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Zulieferer und Elektroauto Wenn das Auto-Kerngeschäft wegzubrechen droht

Die Autobranche steht mit dem Elektroauto langfristig vor einem tiefgreifenden Systemwechsel - das gilt vor allem für die Zulieferer, deren Hauptgeschäft der Verbrennungsmotor ist. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagen die Zulieferer Eberspächer und Kolbenschmidt Pierburg wie sie die Zukunft meistern wollen, und warum es für sie nicht nur Risiken, sondern auch Chancen gibt.
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Ein neuer Diesel-Motor von Citroen wird auf dem Automobilsalon in Genf ausgestellt. Quelle: ap

Ein neuer Diesel-Motor von Citroen wird auf dem Automobilsalon in Genf ausgestellt.

(Foto: ap)

DÜSSELDORF. Fotoapparate und Autos haben eigentlich herzlich wenig miteinander zu tun - aber nur auf dem ersten Blick. Denn große Fotounternehmen wie Eastman Kodak und Fujifilm haben schon hinter sich, was Autozulieferern wie Mahle oder Kolbenschmidt Pierburg noch bevorsteht: einen umwälzenden Technologiewandel. Der hat die Fotobranche Anfang der 90er-Jahre mit der Einführung der Digitalfotografie in ihren Grundfesten erschüttert, binnen weniger Jahre gehörten Filmrollen und Dunkelkammern der Vergangenheit an. Für Experten steht fest, dass der Autoindustrie langfristig nun ähnliches bevorsteht. Denn das Elektroauto kommt

Auch wenn die meisten Branchenbeobachter betonen, dass der Autoindustrie deutlich mehr Zeit bleiben wird als der Fotobranche und auch in zehn Jahren noch 90 Prozent der Autos auf den Straßen mit einem Verbrennungsmotor betrieben werden. "In den nächsten 30 bis 40 Jahren steht ein umfassender Systemwechsel bevor, der letztlich alle Zulieferer betreffen wird", sagt Gregor Matthies, Partner und Autoexperte von der Unternehmensberatung Bain & Company. Besonders hart wird es die Unternehmen treffen, die ihr Geld vorrangig mit dem Verbrennungsmotor oder dem Antriebsstrang verdienen. Ein Elektroauto braucht keine Abgasanlage, keine Motorkolben und eigentlich auch kein Getriebe. Die Streichliste ist lang.

Bosch, Continental, Mahle, Borg-Warner, ZF Friedrichshafen, Getrag, Kolbenschmidt Pierburg - das Elektroauto betrifft sie alle, egal ob groß oder klein. Zum Beispiel Eberspächer, ein renommiertes Familienunternehmen mit Sitz in Esslingen. 145 Jahre besteht Eberspächer schon. Gut 5500 Menschen beschäftigt der Zulieferer weltweit - allein gut 3800 arbeiten im Kerngeschäft der Firma: Abgastechnik für Verbrennungsmotoren. 80 Prozent des Umsatzes in Höhe von 2,2 Milliarden Euro erzielt Eberspächer allein in diesem Geschäftsbereich.

Heinrich Baumann steht als geschäftsführender Gesellschafter an der Konzernspitze, und er macht sich beim Elektroauto nichts vor: Ja, es werde noch lange dauern, bis das Elektroauto kommt. Ja, selbst mittelfristig werde das Elektroauto nur eine marginale Rolle auf den Automärkten spielen. Und ja, wenn Politiker vom CO2 freien Elektroantrieb schwärmen, so sei das eben nur die halbe Wahrheit, weil die CO2-Bilanz eben auch von der Art der Stromerzeugung abhängt. Aber am Ende gelte dann eben doch: "Das Elektroauto kommt. Das Thema bekommt man nicht mehr weg", so Baumann im Gespräch mit dem Handelsblatt.

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1 Kommentar zu "Zulieferer und Elektroauto: Wenn das Auto-Kerngeschäft wegzubrechen droht"

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  • Endlich einmal ein Artikel, der das Thema aufgreift. Für Autohersteller wird sich schon dadurch einiges ändern, dass ein klassisches Feld ihrer Kernkompetenz - der Antrieb - wegfällt. Neue Modelle werden in der Regel auch über einen verbesserten Motor mit höherem Wirkungsgrad und geringeren Emissionen verkauft. Der Elektromotor bringt von Haus aus einen Wirkungsgrad von über 90% mit. Da gibt es nicht viel zu optimieren. Letztlich werden neue, externe Lieferanten für diese Motoren entstehen und den Markt wird der beherrschen der in kürzester Zeit, das größte Produktionsvolumen aufweist. Dasselbe gilt für die batterien. Auch hier handelt es sich, wenn sich eine Technologie einmal als überlegen erwiesen hat, um ein reines Volumengeschäft.
    Die Entwicklungszeiten für Elektrofahrzeuge werden sehr viel kürzer werden. Der Motor fällt praktisch weg. Die batterien werden im boden untergebracht (verbesserter Schwerpunkt). Die Funktionalität des Fahrzeugs rückt in den Vordergrund.
    Für Eberspächer ist die Zukunft gar nicht so schlecht. Elektroauto produzieren kaum Abwärme. Die Heizung wird man dort nicht elektrisch betreiben wollen. Standheizungen werden dann auch für den Fahrbetrieb benötigt werden.
    Wieder anderes gilt für die Tankstellen. Sie werden in dem Maße zurückgehen, wie sich Elektroautos verbreiten. Gaststätten mit geeigneten Parkplätzen können hier mehr als eine gewöhnliche Tankstelle bieten. Dort kann man eine halbe Stunde verweilen, während der Wagen nachgeladen wird. Die Setupkosten für eine Stromtankstelle sind denkbar gering. Umweltprobleme wie sie Tankstellen kennen, kennen Ladestationen für E-Fahrzeuge nicht. Man kann sie überall betreiben und wird dies in der Regel dort tun, wo die Fahrzeuge längere Zeit parken.