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Zuliefererstreit Volkswagen gegen Prevent – Showdown in der nächsten Instanz

VW streicht TWB-Prevent die Großaufträge, beim Zulieferer geht es um die Existenz. Das kleine Unternehmen wehrt sich juristisch, nun entscheidet das OLG.
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VW will den Zulieferer in die Schranken weisen. Quelle: dpa
Die Macht des Marktführers

VW will den Zulieferer in die Schranken weisen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie kleine Firma TWB mit Sitz in Hagen unterhält seit mehr als zwei Jahrzehnten enge Geschäftsbeziehungen mit dem großen Volkswagen-Konzern. Seit 1996 liefern die Südwestfalen beispielsweise Rücksitzlehnen für über ein Dutzend Modelle an Deutschlands mächtigsten Autokonzern mit Marken wie VW, Audi, Seat oder Škoda. Echte Probleme zwischen dem Zulieferer und seinem prominenten Kunden gab es in all den Jahren eigentlich nie.

Im Frühjahr 2018 kündigte Volkswagen seinem langjährigen Partner dann auf einmal alle Verträge. Ab April des kommenden Jahres wollen die Wolfsburger keinerlei Sitzgestelle mehr von TWB beziehen. Für die kleine Firma ist das ein Schock. Drei Viertel des Umsatzes von zuletzt rund 104 Millionen Euro werden über die Aufträge von Volkswagen erwirtschaftet. In Hagen droht ein massiver Stellenabbau. Von den insgesamt 480 Jobs wackeln 320, heißt es in Unternehmenskreisen.

TWB versucht das Schlimmste noch zu verhindern. Per einstweiliger Verfügung hat die Firma im Mai die Kündigung angefochten. Vergebens. Eine gütliche Einigung am Landesgericht in Dortmund scheiterte. Am heutigen Mittwoch um 12 Uhr folgt nun der Showdown in der nächsten Instanz.

Am Oberlandesgericht in Düsseldorf kämpft TWB im Saal A208 um seine Existenz (Aktz. VI U 7/18). Die Firma ist überzeugt, sich stets vertragstreu verhalten zu haben. Der einzige Fehler den sich TWB geleistet habe, sei im Eigentum einer Gruppe zu stehen, die sich in der Vergangenheit nicht alles von Volkswagen habe gefallen lassen, verlautet es aus Unternehmenskreisen.

TWB ist seit einigen Jahren Teil der deutsch-bosnischen Prevent-Gruppe der Unternehmerfamilie Hastor. Das Problem: Volkswagen und Hastor liegen im Clinch. „Wir werden dafür jetzt in Sippenhaft genommen“, heißt es in TWB-Kreisen. Volkswagen sieht dagegen in dem Hagener Unternehmen keinen verlässlichen Zulieferer mehr, verlautet es in Wolfsburg.

Um zu verstehen, wie ein kleiner Zulieferer aus Nordrhein-Westfalen in den Machtkampf zwischen einem Weltkonzern und einer einflussreichen Unternehmerfamilie aus Bosnien geraten konnte, muss an den Ursprung des erbitterten Streits zurück.

Wir schreiben das Jahr 2016. Ein Konflikt, der jenem von David gegen Goliath gleicht, bestimmt in der deutschen Wirtschaftspresse die Schlagzeilen. Die Prevent-Gruppe mit ihren rund 13.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund zwei Milliarden Euro legt sich mit dem Riesen Volkswagen an. Einem Konzern mit mehr als 600.000 Mitarbeitern, der jährlich gut 230 Milliarden Euro umsetzt. Die beiden Prevent-Töchter Car Trim und ES Automobilguss stellen damals für einige Tage sämtliche Lieferungen an Volkswagen ein. Die Folge: In den VW-Werken in Wolfsburg und Emden stehen die Bänder tageweise still.

Volkswagen will ein Exempel statuieren

Kurzfristig ist es für Volkswagen unmöglich Ersatzlieferanten aufzutreiben. In ihrer Not einigen sich die Wolfsburger mit Prevent auf ein sogenanntes „Eckpunktepapier“. Es ist aber nur eine vorübergehende Friedensvereinbarung. Denn zwei Jahre später, im März 2018, will VW von dem Eckpunktepapier nichts mehr wissen. Der Konzern strebt eine völlig störungsfreie Belieferung von Teilen an. Prevent hat man in Wolfsburg dabei als Hindernis ausgemacht. Der Autohersteller kündigt daher alle Verträge mit dem aufmüpfigen Partner.

Den Fehler, sich zu stark auf einen einzigen Zulieferer verlassen zu haben, will VW ausmerzen. Die Wolfsburger, so wird im Umfeld von Prevent gemutmaßt, planen aber noch weit mehr: Sie wollen an den Firmen der Familie Hastor ein Exempel statuieren.

Aus Kreisen von Volkswagen heißt es dagegen: Ein wichtiger Beweggrund für die Kündigung von TWB und anderen Firmen der Familie Hatsor sei, dass bei den Prevent-Töchtern immer wieder die selben Handelnden Personen und Geschäftsführer auftreten, die im Jahr 2016 das Vertrauensverhältnis massiv gestört hätten.

VW hat sich in den vergangenen Jahren neue Zulieferer gesucht. Der Konzern ist nicht mehr auf die Dienste von Prevent angewiesen und stellt die Gruppe nun kalt. In dem Rechtsstreit, der diesen Mittwoch in Düsseldorf ausgefochten wird, geht es daher um weit mehr als um Geld und das Überleben eines kleinen Zulieferers. Es geht um Macht und Machtmissbrauch – je nach Sichtweise, darum, wer am Ende am längeren Hebel sitzt.

Klar ist: Die Verträge mit TWB wären eigentlich noch mehrere Jahre gelaufen. Das letzte Bauteil hätten die Südwestfalen auftragsgemäß im Jahr 2024 ausliefern sollen. Dass es dazu kommt, ist de facto ausgeschlossen. Weder TWB noch VW rechnen mit einem Kompromiss.

Die zwei Millionen Teile, die TWB jährlich für seinen Großkunden produziert, liefern künftig andere. In Hagen wird es daher wohl zu einem Rückbau der Anlagen kommen. Schon jetzt müssten Mitarbeiter gehen, man sei bereits voll im Interessensausgleich, heißt es in TWB-Kreisen.

Vor Gericht geht es eigentlich nur noch um etwaige Schadensersatzansprüche und die Frage, ob die Kündigung rechtmäßig erfolgt ist. Kann TWB Ansprüche belegen, dürften diese von VW abgegolten werden. Die über Jahrzehnte gewachsene enge Partnerschaft scheint aber so oder so zu Ende. VW geht es ums Prinzip. Mit der Familie Hastor will man in Wolfsburg nichts mehr zu tun haben.

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