutschland.

Allerdings: In Zeiten des Aufschwungs gerät die Zeitarbeitsbranche jetzt wieder zunehmend unter Druck. Nicht nur die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie fordern gleiche Löhne für gleiche Arbeit. Auch die schwarz-gelbe Bundesregierung plant ein Gesetz für "equal pay", mithin die Revision der rot-grünen Weichenstellung. Offenbar gilt jetzt wieder die Devise von Annelie Buntenbach. Für das Mitglied des DGB-Bundesvorstands ist Leiharbeit nur "eine der Hauptverkehrsstraßen in prekäre Beschäftigung".

Doch diese Polemik entspricht nicht unbedingt der Realität. Für Zehntausende Beschäftigte ist die Zeitarbeit die Auffahrt zum regulären Arbeitsmarkt.

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16 Kommentare zu "Zeitarbeit boomt: Die traurige Wahrheit hinter dem „Jobwunder“"

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  • Das Gewinnverhältnis der Zeitarbeitsfirmen ist in keinem Verhältnis zu den industriebetrieben, die hier zum Vergleich herangezogen werden. Für einen Freiberufler kassiert die Zeitarbeitsfirma etwa 30% für jede gearbeitete Stunde. bei Facharbeitern ist es auch nicht schlechter.

    in meinen Augen ist das pure Abzocke an den Leuten, die tatsächlich noch was arbeiten und Zeitarbeit und Jobvermittlung mit Handaufhalten gehört daher wegen Unsozialität vollständig abgeschafft!!!

    Die Erlöse gehen nämlich an Krankenkassen und Solzialversicherung bzw. Pensionskassen vorbei!!!

    Aber Politiker sind nunmal scheinbar dumm genug...

  • Leiharbeiter und 400-Euro-Jober sind die Armen der Zukunft.

    Die raffgierigen Ausbeuter bekommen nicht den Hals voll.

    Leiharbeiter sollten in der bRD 10% mehr als Festangestellte bekommen, da höhere belastung, neue Kollegen, neuer Arbeitsplatz, mehr Streß, usw..

    Stattdessen blanke Ausbeutung seit 29 Jahren wird die bRD durch die CDU-CSU-FDP demontiert.
    Mann/Frau wird ja gesponsert, gespendet, beraterverträge,...
    Man kann nicht der Diener zweier Herren sein.

    Und die SPD machte unter Schröder und Steinmeier weiter.

    Hoffentlich werden die Deutschen bald wach - und jagen das Merkel, brüderle,Schäuble,Leinen,... in die Wüste.
    Diese blender und Täuscher zerstören die bRD.

    Aber Hauptsache die Deutsche bank und Ackermann werden bedient. Man feiert auf Steuerzahlerkosten, beutet das Personal aus,..

    Und 400-Euro-"Jobs" (Nebentätigkeiten) nur für Arbeitnehmer mit festen Arbeitsplatz und Sozialabgaben.
    Sonst nur Anstellungen und Nebentätigkeiten mit Rentenbeitragspflicht, beamte müssen auch für Rente bezahlen, - und Pensionen müssen auch gleiche Höhe haben, wie normale Arbeitnehmer. D.h. in Zukunft nur noch 43% statt 67% - wie heute.

    Nicht Doppeltes und dreifaches Kindergeld für beamte.
    Normales Kindergeld plus Ortszulage plus

    Kindergeldzuschlag für beamte ab 01.01.1999 fast 410 DM für das Dritte Kind. Verfassungsgerichtsurteil Ende Nov. 1998. beamte schieben sich gegenseitig Steuergelder zu.

    Fordere gleiche Höhe Kindergeld für alle Kinder!!!

    Reiche bekommen Freibetrag 8004 Euro p.a.,
    normale bürger 2208 Euro p.a,
    beamte 2208 plus Ortszulage plus ca. 235 Euro (Stand 2005 für das 3. Kind)

  • Sehr geehrter Herr Hartung,

    ihr Kommentar freut mich ganz besonders. Sie beschreiben deutlich einen Missstand und schreiben als Fachmann. Dass Sie das mit vollem Namen tun, nötigt mir Respekt ab.

    Mut und Rückgrat sind genau die Eigenschaften, die den meisten Menschen in den bürgerverwaltungen verloren gingen und sie machen sich zu Handlangern von einer völlig außer Rand und band geratenen Elite. Das ist gerade vor dem geschichtlichen Hintergrund unserer Nation sehr bedenklich!

    Allerdings habe ich auch Verständnis. Als Vorbild haben die Mitarbeiter in den Verwaltungen unsere Politiker, die kriechend und katzbuckelnd vor den Lobbyisten und Wirtschaftsbossen NULL Mut und Rückgrat beweisen.

    Umso mehr verdienen Sie Respekt! Danke!

  • ich halte die zeitarbeit nicht nur für überflüssig sondern im Sinne der steuerzahlenden mehrheit für schädlich parasitär. Als kommunaler Angstellter in einer ARGE in Tätigkeit als Fallmanager habe ich das parasitäre Verhalten wiederohl erleben müssen. Nicht das nur zu Lohndumpin beschäftigte eingestellt wurden, nein diese Unternehmen wollten auch noch Fördermittel (Eingliederungszuschüsse) bei mir beantragen wenn sie ALG2 bezieher eingestellt hatten.

  • ich wollte jetzt auch einmal meinen Senf dazu geben. ich halte die Zeitarbeit für ein gutes Mittel. Aber nur wenn die Zeit begrenzt wird. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Zeitarbeit durchaus ein Sprungbrett sein kann. aber ich habe auch schon erlebt, wie Kollegen und Kolleginnen 2-3 Jahre über Zeitarbeitsverhältnisse auf dem gleichen Platz sitzen und die Unternehmen das instrument missbrauchen.

    ich denke darin liegt das Problem. Die max. Zeit sollte gedeckelt werden. Und Unternehmen mit (ich habs erlebt) 80-90% Zeitarbeitskräften gehört ein Riegel vorgeschoben.

    Wie wäre wohl eine Festangestelltenquote...Quotendiskussionen sind doch gerade sowiedo in...

  • @ Odenwaldbiker
    genau so ist es
    neue Partei gründen, Mitglieder nur ohne politische Vorgeschichte und das Establishment aufmischen
    Nürnberger Gerichte über Fehlverhalten des alten Packs, z.b. Veruntreuung von Volksvermögen (bLb) etc.
    Änderung /Verschärfung des Strafrechts für Straftaten von Politikern

  • ist ein Manchester-Kapitalismus wie im 19. Jahrhundert. Zeitarbeit (moderne Tagelöhnerei ohne Möglichkeit langfristig finanziell zu planen) ist ein wichtiger Schritt dorthin. Globalisierung im Großen und z.b. die "Arbeitnehmerfreizügigkeit" auf europäischer Ebene sind weitere. Der Mensch soll schuften, möglichst wenig verdienen aber dennoch konsumieren das die Schwarte kracht. bismarcksche Sozial- und Gefühlsduselei war gestern... Willkommen im merkelhaften Deutschland!

  • Das Thema Leiharbeiter wird in Deutschland immer noch mit gänzlich falschen Vorgaben diskutiert.

    Fakt ist, dass Leiharbeiter mindestens 10% mehr verdienen müßten, als fest angestellte Mitarbeiter, weil:
    - Leiharbeiter ganz allein das Risiko des Auftragsrückgangs tragen.
    - Leiharbeiter für Unternehmen auch mit deutlich höheren Löhnen eine interessante Alternative sind, Spitzenzeiten zu überbrücken.
    - es für ein Unternehmen nie attraktive sein darf, feste Mitarbeiter durch Leiharbeiter zu ersetzen.

    Es ist doch ein Widerspruch in sich, Unternehmen diese viel attraktivere Art der "beschäftigung" von Mitarbeitern anzubieten, für die sie dann auch noch erheblich weniger bezahlen müssen.

    Aber solange unsere Politiker und hohen Gewerkschaftsfunktionäre ihren "bonus" von der industrie bekommen, wird sich die Situation sichen nicht ändern.

  • leute geht studieren!! mit vielen Fremdsprachen!
    kostet den Staat ne Menge Geld und mit einem abgeschlossenen Studium kanm man sich wunderbar ins Ausland verpissen und dem Rainer, der Ursula und dem ganzen Pack schön den Effe zeigen!

  • Die derzeit existierende Zeitarbeit rot-grüner Prägung ist ohne Zweifel allein an den interessen der Arbeitgeber und damit gegen gesamtgesellschaftliche interessen ausgerichtet.

    in Frankreich oder England gibt es auch sehr viel Zeitarbeit - und da gilt nicht nur equal pay von beginn an, sondern die Zeitarbeiter verdienen MEHR als die Stammbelegschaft. begründet wird das überzeugend damit dass die Zeitarbeiter ja ein weitaus höheres beschäftigungsrisiko haben.

    Die Erfahrungen in Gb und F zeigen auch, dass trotz equal pay die Vorteile der Zeitarbeit für die Unternehmen überwiegen - es rechnet sich dennoch. Das Gebarme von FDP und bZA erscheint daher lächerlich.

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