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Zweiter Monitor-Bericht US-Aufseher macht weiter Druck und fordert Nachbesserungen von VW

VW-Compliance-Kontrolleur Larry Thompson kritisiert mangelndes Vertrauen der Mitarbeiter in das Whistleblower-System. Auch an anderer Stelle sieht er Handlungsbedarf – und setzt klare Fristen.
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VW: US-Aufseher Larry Thompson macht Druck auf Volkswagen Quelle: dpa
Nächster Bericht zur Compliance bei VW

Der von den US-Behörden bei Volkswagen eingesetzte US-Aufseher Larry Thompson sitzt zusammen mit Hiltrud Werner, Volkswagen-Konzernvorstand für Integrität und Recht.

(Foto: dpa)

DüsseldorfVolkswagen muss das Hinweisgebersystem der Compliance-Organisation, sowie die Transparenz und Kommunikation über arbeitsrechtliche Maßnahmen verbessern. Dies fordert Larry Thompson, den die US-Justizbehörden dem Autobauer infolge des Dieselskandals als Kontrolleur zur Seite gestellt haben.

Der Jurist, der seit 2017 als unabhängiger Auditor und Monitor den Kulturwandel bei VW überwacht, hat Handelsblatt-Informationen zufolge nun seinen zweiten Monitoring-Bericht vorgelegt.

In dem knapp 200 Seiten starken, vertraulichen Papier kritisiert er demzufolge vor allem teils mangelndes Vertrauen der Mitarbeiter in das Whistleblower-System und fordert Nachbesserungen. Es geht dabei um die Art und Weise, wie und auf welchen Wegen die Whistleblower ihre Hinweise auf mögliche Compliance-Verstöße abgeben können, wie diese aufgenommen und weitergegeben werden und wie Whistleblower geschützt werden.

Für seine Forderungen setzt Thompson klare Fristen, die sich in einem Korridor zwischen einem Monat und rund einem halben Jahr bewegen sollen. VW wollte den Monitor-Bericht und dessen Inhalte auf Nachfrage mit Verweis auf dessen Vertraulichkeit nicht kommentieren.

Nahrung erhält Thompsons Kritik durch eine von ihm in Auftrag gegebene Studie des Ethics and Compliance Institutes (ECI).  Die Forscher hatten im vergangenen Dezember rund 30.000 Beschäftigte von Volkswagen, Audi und deren Töchtern in den USA befragt. Das Ergebnis: trotz der mit großem Personal- und Finanzaufwand erneuerten Compliance-Organisation glaubten noch immer knapp 20 Prozent der VW-Mitarbeiter nicht an die Wirksamkeit des Whistleblowing-Systems.

Das Lager der Skeptiker teilt sich demnach in zwei Hälften: Die eine denkt, dass den Hinweisen auf Compliance-Verstöße erst gar nicht nachgegangen werde, die andere ist der Meinung, dass die Tippgeber letztlich selbst mit negativen Folgen zu rechnen hätten.

Der Konzern machte dazu auf Nachfrage keine Angaben, bewertet die Resultate der Studie aber insgesamt positiv. Zwar habe Thompson bislang nur dem Vorstand und einigen Managern erste Zwischenergebnisse vorgestellt. Doch diese würden so positiv ausfallen „dass wir sicherlich noch darüber berichten werden“, so ein Sprecher.

Eine Compliance-Abteilung hatte VW auch schon vor Bekanntwerden des Dieselskandals installiert. Diese vermochte es aber nicht, die Manipulationen der Abgaswerte aufzudecken. Das anonyme Hinweisgebersystem etwa nutzte seinerzeit niemand, um auf den Betrug hinzuweisen. Seither baut der Konzern unter den Augen Thompsons das Compliance-System großflächig um und wendet dafür massive finanzielle und personelle Ressourcen auf.

100 Mitarbeitern wurde gekündigt

Thompson pocht derweil auch an anderer Stelle auf weitere Veränderungen im Unternehmen. So machte er deutlich, dass er mehr Kommunikation in Sachen arbeitsrechtlicher Maßnahmen erwarte. Dass VW kürzlich in der Mitarbeiterzeitung „Inside“ öffentlich machte, an seinen Standorten hierzulande 100 Mitarbeitern wegen Fehlverhaltens gekündigt zu haben, dürfte maßgeblich auf Thompsons Initiative zurückzuführen sein.

Die Gründe für die Entlassungen sind dabei vielfältig, wobei das Gros der Maßnahmen seine Ursache in Verstößen gegen die Arbeitszeit findet. Nur fünf der Kündigungen stehen demnach im Zusammenhang mit dem Dieselskandal. Diese Informationspolitik ist eine klare Kehrtwende im Vergleich zum bisherigen Kurs.

Bislang hatte sich VW immer verweigert, zu arbeitsrechtlichen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Dieselskandal eine konkrete Zahl anzugeben. Sie gäben „keinen Aufschluss über die Fortschritte der internen oder externen Aufklärungsarbeit“, hieß es.

Bis ins Frühjahr 2020 noch wird Thompson noch planmäßig über VW wachen. Eine Verlängerung des Mandats gilt aktuell zwar als eher unwahrscheinlich, ist aber nicht ausgeschlossen. Die Entscheidung darüber liegt bei den US-Justizbehörden. Das Interesse an einer Verlängerung dürfte bei VW schon aus rein finanziellen Gründen äußert gering sein, denn allein die Kosten für die Arbeit Thompsons und seines Teams sollen bei Dutzenden Millionen Euro pro Jahr liegen.

Vor dem Hintergrund erscheint ein Detail bemerkenswert, das nicht zur Förderung der Atmosphäre beigetragen und bei VW intern zuletzt für Gesprächsstoff gesorgt haben soll. Laut Handelsblatt-Informationen unternahm die VW-Rechtsvorständin Hiltrud Werner einen ungewöhnlichen Vorstoß beim US-Justizministerium, dem Department of Justice (DOJ). Sie soll dort vorstellig geworden sein, um sich über die Zusammenarbeit mit Thompson zu beschweren.

„Niemand sieht es anders“

Auf Nachfrage wollte sich VW nicht konkret dazu äußern. Ein Sprecher gab lediglich an, dass die Vereinbarung mit dem DOJ eine Reihe von vertraulichen Besprechungen vorsehe, „die wir nicht weiter kommentieren, teils mit dem Monitor, teils mit dem Unternehmen und teils sogenannte „Triangle Meetings“, bei denen beide Seiten vortragen und gemeinsam mit dem DOJ den Fortschritt bewerten. Larry Thompson genieße „im gesamten Konzern ein hohes Ansehen, niemand sieht das anders“, so der Sprecher.

Im Übrigen habe sich Thompson zuletzt beim Kongress der Automobilwoche in Berlin im November 2018 sehr positiv zum Fortschritt von Volkswagen geäußert. Über den Besuch Werners beim DOJ soll er allerdings wenig erfreut gewesen sein, ist aus Konzernkreisen zu hören.

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1 Kommentar zu "Zweiter Monitor-Bericht: US-Aufseher macht weiter Druck und fordert Nachbesserungen von VW"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Kann einer bitte mir erklären, wie man am besten Whistleblower-System übersetzt?
    Denunzianten-System, Nestbeschmutzer-System? Oder einfach nur "Briefkasten für Verbesserungsvorschläge"?

    Wenn man da von Arbeitszeit Verstössen als Hauptgrund für das System liest, dann ist das ganze aufgeblähte System eine bürokratische, überflüssige Verschwendung, denn jene Verstösse hatte man schon immer sanktioniert - seit hunderten von Jahren!