Innovationsnotstand: Viele Patente, wenig Produkte: Deutschlands Barrieren bei der Innovation
Olaf Scholz und Elon Musk bei der Eröffnung der Gigafactory. Bei seiner Rede gibt Olaf Scholz zu, das Deutschland neue Innovationen braucht.
Foto: IMAGO/Political-MomentsDie News zu deutschen Autos kommen inzwischen aus Kalifornien. In dieser Woche hat der Technologiekonzern Apple in Cupertino verkündet, dass Kunden von Mercedes, Audi und Porsche Funktionen in ihren Fahrzeugen bald per iPhone steuern können.
Das Einschalten der Klimaanlage soll nur der Anfang sein. Es werde eine „tiefe Integration mit der Hardware des Autos“ geben, sagte die zuständige Apple-Managerin Emily Schubert.
Zur gleichen Zeit wackelt in Wolfsburg der Stuhl von Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess (Konzernmarken unter anderem Audi und Porsche), weil die VW-Softwaresparte Cariad ihr neues Autobetriebssystem nicht schnell genug auf die Straße bekommt. Mal wieder, so scheint es, haben die deutschen Autobauer dem Vordringen internationaler Tech-Konzerne auf ihr Terrain nichts entgegenzusetzen.
Stattdessen gewöhnen sich deutsche Unternehmen gerade massenhaft an den Status quo: Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) planen aktuell nur noch 29 Prozent von 35.000 befragten Unternehmen Produktinnovationen – der niedrigste Wert seit 2003.
Der Wohlstand ist in Gefahr
In der aktuellen Doppelkrise aus Coronapandemie und Ukrainekrieg dominiert in Deutschlands Firmenzentralen nicht Aufbruchstimmung, sondern Duldungsstarre: Während Unternehmen in den USA und China ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung im ersten Coronajahr 2020 massiv gesteigert haben, investierte die deutsche Industrie 6,3 Prozent weniger. Das belegen die jüngsten Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).