Zum 70. Geburtstag Premiere für das E-Auto – an Porsches „Taycan“ müssen sich alle erst gewöhnen

Die Stuttgarter Volkswagen-Tochter Porsche feiert ihren 70. Geburtstag. Ein neues E-Auto soll es richten. Die Dieselaffäre gerät in den Hintergrund.
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Der „Taycan“ wird das erste komplett batteriegetriebene Modell von Porsche. Quelle: Reuters
„Lebhaftes, junges Pferd“

Der „Taycan“ wird das erste komplett batteriegetriebene Modell von Porsche.

(Foto: Reuters)

StuttgartFür Wolfgang Porsche ist der neue Name etwas gewöhnungsbedürftig. Sogar der Aufsichtsratsvorsitzende des Stuttgarter Sportwagenherstellers hat erst kurz vor seiner Rede davon erfahren, dass der neue Mission E beim Händler künftig unter dem Namen „Taycan“ firmieren wird. In seinem Redemanuskript stand nur „XXYY“ – perfekte Geheimhaltung also bei Porsche in Stuttgart.

Der Familienpatriarch vertraut seinem Management, er kann mit „Taycan“ sehr gut leben. Den Namen eines neuen Autos zu beschließen, das sei schließlich Sache des Vorstandes und nicht des Aufsichtsrates. „Das ist Gewaltenteilung“, begründet Porsche seine Position.

Der „Taycan“ wird nun also das erste komplett batteriegetriebene Modell von Porsche. Ende kommenden Jahres soll das Auto beim Händler stehen, unter 100.000 Euro dürfte der Elektrobolide nicht zu bekommen sein. Bekannt war der Wagen bislang unter seinem Projektnamen „Mission E“.

Doch diese Bezeichnung wird in der Porsche-Zentrale in Stuttgart-Zuffenhausen jetzt wieder in den Schubladen verschwinden. „Taycan“ ist der einzige Begriff, den sich Porsche-Kunden jetzt merken sollen. Dass der endgültige Modellname des ersten reinen Elektroautos von Porsche an diesem Freitag bekannt geworden ist, hat seinen guten Grund. Mit einem Festakt feierte der Stuttgarter Sportwagenhersteller im Porsche-Museum sein 70-jähriges Bestehen.

Am 8. Juni 1948 begann bei Porsche die Produktion von Sportwagen, damals noch in der kleinen Gemeinde Gmünd in Kärnten. Erst als die Kriegswirren endgültig beendet waren, zog die Firma Porsche zurück zu ihrem Stammsitz in Stuttgart.

Den Namen des neuen Elektromodells an diesem Abend zu verraten, das war so etwas wie ein Geburtstagsgeschenk an die geladenen Gäste. Vorstandschef Oliver Blume begründete die Auswahl von „Taycan“.

Der Begriff komme aus dem Orientalischen und bedeute so viel wie „lebhaftes, junges Pferd“. Das neue E-Auto aus Stuttgart leiste mindestens so viel wie die Porsche-Modelle mit Verbrennungsmotor, wenn nicht gar mehr. Der „Taycan“ sei stark und leistungswillig.

In der Türkei wird das Auto vielleicht auf besonderes Interesse stoßen, „Taycan“ ist dort auch ein männlicher Vorname. Der Name des neuen Elektroautos von Porsche erinnert auch ein wenig an den „Macan“, den kleinen Geländewagen (SUV) aus der Porsche-Produktion.

Für Vorstandschef Blume gibt es keine Zweifel daran, dass sein Unternehmen auch mit diesem Auto wirtschaftliche Erfolge verzeichnen wird. Sportlichkeit, Emotionalität, Renntauglichkeit – diese Eigenschaften werde auch das jüngste Porsche-Modell besitzen. Den Stuttgartern werde damit der Einstieg ins Elektrozeitalter gelingen.

„Wir brauchen die Elektromobilität, um etwa die Kohlendioxidziele zu erfüllen“, sagte Oliver Blume, „aber wir wollen diese Art des Antriebs auch.“ An ein frühes Ende der Verbrennungsmotoren ist bei Porsche noch lange nicht gedacht. Die Stuttgarter wollen vielmehr künftig parallel beide Antriebe anbieten.

Offiziell äußerte sich Porsche noch nicht dazu. Aber der „Taycan“ dürfte nicht allzu lange das einzige E-Modell von Porsche sein. So wird in Stuttgart beispielsweise über die Elektrifizierung des kleinen Geländemodells „Macan“ nachgedacht. Wann die Produktion eines solchen Autos beginnen könnte, dazu wird in Zuffenhausen derzeit noch geschwiegen.

Als Wolfgang Porsche ans Rednerpult tritt, wird der eigentliche Anlass für die Geburtstagsfeier im Porsche-Museum wieder deutlicher spürbar. Wolfgang Porsche ist 75 Jahre alt und der Sohn von Ferry Porsche, des Ingenieurs, der vor 70 Jahren den ersten Sportwagen für das Familienunternehmen entwickelt hat. Er kennt also den Typ 356 aus dem Jahr 1948 noch gut. Das Auto, mit dem die Sportwagenproduktion bei Porsche begonnen hat.

Er erinnert sich daran, wie er zusammen mit seinem Vater zu Testfahrten über die alpine Großglocknerstraße aufgebrochen ist. „Der Erfolg ist kein Selbstläufer“, warnte Porsche seine Zuhörer. Dass das Unternehmen heute so gut dastehe, sei das Resultat jahrzehntelanger Anstrengungen gewesen.

Porsche stellte eine Konzeptstudie eines elektrisch angetriebenen Cross Utility Vehicle (CUV) vor. Quelle: dpa
Mission E

Porsche stellte eine Konzeptstudie eines elektrisch angetriebenen Cross Utility Vehicle (CUV) vor.

(Foto: dpa)

Die Familie selbst hat heute keinen unmittelbaren Einfluss auf das Management mehr. Vor mehr als 40 Jahren hat die Familie den Entschluss gefasst, sich aus den führenden Positionen zurückzuziehen. Stattdessen ist der Familie nur noch der Einfluss über den Aufsichtsrat geblieben.

Prominentester politischer Teilnehmer war an diesem Stuttgarter Abend der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Er bedankte sich dafür, dass das Unternehmen so kräftig in seinem Bundesland investiere. Etwa eine Milliarde Euro kostet allein das neue Werk für den „Taycan“, das in Zuffenhausen errichtet wird.

Kretschmann beichtete, dass er im Unterschied zu seiner Anfangszeit als Grünen-Politiker heute keine größeren Probleme mehr mit Porsche habe. „Porsche war damals keine leichte Koste für uns Grüne, betonte er. Mit den neuen E-Autos hätten die Politiker erst recht keine Schwierigkeiten mehr. Seine Partei müsse deshalb auch keine „Spaßbremse“ mehr sein.

Der grüne Landesvater ist auch derjenige, der das aus Branchensicht am wenigsten erfreuliche Thema anspricht: die Dieselaffäre. „So etwas hätte ich mir nicht vorstellen“, sagt er. Der Politiker sprach zugleich jedoch die Hoffnung aus, dass sich das Thema bald erledigt habe.
Das muss auch Porsche hoffen. Denn seit wenigen Wochen befindet sich auch die Stuttgarter VW-Tochter bei diesem Thema im Abwärtssog, weil verdächtige Computerprogramm in Dieselmodellen mit Porsche-Logo gefunden worden. Die Ablenkung durch den 70. Geburtstag und das neue Elektrofahrzeug wird nicht ewig halten.

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