Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Zuliefererstreit Prevent reicht neue US-Klage gegen Volkswagen ein

VW und der Zulieferer Prevent befehden sich schon seit Jahren. Nun klagt der einstige Lieferant erneut in den USA gegen den deutschen Autohersteller.
01.12.2020 - 14:51 Uhr Kommentieren
Der ehemalige Zulieferer Prevent verklagt den deutschen Autoriesen. Quelle: obs
VW im Clinch

Der ehemalige Zulieferer Prevent verklagt den deutschen Autoriesen.

(Foto: obs)

Detroit/Wolfsburg Das Schreiben ist 56 Seiten lang, die Vorwürfe wiegen schwer: Die bosnische Unternehmensgruppe Prevent hat bei einem US-Gericht in Detroit (Michigan) eine Klageschrift gegen Volkswagen eingereicht. Die Anwälte werfen den Wolfsburgern vor, sich wettbewerbswidrig mit Unternehmen abgesprochen zu haben, um Prevent aus dem Markt für Sitzbezüge zu drängen. Dadurch seien der Gruppe Umsätze in Höhe von 180 Millionen US-Dollar entgangen. Volkswagen weist die Anschuldigungen zurück.

Die Klageschrift, die dem Handelsblatt vorliegt, richtet sich nicht nur gegen Volkswagen, sondern auch gegen den Kernmarken-Chef Ralf Brandstätter sowie die Sitze-Hersteller Adient und Lear. Prevent hat den Konzernen in der Vergangenheit Teile zugeliefert, die diese zu Sitzbezügen für Volkswagen weiterverarbeitet haben. So habe die Unternehmensgruppe bis 2018 im Geschäft mit Adient und Lear 360 Millionen US-Dollar erzielt, heißt es in der Klageschrift.

Doch dann habe sich dieser Erlös nahezu komplett in Luft aufgelöst. Die Prevent-Anwälte führen dies auf eine von VW „angezettelte Verschwörung“ zurück. Die Wolfsburger hätten Adient und Lear dazu gedrängt, alle Beziehungen zu Prevent abzubrechen. Im Gegenzug habe VW ihnen den Zuschlag für das Geschäft der Bosnier angeboten – und zwar „außerhalb des wettbewerblichen Bieterverfahrens“.

Der Deal, so schreiben die Prevent-Anwälte, sei Teil einer Kampagne mit dem Codenamen „Project 1“ gewesen. Die habe als übergeordnetes Ziel die „Zerstörung“ der unliebsamen Zulieferergruppe gehabt. Brandstätter, damals Leiter des Einkaufs von Volkswagen, habe telefonisch an Meetings mit den Verantwortlichen von Adient und Lear teilgenommen, in denen über die Boykottvereinbarung verhandelt worden sei. Deshalb richte sich die Klage auch gegen ihn.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Prevent-Anwälte berufen sich in ihrer Klageschrift auf die Informationen weiterer Zulieferer, nicht namentlich genannte Quellen aus dem VW-Konzern sowie Audiomitschnitte von internen VW-Sitzungen. Über die hatte das Online-Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ erstmals im Sommer berichtet. Die Teilnehmer der abgehörten Meetings beschäftigten sich demnach mit der Frage, wie VW in Zukunft mit Prevent umgehen sollte.

    VW: Prevent will Druck aufrechterhalten

    Die Wolfsburger weisen die nun erhobenen Behauptungen als grundlos zurück. Das neue Verfahren sei auch vor dem Hintergrund bisheriger Klagen von Prevent in Deutschland als ein weiterer Versuch zu sehen, den Druck in der jahrelangen Fehde aufrechtzuerhalten. Prevent war vor Gericht bislang überwiegend erfolgslos.

    Der Konflikt war erstmals 2016 eskaliert, als sich zwei Prevent-Gesellschaften weigerten, VW mit Bauteilen zu beliefern. Daraufhin kam es in sechs Werken zum Produktionsstillstand. Die Wolfsburger kündigten Anfang 2018 die Vertragsbeziehungen mit der Gruppe, seitdem überziehen sich die beiden Parteien mit Klagen.

    Es ist nicht der erste Versuch von Prevent, den Streit auch in die USA zu tragen. In einer im November vergangenen Jahres beim gleichen Gericht in Detroit eingereichten Klageschrift warfen die Anwälte der Gruppe VW vor, geplante Übernahmen der Bosnier auf dem US-Markt verhindert zu haben. Prevent forderte 750 Millionen US-Dollar Schadensersatz.

    Für Aufregung sorgte zuletzt die Spitzelaffäre. Ende Juli wurde der mutmaßliche VW-Maulwurf enttarnt. Kurz darauf wurde dessen Leiche in einem ausgebrannten Auto gefunden. Für die Ermittler deutet vieles auf einen Suizid hin. Abschließend geklärt ist dies aber nicht. Vergangene Woche waren erneut VW-Geschäftsräume durchsucht worden. Laut „Business Insider“ ermittelt die Behörde gegen eine russische VW-Managerin. Sie soll den Auftrag für die Mitschnitte gegeben haben.

    Mehr: Gericht erklärt Audi-Kündigung im Zulieferstreit für unwirksam

    Startseite
    Mehr zu: Zuliefererstreit - Prevent reicht neue US-Klage gegen Volkswagen ein
    0 Kommentare zu "Zuliefererstreit: Prevent reicht neue US-Klage gegen Volkswagen ein"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%