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Zulieferer Schwache Antriebssparte und Rückstellungen bremsen Continental aus

Continentals Antriebssparte Vitesco drückt den Profit des Konzerns. Das Ergebnis sinkt um mehr als 20 Prozent. Das Traditionsgeschäft mit Reifen verhindert Schlimmeres.
Update: 12.11.2019 - 17:41 Uhr Kommentieren
Das Reifengeschäft ist weniger vom Rückgang der weltweiten Automobilproduktion betroffen. Quelle: dpa
Continental

Das Reifengeschäft ist weniger vom Rückgang der weltweiten Automobilproduktion betroffen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Zehn Millionen Neufahrzeuge werden fehlen, wenn das Auto-Jahr 2019 zu Ende geht. Was das für die Autohersteller bedeutet, ist naheliegend. Doch wie sehr Zulieferer darunter leiden, zeigen die Zahlen von Continental für das dritte Quartal.

Das operative Ergebnis fiel mit 614,5 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal über 20 Prozent niedriger aus. Unterm Strich stand von Juli bis September ein Minus von fast zwei Milliarden Euro, was aber zum Großteil am „Einmaleffekt“ verringerter Firmenwerte aus früheren Übernahmen sowie ersten Kosten für das Umbauprogramm resultiert.

Vor allem dem nach wie vor recht stabilen Traditionsgeschäft mit Reifen ist es zu verdanken, dass das bereinigte Konzernergebnis im dritten Quartal und in den vergangenen neun Monaten nicht noch schlechter ausgefallen war.

Denn während die Rubber Group ein solides Ebit von 12,3 Prozent erwirtschaftet hat, verkümmert die Automotive-Sparte bei 1,6 Prozent. Allein in den vergangenen drei Monaten ist das Ebit in dem Bereich, der unter anderem Fahrerassistenzsysteme und die dazugehörige Software und Sensorik fertigt, um 60 Prozent auf 101,6 Millionen Euro gesunken.

Für diesen massiven Rückgang sind nicht nur die schwierigen Marktbedingungen verantwortlich. In der schwachen Marge sind auch einmalige Gewährleistungsrückstellungen – die vor allem im noch zu Conti gehörenden Antriebsbereich anfallen – in Höhe von 187 Millionen Euro eingerechnet.

„In dritten Quartal wirken sich die einmaligen Gewährleistungsrückstellungen negativ auf das bereinigte Ergebnis und die Marge aus“, sagt Continental-Finanzchef Wolfgang Schäfer dem Handelsblatt. „Außerdem sind im weltweit rückläufigen Fahrzeugmarkt auch Automodelle enthalten, die wir beliefern. Dies hat ebenfalls Auswirkungen auf unser Ergebnis.“

Dass allein aber reicht nicht aus, um den Einbruch zu erklären. Ein weiterer Grund ist die angespannte Lage in der Antriebssparte, die in Vitesco Technologies umfirmiert wurde und Anfang 2020 von Continental abgespaltet werden soll. Bis dahin wird Vitesco noch in den Büchern der Automotive Group geführt.

Investitionsquote bleibt hoch

Im dritten Quartal sackte das bereinigte Ebit der Antriebssparte – unter anderem belastet durch die Rückstellungen – auf minus 126 Millionen Euro ab, die Ebit-Marge betrug minus 6,5 Prozent ab. Auf Neun-Monatssicht bleiben daher lediglich Einnahmen in Höhe von 25,4 Millionen Euro übrig, was einem Anteil am Umsatz von 0,4 Prozent entspricht.

Trotz des durchwachsenen Ergebnisses in der Automotive-Sparte hält Continental an den angepassten Jahreszielen – im Juli gab der Hannoveraner Zulieferer eine Gewinnwarnungen heraus – fest. „Wir rechnen bis zum Jahresende mit einem Umsatz von rund 44 bis 45 Milliarden Euro sowie einer bereinigten Ebit-Marge von rund sieben bis 7,5 Prozent“, teilte Konzernchef Elmar Degenhart in einem Schreiben zu den Quartalszahlen mit.

Allerdings erwartet Continental im kommenden Jahr keine Erholung auf dem weltweiten Automarkt. Und auch in den nächsten fünf Jahren werde sich laut Finanzchef Schäfer der Absatz nicht signifikant erholen, was bedeutet, dass der Fahrzeugmarkt auf einem jährlichen Output von etwa 90 Millionen Autos stagnieren dürfte.

Zeitgleich hält Continental die Investitionsquote auf einem gleichbleibend hohen Niveau von knapp sieben Prozent. Auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung werden trotz sinkender Einnahmen nicht angepasst. Im Umfeld der zunehmenden Digitalisierung und Elektrifizierung der Autobranche scheint Continental keine Möglichkeiten zu haben, über geringere Investitionen Kosten einsparen zu können.

„Im aktuellen Marktumfeld ist unsere Kostenstruktur noch nicht zufriedenstellend“, sagt Finanzchef Schäfer. „Wir arbeiten derzeit daran, die Kosten an die neuen Bedingungen anzupassen.“

Um sich die Investitionen leisten zu können, muss Continental daher an anderer Stelle sparen und den Konzern umbauen. Dafür hat der Zulieferer ein massives, auf zehn Jahre angelegtes Spar- und Strukturprogramm ausgearbeitet, von dem allein in Deutschland bis zu 7000 Arbeitsplätze betroffen sind.

Widerstand bei Werksmitarbeitern in Roding

Im Zuge des Wandels der Automobilindustrie – weg von der Mechanik hin zu mehr Elektronik und Software – müssen diese Mitarbeiter um ihren Job bangen. Wie viele ihn verlieren werden, ist derzeit Gegenstand der Verhandlungen zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern.

Vor allem im bayrischen Roding, wo ein Antriebswerk von Vitesco steht und das bis 2024 weitestgehend geschlossen werden soll, regt sich Widerstand. In die Diskussion hat sich auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger mittlerweile eingeschaltet hat.

Auch die Abspaltung von Vitesco wird Gewerkschaftskreisen zufolge von der Belegschaft mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Zwar soll mithilfe der Abspaltung mehr Eigenständigkeit erreicht werden, einige Mitarbeiter aber wären lieber unter dem Dach von Continental geblieben.

Die Sorgen der Mitarbeiter bei Vitesco könnten auch mit der zu erwarteten Konsolidierung im Antriebsbereich zusammenhängen. Finanzchef Schäfer erwartet eine Neuordnung des Marktes. Die Frage wird sein, inwiefern Vitesco Wettbewerber übernehmen beziehungsweise mit ihnen zusammenarbeiten kann oder selbst Gegenstand einer Übernahme wäre. Nach dem Spin-off durch den der Continental-Großaktionär Schaeffler auch 46 Prozent an Vitesco halten wird, würde sich zumindest eine Zusammenarbeit zwischen Vitesco und der Antriebssparte von Schaeffler anbieten.

Continental wiederum kann sich ohne die Antriebssparte stärker auf dem Bereich der Fahrerassistenzsysteme und der Software konzentrieren und versuchen, auf diese Weise der Automotive Group wieder auf die Sprünge zu helfen. Erste positive Effekte könnte Continentals Stammkunde Volkswagen auslösen.

So werden die kommenden ID.-Elektrofahrzeuge des Wolfsburger Autobauers mit Elektronik- und Softwarelösungen von Continental versorgt. Die Tochterfirma Elektrobit ermöglicht VW über „In-Car Application Server“ (ICAS1) zum Beispiel das eigene Betriebssystem der Fahrzeuge über sogenannte „Over-the-Air-Upates“ zu aktualisieren. „Mit ICAS1 liefern wir das Herzstück einer neuen elektronischen Serverarchitektur“, sagte Degenhart. „Wir freuen uns, dass wir mit Volkswagen und seiner ID-Baureihe den ersten Kunden gewinnen konnten.“

Mehr: Jobabbau, Umstrukturierungen und neue Technologien: Die Sorgen-Sparte des Zulieferers steht vor tiefgreifenden Veränderungen.

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