Zoff bei Volkswagen Per Rundbrief ins PR-Desaster

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„Langfristig verlieren beide Seiten“

Tausende VW-Leiharbeiter sollen nicht übernommen werden

Tausende VW-Leiharbeiter sollen nicht übernommen werden

Auch Thomas Koch, Professor für Unternehmenskommunikation an der Universität Mainz, beobachtet das Wolfsburger Kommunikationschaos genau. Den generellen Konflikt zwischen Betriebsrat und Management hält er für normal, gewissermaßen sogar gewollt und im System angelegt. „Intern kann es ruhig mal zur Sache gehen bei solchen Verhandlungen“, sagt er. „Wenn interne Konflikte aber öffentlich ausgetragen werden, schadet das immer der Marke und dem Konzern.“

Koch hat beobachtet, dass die Konfliktparteien in Streitsituationen wie jetzt bei VW immer öfter versuchen, die Medien für ihre Interessen zu nutzen. „Sie wollen ihre Verhandlungsposition stärken, Druck aufbauen“, erklärt Koch. Kurzfristig funktioniere das oft sogar. Druck erhöhe die Geschwindigkeit der Diskussion, zwinge den Gegner zur Reaktion. Bei VW habe man das gerade wieder gesehen – da musste Konzernchef Müller sich plötzlich äußern. Das Problem sei jedoch: „Langfristig verlieren beide Seiten auf jeden Fall.“

So viel kassierten die VW-Bosse 2016
Platz 9: Frank Witter
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Frank Witter ist seit 1992 bei VW. Seit Oktober 2015 ist er für den Geschäftsbereich „Finanzen und Controlling“ zuständig. Sein Gehalt stieg – auch aufgrund des neuen Postens – von 940.000 Euro auf gut 3 Millionen Euro.
Gehalt: 1,1 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 8: Rupert Stadler
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Das Aufsichtsratsmitglied vom FC Bayern München Rupert Stadler ist seit 2010 Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG. Zudem ist der Manager Vorstandsvorsitzender der Audi AG. Seine Vergütung sank 2016 um mehr als eine Million Euro.
Gehalt: 1,1 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 7: Jochem Heizmann
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Wirtschaftsingenieur Jochem Heizmann ist seit 1991 bei Volkswagen. Seit 2012 ist er für den Geschäftsbereich „China“ zuständig. Im vergangenen Jahr ging seine Vergütung um gut eine Million Euro zurück.
Gehalt: 1,2 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 6: Francisco Javier Garcia Sanz
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Der Spanier Francisco Javier Garcia Sanz arbeitet seit 1993 für VW. 1996 wurde er Mitglied des Vorstands der Marke „Volkswagen Pkw“ und 2001 der Volkswagen AG. Dort ist er zuständig für den Bereich „Beschaffung“. Auch bei ihm sanken 2016 die Bezüge um rund eine Million Euro.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 5: Andreas Renschler
5 von 9

Andreas Renschler war bis 2014 Mitglied des Vorstandes der Daimler AG. Im Februar 2015 wechselte der Stuttgarter zu VW und ist dort für den Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge verantwortlich. 2015 hatte er durch eine Kompensation aufgrund seines Arbeitgeberwechsels noch 15,6 Millionen Euro kassiert.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 4: Herbert Diess
6 von 9

Der österreichische Manager arbeitet seit 2015 für die Volkswagen AG und ist Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen-Pkw. Auch er wurde 2015 für den Arbeitgeberwechsel entschädigt und erhielt 7,2 Millionen Euro. Im abgelaufenen Jahr waren es fast vier Millionen Euro weniger.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 3: Karlheinz Blessing
7 von 9

Der Manager ist seit Januar 2016 für den Bereich Personal und Organisation verantwortlich. In dieser Funktion muss der 59-Jährige derzeit den geplanten Stellenabbau im Rahmen des Zukunftspaktes umsetzen. Ein Vergleichsgehalt für 2015 liegt nicht vor.

Gehalt: 1,4 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

An Kochs Lehrstuhl gibt es zu diesem Thema eine aktuelle Doktorarbeit. Sie untersucht, ob sich negative Berichterstattung wie aktuell bei VW auf die Stimmung im Konzern auswirkt. Das Ergebnis: Bei miesen Schlagzeilen nehmen die Mitarbeiter plötzlich Stress stärker wahr, ihr Vertrauen ins Management sinkt, das Betriebsklima fühlt sich schlechter an. „Dadurch kann auch die Arbeitsleistung abnehmen“, sagt Koch. „Im schlimmsten Fall setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang.“

Um solche Prozesse zu verhindern, müsse die Kommunikationsabteilung des Konzerns allen Beteiligten schon im Vorfeld möglicher Konflikte klarmachen, dass sie durch die Eskalation nur verlieren können. Wenn der Schaden einmal da sei, könne man ihn im Nachhinein nur noch schlecht korrigieren, sagt Koch. Schließlich glaube dem Konzern keiner mehr, dass alles rosig sei, wenn eine Woche lang öffentlich mit Schmutz geworfen wurde.

Für VW sieht Koch in der derzeitigen Lage nur noch einen Ausweg. Erstens: Den Konflikt rausholen aus der Öffentlichkeit. Zweitens: Intern eine Lösung für den Streit finden. Drittens: Die Lösung als gemeinschaftlichen Kompromiss nach innen und außen kommunizieren. Kochs Kollege Thorsten Hofmann hat indes noch einen vierten Ratschlag: Während der internen Verhandlungen sollte man vielleicht eine Art Waffenstillstand vereinbaren, sagt er. Und vor allem auf Rundbriefe bis auf weiteres verzichten.

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5 Kommentare zu "Zoff bei Volkswagen: Per Rundbrief ins PR-Desaster"

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  • Wer genau verfolgt was da los ist merkt das Osterloh einer der normal denkenden Menschen ist.
    Er versucht alle noch auf der kippe stehenden Mitabeiter ins Boot zu holen.
    Weil der Stellenabbau genau dividiert wurde. Es ist noch nicht klar was in 10 Jahren ist aber dem Diess ist klar es müssen alle kleinen Arbeiter raus. Zahlen Daten Fakten!!!!!
    "Das Band läuft auch ohne Mitarbeiter"
    Viele Leiarbeiter haben ihre festen Jobs aufgegeben um bei VW über Leiarbeitsfirmen
    Fuß zu fassen. Es muss bei VW was passieren!!!! Keine Frage aber erst ganz OBEN
    nicht UNTEN.

  • @ Lopez
    Bei VW ist Elektriker OSTERLOH der Konzernchef.
    Bei PORSCHE ist der Lackierer HUECK der Konzernchef.
    Sie kommen beide aus kleinsten Verhältnissen u. drehen dann irgendwann durch.

  • Ich stelle immer wieder erstaunt fest, welchen Einfluße der Betriebsrat und sein Vorsitzender im VW-Konzert hat. Grundsätzlich bin ich für einen Betriebsrat in Unternehmen ab einer bestimmten Betriebsgröße. Ich kenne es aus eigener Anschauung in einem ehemaligen Montanbetrieb. Bei VW habe ich allerdings den Eindruck, dass Osterloh glaubt, er sei der Konzernchef. Es ist an der Zeit, dem Betriebsratschef mit seinen Betriebsratskollegen ein wenig die Flügel zu stutzen.

  • Bei VW hilft nur ein Sanierer ... Dr. WENDELIN WIEDEKING.
    Ein excellenter Fachmann der PIECH gefährlich wurde ... deshalb von Piech abgesägt.

  • Vor allem der Betriebsrat sollte sich mal hinter die Löffel schreiben, dass es a) schließlich Mitarbeiter waren, die die Manipulationssoftware programmiert und millionenfach verbaut haben und b) man selbst im Aufsichtsrat alles kräftig mit abgenickt und verbockt hat, wogegen man nun protestiert. Offensichtlich sind doch auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat ihrer Aufsichtsverpflichtung nicht wirklich gerecht geworden. Und mal ehrlich, gerade diese hätte u.a. wissen können/müssen, dass man niemals in der Lage ist, solche angeblichen Wundermotoren zu bauen. Hat man da was kritisch hinterfragt? Wohl kuam!

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