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Zulieferer Hella stemmt sich mit soliden Zahlen gegen die Autoflaute – zumindest vorerst

Der Zulieferer steigert seinen Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr. Doch die Absatzkrise auf dem Automarkt lässt die Lippstädter pessimistischer in die Zukunft blicken.
Update: 09.08.2019 - 13:09 Uhr Kommentieren
Der Zulieferer aus Lippstadt stellt sich auf ein schweres Geschäftsjahr ein. Quelle: Reuters
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Der Zulieferer aus Lippstadt stellt sich auf ein schweres Geschäftsjahr ein.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Der Lippstädter Zulieferer Hella präsentiert in diesen Zeiten etwas Ungewöhnliches: solide Zahlen. Während Zulieferer im SDax, MDax oder Dax reihenweise sinkende Gewinne ausrufen, Prognosen senken und Arbeitsplätze abbauen, hat sich das bereinigte Ebit des MDax-Konzerns im Geschäftsjahr 2018/2019 um 5,9 Prozent auf 585 Millionen Euro verbessert. Der Umsatz sank nur leicht von 7,1 auf sieben Milliarden Euro.

Auch dank des Verkaufs des Großhandelsgeschäfts, das knapp 400 Millionen Euro in die Kassen gespült hatte, stieg die Ebit-Marge von 8,1 auf 11,6 Prozent. Hella ist wegen der starken Bilanzentwicklung und des Verkaufs des Großhandelsgeschäfts auch dazu bereit, neben der regulären Dividende von 1,05 Euro je Aktie zusätzlich noch eine Sonderdividende in Höhe von 2,30 Euro an die Aktionäre auszuschütten.

Continental, Bosch, ZFalle großen Zulieferer haben in den vergangenen Wochen schwache Zahlen veröffentlicht und mussten Ziele korrigieren, und ausgerechnet Hella trotzt diesem negativen Markttrend? Nicht ganz.

Denn das Geschäftsjahr endete zum 31. Mai 2019. Genau zu diesem Zeitpunkt nahm die Unsicherheit in der Autobranche massiv zu, weil klar wurde, dass die erhoffte Erholung der weltweiten Autoproduktion, insbesondere in China, ausbleibt. Immer mehr Autohersteller und Zulieferer senkten daraufhin ihre Prognosen und formulierten ihre Ziele vorsichtiger.

Auch das Hella-Management spürt nun diesen Gegenwind. „Wir sind stark ins Geschäftsjahr gestartet, danach haben wir eine Schritt für Schritt immer weiter abnehmende Geschäftsdynamik wahrgenommen“, sagte Hella-Chef Rolf Breidenbanch zur Vorlage der Jahreszahlen.

Im ersten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres profitierte Hella noch von Vorzieheffekten im Zuge der Einführung des WLTP-Messverfahrens. Auch war zu der Zeit noch nicht abzusehen, dass sich die Automobilproduktion in China derart stark abschwächen würde.

Aktuell sind die Produktionszahlen in China im zweistelligen Prozentbereich rückläufig. Und „es gibt derzeit keinen China-Ersatz. Wir glauben nicht, dass beispielsweise Indien das zweite China für die Autoindustrie sein wird“, sagt Breidenbach.

„Die Rahmenbedingungen haben sich für Hella im zurückliegenden Geschäftsjahr spürbar verschlechtert“, erklärt der Hella-Chef. „Die weltweite Fahrzeugproduktion befindet sich insgesamt im Rückwärtsgang.“ Dementsprechend schwach dürfte Hella in das neue Geschäftsjahr 2019/2020 gestartet sein, was zur Folge hat, dass das Management seine Ziele deutlich vorsichtiger formuliert. „Unsere Prognose für das neue Geschäftsjahr ist wegen der schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen konservativer als in den Jahren zuvor“, sagt Breidenbach.

Erstmals seit etwa zehn Jahren rechnet der erfolgsverwöhnte Zulieferer für das darauffolgende Geschäftsjahr mit einem sinkenden Umsatz. Zwischen 6,5 und sieben Milliarden Euro soll dieser liegen. An der Börse wurde die Prognose von Hella nicht gut aufgenommen. Die Aktionäre trennten sich von den Papieren des Konzerns, die mit einem Minus von 4,7 Prozent zu den größten Verlierern im MDax gehörten.

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Die aktuellen Prognosen zur künftigen Autoproduktion hält Hella zudem für zu optimistisch. Für das gerade gestartete Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Rückgang der Automobilproduktion von fünf bis sechs Prozent. Daher dürfte dem Management zufolge auch das bereinigte Ebit sinken. Lag dieses im abgelaufenen Geschäftsjahr portfoliobereinigt bei 8,4 Prozent, soll es nun nur noch einen Wert zwischen 6,5 und 7,5 Prozent erreichen.

Ein schwächeres Geschäftsjahr kann Hella aber gut verkraften. Der Konzern hat sich vor Ausbruch der Autoflaute finanziell gut aufgestellt. Hella kann auf ein gestiegenes Eigenkapital und einen höheren Free-Cashflow zurückgreifen, erklärt Hella-Finanzchef Bernard Schäferbarthold. Deswegen ist das Unternehmen in der Lage, auch seine Ausgaben für Forschung & Entwicklung (FE) nochmals zu steigern von einem Anteil am Gesamtumsatz von 8,6 auf 8,8 Prozent.

„Grundsätzlich erachten wir den Konzern, der vom Verbrennungsmotor recht unabhängig ist, auch im Vergleich zu anderen Automobil-Zulieferern als relativ gut aufgestellt für das Zeitalter der Elektromobilität und des autonomen Fahrens“, schreibt Nord-LB-Analyst Frank Schwope in einer Analyse.

Personell könnte Hella aber Anpassungen vornehmen. Schon jetzt werde in der Produktion nur sehr vorsichtig neues Personal eingestellt. Hella konzentriert sich bei Neueinstellung künftig vor allem auf den FE-Bereich.

Auch das Produktportfolio wird sich langfristig verändern. Bis 2030 werde der Verbrennungsmotor kontinuierlich an Marktanteilen verlieren. Stattdessen werden Produkte für die Elektromobilität für Hella immer wichtiger, wie beispielsweise der 48-Volt-Mild-Hybridantrieb. Dort sieht das Unternehmen derzeit die größten Wachstumschancen.

Mehr: Autokrise erfasst nächsten Zulieferer: ZF Friedrichshafen mit Gewinneinbruch.

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