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Lebensmittel „Statt Kühe füttern wir Hefen“ - Wie Start-ups Käse und Fisch ohne Tier herstellen

Käse aus Edelstahl-Fermenter und Fisch aus dem Labor könnten künftig viele Menschen ernähren. In Deutschland sind zwei Start-ups Vorreiter für die Technologien.
07.05.2021 Update: 13.05.2021 - 10:50 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen Formo will Molkereiprodukte nachhaltiger, gesünder und gerechter verkaufen. Quelle: Formo
Tierisches Essen ohne Tier

Das Unternehmen Formo will Molkereiprodukte nachhaltiger, gesünder und gerechter verkaufen.

(Foto: Formo)

Düsseldorf Der wachsende Appetit der Menschheit auf Milch, Fleisch und Fisch führt zunehmend zu Raubbau an unserem Planeten. Vieh- und Fischzucht sind laut „Fleischatlas“ für 14,5 Prozent der globalen Emissionen von Treibhausgas verantwortlich. Das ist mehr, als der weltweite Straßen- und Flugverkehr zusammen erzeugen. 90 Prozent aller essbaren Fischbestände gelten laut Welternährungsorganisation FAO als maximal befischt oder überfischt.

Für Milch und Fleisch gibt es inzwischen viele pflanzliche Alternativen, die die Umwelt schonen. Oft hapert es aber noch an Geschmack und Textur. Durch Fermentation oder die Zucht von Zellkulturen lassen sich tierische Proteine aber auch naturidentisch gewinnen. In Deutschland sind zwei Start-ups Vorreiter – für echten Käse und Fisch ohne Tier.

Formo aus Berlin stellt naturidentischen Käse mithilfe von Mikroorganismen her. Das Genom von Hefezellen wurde so umprogrammiert, dass diese Milcheiweiß produzieren. „Statt Kühe füttern wir Hefen, die uns echtes Milchprotein geben“, erklärt Raffael Wohlgensinger, der Formo mit Molekularbiologin Britta Winterberg vor zwei Jahren gründete.

Die Emulsion reift einige Tage im Edelstahl-Fermenter. Dann wird sie mit Fetten und Kohlenhydraten weiterverarbeitet zu Mozzarella oder Ricotta. 2023 sollen die ersten tierfreien Käse auf den Markt kommen. Vermutlich zuerst in Asien, weil dort die Zulassung für Novel Food deutlich schneller geht als in der EU. „Präzisionsfermentation ist an sich nicht neu, doch die Technologie hat große Fortschritte gemacht für ganz neue Anwendungen“, sagt Wohlgensinger. „Wir nutzen diese Bioprozesse nun, um tierfreie, nachhaltige Milchprodukte herzustellen.“

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    Bluu Biosciences aus Berlin, vor gut einem Jahr gegründet, ist das erste Unternehmen in Europa, das sich auf Entwicklung von zellbasiertem Fisch spezialisiert hat. Gezüchtet wird Fischfilet aus gentechnikfreien, immortalisierten Zelllinien im Bioreaktor – ohne Gefährdung von Tierwohl. „Zellbasierter Fisch hat das Potenzial, einen großen Teil der Menschheit zu ernähren“, glaubt Co-Gründer Sebastian Rakers. Der Experte für aquatische Zelltechnologie hat lange an der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie in Lübeck geforscht.

    Die Vorteile für Fisch aus dem Labor liegen auf der Hand: keine Antibiotika und Umweltgifte, Verfügbarkeit auch an Orten ohne Meereszugang, deutlich geringerer Wasser- und Energieverbrauch und CO2-Fußabdruck im Vergleich zu herkömmlicher Fischzucht.

    Der Markt für alternative Proteine wächst rasant – 2035 auf 97 Millionen Tonnen, schätzt die Beratung BCG. Neben Pflanzen sollen davon 22 Millionen Tonnen aus Fermentation stammen wie bei Formo und sechs Millionen Tonnen aus Zellkulturen wie Fisch von Bluu.

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