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Zulieferer Continental kassiert seine Prognose und schickt 30.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Weltweit stehen 40 Prozent aller Conti-Werke still. Der Zulieferer wird seine Umsatzziele nicht erreichen. Der Vorstand verzichtet nun auf einen Teil seines Gehalts.
01.04.2020 - 09:13 Uhr Kommentieren
Der Konzern gibt eine Gewinnwarnung raus und schickt 30.000 Mitarbeiter in die Kurzarbeit.
Continental

Der Konzern gibt eine Gewinnwarnung raus und schickt 30.000 Mitarbeiter in die Kurzarbeit.

Düsseldorf In Zeiten von Corona haben Geschäftsprognosen nicht wirklich lange Bestand. Wegen der Folgen der Corona-Pandemie sieht sich nun auch Continental zu einer Gewinnwarnung gezwungen. Das teilte der Dax-Konzern kurz vor Börseneröffnung in Frankfurt mit. Wie stark die Covid-19-Pandemie die Bilanz des Zulieferers belasten wird, teilt das Unternehmen allerdings nicht mit.

„Wegen der andauernden und starken Dynamik der durch die Pandemie hervorgerufenen Entwicklung ist derzeit nicht abzuschätzen, wann ein neuer Ausblick gegeben werden kann“, heißt es in der Pflichtmitteilung des Konzerns.

Vor nicht einmal einem Monat war Conti zur Vorlage der Jahreszahlen noch davon ausgegangen, dass der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr zwischen 42,5 und 44,5 Milliarden Euro liegen werde. Beim operativen Gewinn rechnete der Zulieferer mit einer Marge von 5,5 bis 6,5 Prozent.

Doch die vorläufigen Zahlen für das erste Quartal 2020 deuten bereits an, dass diese Zielmarken nicht einzuhalten sein werden. Demnach hat Conti in den ersten drei Monaten des Jahres einen Umsatz von 9,4 bis 9,8 Milliarden Euro gemacht. Die Gewinn-Marge kommt nicht über ein Niveau von zwei bis drei Prozent hinaus.

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    Besonders die Automotive-Sparte, eigentlich das künftige Wachstumsgeschäft von Conti, leidet unter den Folgen des Coronavirus. Hier lag die Ebit-Marge bei null Prozent. Das Reifen- und Industriegeschäft muss zwar ebenfalls Einbußen hinnehmen, kommt aber auf eine Marge von sieben bis acht Prozent. An der Frankfurter Börse rutschten die Aktien von Conti um über sechs Prozent ins Minus.

    „In Krisenphasen ist finanzielle Liquidität das oberste Gebot“, teilt Continental-Chef Elmar Degenhart in einem Schreiben des Konzerns mit. Deswegen werden bei Continental mit allen Mitteln die Kosten gesenkt. Nicht dringend erforderliche Projekte und Investitionen würden nun bis auf Weiteres verschoben. Stattdessen werde man sich jetzt auf wichtige Entwicklungsprojekte und bevorstehende Serienanläufe konzentrieren, die im Gegensatz zu Forschungsprojekten zeitnah Einnahmen versprechen.

    Bei Continental stehen derzeit mehr als 40 Prozent der insgesamt 249 Produktionsstandorte weltweit still. Davon betroffen sind Standorte in Europa, Nord- und Südamerika. In China, wo das Coronavirus als erstes ausgebrochen war, stand die Produktion bis zum 10. Februar still. Mittlerweile seien die Werke wieder schrittweise hochgefahren worden.

    Das Unternehmen hat deswegen 30.000 Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt. Bereits seit Mitte März haben einige Geschäftsbereich damit begonnen, Arbeitszeiten zu reduzieren.

    Der Conti-Vorstand hat zudem entschieden zusammen mit zahlreichen Führungskräften auf zehn Prozent ihre Gehaltes zu verzichten. „Viele Mitglieder des weltweiten Continental-Teams befinden sich derzeit in Kurzarbeit, müssen Gehaltseinbußen oder andere Einschränkungen hinnehmen. Wir bitten unsere Führungskräfte weltweit daher um ihre Solidarität und persönliche Unterstützung. Wir als Vorstand gehen voran und verzichten für den Monat April auf zehn Prozent unseres Grundgehalts“, teilt Degenhart mit.

    Mit seiner Gewinnwarnung reiht sich Continental in eine lange Schlange von Unternehmen aus der Autobranche, die ihre Prognosen korrigieren müssen. Auch Schaeffler, dessen Holding mit 46 Prozent der größte Aktionär von Conti ist, hat vergangene Woche eine Gewinnwarnung herausgegeben. Noch früher kassierte der Licht- und Sensorik-Spezialist Hella seine Prognose. Der MDax-Zulieferer erklärte bereits am 18. März, dass die Prognose für 2020 nicht zu halten sein wird.

    Die Entwicklung hatte sich bereits vor zwei Wochen abgezeichnet, als die ersten Autobauer damit begannen ihre Werke in Europa vorübergehend zu schließen. Kurze Zeit später verkündeten auch die Zulieferer, dass in ihren Werken die Arbeit zeitweise ruhen wird und Mitarbeiter in Kurzarbeit gehen. Der Kabelspezialist Leoni muss sogar Staatshilfen im dreistelligen Millionenbereich aufnehmen, ansonsten droht die Pleite.

    Bei Continental ist die Lage nicht ganz so dramatisch. Der Dax-Konzern hat ein großes Liquiditätspolster aufgebaut. Conti stehen im Zweifelsfall bis zu sieben Milliarden Euro zur Verfügung. Wohl auch deswegen sieht das Unternehmen davon ab, die Dividende für dieses Jahr zu kassieren. Die Aktionäre können nach wie vor mit einer Ausschüttung von vier Euro pro Aktie rechnen – sofern die Hauptversammlung stattgefunden hat.

    Denn diese wurde wegen des hohen Infektionsrisikos des Corona-Virus ebenfalls auf unbestimmte Zeit verschoben. Wann und welcher Form – also ob real oder virtuell – sie stattfinden wird, hat Conti noch nicht kommuniziert.

    Damit bleibt auch weiterhin unklar, wie sich der Zeitplan für den Konzernumbau, der eine Abspaltung der Antriebssparte Vitesco Technologies vorsieht, verschieben wird.

    Mehr: Die Coronakrise wirbelt Contis Zeitplan für den Konzernumbau durcheinander.

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