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Zukunft der Medizin Doktor Digital

Neue Technologien revolutionieren die Medizin – und eröffnen Patienten, Ärzten, Kliniken und Unternehmen neue Möglichkeiten. Der digitale Gesundheitsmarkt soll sich bis 2020 weltweit mehr als verdoppeln.
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Ein Arzt benutzt ein Tablet-PC mit verschiedenen Apps: Neue Technologien in der Medizin kommen vor allem Patienten zugute. Quelle: picture alliance / Ikon Images
Digitalisierung

Ein Arzt benutzt ein Tablet-PC mit verschiedenen Apps: Neue Technologien in der Medizin kommen vor allem Patienten zugute.

(Foto: picture alliance / Ikon Images)

Frankfurt Menschen überwachen ihr Wohlbefinden per Smartphone, digitale Krankenakten vereinfachen den Klinikalltag, Roboter helfen im Operationssaal. Die neuen technologischen Möglichkeiten in der Gesundheitsversorgung verändern nicht nur das Leben von Menschen, sondern auch das Arbeiten von Ärzten, Kliniken und Unternehmen. „Jedes Produkt wird irgendwie vernetzt sein“, zeichnet Philips-Chef Frans van Houten sein Bild von der Zukunft der Gesundheitsversorgung. „Die Digitalisierung eröffnet uns unendlich viele Möglichkeiten.“

Das Potenzial ist riesig: Nach Prognosen der Unternehmensberatung Arthur D. Little soll sich der digitale Gesundheitsmarkt bis 2020 weltweit auf 233 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Die Experten sind davon überzeugt, dass in der Ära von Big Data drahtlosen Übertragungssystemen, Patientenüberwachung und elektronischen Gesundheitsakten die Zukunft gehört. (Hier geht's zum Handelsblatt Special)

Und so entfernt ist diese Zukunft nicht mehr. Schon heute tüfteln Industrieunternehmen wie Bosch Sensortec oder der US-Elektronikkonzern Jabil daran, künftig T-Shirts und Hosen mit Sensoren zu bestücken, die etwa den Herzschlag oder andere Vitaldaten analysieren. Van Houten kann sich sogar vorstellen, das solche Sensoren irgendwann die Blutwerte messen. Die Medizintechnikfirma Medtronic entwickelt zusammen mit IBM Überwachungssysteme für Diabetiker, die drohende Unterzuckerungen Stunden vorher ankündigen. Und Philips wiederum hat auch ein Frühwarnsystem für Herzinfarktpatienten im Einsatz.

Krankheiten viel früher erkennen und deutlich besser behandeln zu können, das sind die großen Hoffnungen, die mit der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung verbunden sind. Nicht zuletzt wegen der guten Marktaussichten hat der einstige Mischkonzern Philips beschlossen, sich auf das Thema Gesundheit zu konzentrieren, und kürzlich auch seine Lichtsparte abgespalten.

Aber auch viele andere Firmen positionieren sich. Die großen Technologiekonzerne wie Apple, Google und IBM melden Ansprüche in der digitalen Medizin an. Auch die Pharmahersteller arbeiten an innovativen Projekten und suchen sich wiederum Tech-Partnern: Novartis erforscht mit Microsoft Bewegungsabläufe bei Multiple-Sklerose-Patienten, Roche und SAP überwachen gemeinsam Diabetes-Erkrankte. Sanofi hat sich auf diesem Feld mit Google verbündet, Bayer sucht ebenfalls die Zusammenarbeit.

Neun der 20 größten Pharmakonzerne haben in den vergangenen zwei Jahren solche Projekte angestoßen, zeigt eine Auswertung des Marktforschers IMS Health. Das Spektrum der Aktivitäten ist breit: „Handlungsfelder sind vor allem Forschung und Entwicklung, Robotik oder die Verbesserung der mobilen Gesundheitsversorgung auf Basis von Smartphones mit Überwachungsfunktionen“, sagt Frank Wartenberg, verantwortlich für Zentraleuropa bei IMS Health.

So lässt sich das Krebsrisiko senken
Todesursache Krebs
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Rocklegende David Bowie (r.) und Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister sind zwei Fälle in einer langen Liste von Prominenten, die an Krebs gestorben sind. Bösartige Tumore sind nach Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Häufig ist es Schicksal, doch der Lebensstil kann das Krebsrisiko erheblich beeinflussen, wie Experten betonen.

(Foto: dpa)
Melanom-Zellen (schwarzer Hautkrebs)
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Nach Ansicht vieler Forscher wären insgesamt bis zur Hälfte der bösartigen Tumore vermeidbar, wenn Menschen ihren Lebensstil entsprechend änderten. „Das Schicksal spielt natürlich eine Rolle, aber man kann es stark beeinflussen“, sagt der Leiter der Abteilung Epidemiologie von Krebserkrankungen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, Rudolf Kaaks.

(Foto: dpa)
Krebsrisiko Rauchen
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Rauchen sei bundesweit für etwa jeden fünften Krebsfall verantwortlich, warnt Kaaks. Bei Lungen-, Rachen-, Speiseröhren- und Blasenkrebs sei der Anteil sogar noch viel höher. Zudem schädigen Raucher nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Allein in Deutschland sterben jährlich 3000 Menschen durch Passivrauchen an Krebs, so der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Johannes Bruns.

(Foto: dpa)
Krebsrisiko Übergewicht
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Den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs kennen viele Menschen nicht, dabei ist er seit Jahren belegt. Nach vorsichtigen Schätzungen könnten darauf mindestens fünf bis sechs Prozent aller Krebsfälle zurückgeführt werden, schätzt DKFZ-Experte Kaaks: „Die Liste der Krebsarten, bei deren Entstehung vermutlich Übergewicht eine Rolle spielt, wird immer länger.“

(Foto: dpa)
Krebsrisiko Ernährung
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Falsche Ernährung spielt bei bis zu zehn Prozent aller Krebsfälle eine Rolle. Am besten belegt und am stärksten ausgeprägt seien die schädliche Wirkung von rotem Fleisch und die schützende Wirkung von Ballaststoffen, sagt Kaaks. Dass Gemüse und Obst das Krebsrisiko stark senken, habe sich jedoch nicht bestätigt.

Für Aufsehen sorgte zuletzt eine Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Wer viel verarbeitetes Fleisch esse, erhöhe sein Darmkrebsrisiko. Andererseits liefert Fleisch aber auch Eisen und wichtige Vitamine. „Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es kommt aber auf die Menge an“, sagt Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke.

(Foto: ap)
Krebsrisiko Bewegungsmangel
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Körperliche Aktivität senkt das Risiko für Darm- und Brustkrebs. „Und es mag sehr wohl sein, dass das auch für viele andere Krebsarten gilt“, sagt Kaaks.

„Fitness wirkt ein Stück weit schützend“, meint auch Johannes Bruns von der Deutschen Krebsgesellschaft. „Aber kein Mensch sollte glauben, vor Krebs gefeit zu sein, nur weil er jedes Jahr den Berlin-Marathon läuft.“

(Foto: dpa)
Krebsrisiko Alkohol
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Vier bis fünf Prozent aller Krebsfälle sind auf Alkohol zurückzuführen. Vor allem die Kombination von Alkohol und Rauchen sei gefährlich, warnt Kaaks. Ein Glas Wein oder Bier reiche schon aus, um das Risiko für bestimmte Krebsarten leicht, aber nachweisbar zu steigern.

Johannes Bruns ist überzeugt, dass bei Alkohol die Dosis das Gift macht. „Irgendwann ist die Schwelle erreicht, wo der Körper nicht mehr damit umgehen kann und Krebs entsteht“, sagt er. Diese Schwelle sei aber von Mensch zu Mensch sehr verschieden.

(Foto: dpa)

Wie breit die Aktivitäten mittlerweile sind, zeigt ein Blick in die App-Stores von Apple, Google und Co. Den gesamten Markt für Gesundheitsprogramme für Smartphones beziffert der Berliner Marktforscher Research2Guidance auf 165.000. Die Analyse stammt vom November 2015. Mittlerweile dürften es deutlich mehr sein.

Denn wie eine exklusive Auswertung des Berliner IT-Service- und Beratungsunternehmen Nova Motum für das Handelsblatt zeigt: Es gibt jeden Monat allein im deutschen Apple-Store rund 1 800 neue Gesundheits- und Fitness-Programme für das Smartphone. Schnarchtest, Periodentracker, Hörtest, Pillenerinnerung, Erste-Hilfe-Kurs — die Liste ist lang, unglaublich lang: Anfang Juli dieses Jahres zählte Nova Motum in Summe bereits knapp 95.000 Apps. Rund 70.000 gehören dabei zur Kategorie Fitness, knapp 40.000 zur Kategorie Medizin, 15.000 sind in beiden Kategorien vertreten.

Fülle an Gesundheits-Apps
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4 Kommentare zu "Zukunft der Medizin: Doktor Digital"

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  • Ist ja interessant.

    Themen, die eine totale Strukturveränderung von Staat und Gesellschaft betreffen, interessieren fast keinen der hoch geschätzten Leser hier. Dabei dürfte KI und VR wohl zu dem gravierendsten Umwälzungen seit 100 Jahren führen.

    Irrelevante Sachen wie Flüchtlingen / Türkei dagegen führen zu heißen Debatten.

    Und so kann man KI und VR in aller Ruhe installieren und wird nicht durch den Bürger dabei gestört.

  • @Annette Bollmohr22.07.2016, 12:57 Uhr

    Volle Zustimmung.

    Das gleiche gilt für alle anderen "smarten" Gadgets, wie z.B. Smart-Meter (Anwesenheitskontrolle zuhause), autonomes Fahren (Fahren nach Gusto von Google und unseren "Sicherheits"-Behörden), bargeldloses Bezahlen bis hin zur vernetzten Zahnbürste und Eßgabel (gibt es wirklich schon).

    Zum jetzigen Stand der Technik ist "smart" gleichzusetzen mit "totale Überwachung".

  • Neue Technologie die sich in Zukunft nur noch die Reichen leisten können. Digitaler Gesundsheitsmarkt mit Ferndiagnosen und Behandlungsempfehlungen....soll sich jeder selbst seine Gedanken darüber machen. Die Reichen haben eh weiterhin ihren persönlichen Leib-Hausarzt.

  • Wir werden bald selber zum Roboter, und zwar 'nem hysterischen, wenn wir uns nicht tunlichst mal Gedanken darüber machen, was von den ganzen Technologie-Revolutionen wirklich sinnvoll ist (z.B. digitale Krankenakten, OP-Roboter), und was davon bloß in Kontrollzwang ausartet und eigentlich völlig überflüssig oder sogar schädlich ist (gilt v.a. für die ganzen Selbstüberwachungsgadgets).

    Die Entscheidung wird uns der Markt jedenfalls nicht abnehmen, der will Geld verdienen.

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