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1&1-Mutterkonzern United Internet setzt zum Generalangriff auf den Telekommarkt an

Der Telekommunikationsmarkt in Deutschland ordnet sich neu. Für 1&1-CEO Ralph Dommermuth ist das die Chance, zum ersten Mal so richtig mitzumischen.
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Der United-Internet-Chef hielt sich jahrelang im Hintergrund. Quelle: Christoph Papsch/laif
Ralph Dommermuth

Der United-Internet-Chef hielt sich jahrelang im Hintergrund.

(Foto: Christoph Papsch/laif)

DüsseldorfRalph Dommermuth arbeitet derzeit so viel wie schon lange nicht mehr. Seit Jahresbeginn ist der United-Internet-Chef auch noch als CEO für die nun deutlich größere Telekommunikations-Tochter 1&1 Drillisch AG operativ verantwortlich. Zudem ordnet sich der Telekommunikationsmarkt in Deutschland derzeit neu – und Dommermuth könnte die Gelegenheit nutzen, die Marktposition deutlich zu verbessern.

So winkt ihm die Chance, deutlich höhere Internetgeschwindigkeiten anzubieten, falls er Zugriff auf das Netz von Vodafone bekommen sollte. Wenn er sich an den Ausbaukosten beteiligt, könnte er sogar selbst Herr über neue, schnelle Glasfaserkabel werden. Und zu guter Letzt könnte United Internet selbst Mobilfunkanbieter werden.

Für einen Konzern, der damit groß geworden ist, die Dienste anderer Anbieter zu mieten und sie dann unter eigenem Namen zu verkaufen, wäre jede dieser Entwicklungen schon positiv, alle drei zusammen vielleicht sogar bahnbrechend.

Der Markt ist in Bewegung

Drei wichtige Themen versetzen derzeit allerorten deutsche Telekommunikationsmanager in Aufruhr: Da ist zum einen die geplante Übernahme des Kabelanbieters Unitymedia durch Vodafone, bei der die Wettbewerber höchste Sorge haben, ins Hintertreffen zu geraten. Gleichzeitig hat die Bundesregierung ihre Ambitionen für den Breitbandausbau in Deutschland deutlich erhöht: Nun sollen alle Haushalte so schnell es geht an das leistungsstarke Glasfasernetz angeschlossen werden. Dafür will sie auch Fördermittel verteilen, doch bisher hapert es an der Umsetzung.

Parallel dazu wird die Vergabe der Frequenzen für den nächsten Mobilfunkstandard 5G vorbereitet. Von der Technologie versprechen sich Unternehmen und Politik einiges. Weil es bei den Vergabebedingungen noch Unstimmigkeiten gab, wurde sie nun auf Anfang kommenden Jahres verschoben.

Und in dieses Durcheinander mischt sich nun einer ein, der sich jahrelang lieber im Hintergrund gehalten hat: Ralph Dommermuth höchstpersönlich. Für ihn birgt die Neuordnung viele Chancen.

Eine der wichtigsten: die Vergabe der 5G-Frequenzen. Nachdem die letzten Auktionen von Mobilfunkfrequenzen immer eine geschlossene Angelegenheit der großen Mobilfunkanbieter – von denen Telekom, Vodafone und Telefónica (O2) übrig geblieben sind – war, wird derzeit diskutiert, einen Teil des Spektrums für regionale Anbieter zu reservieren. Was „regional“ genau bedeuten würde, ist aber noch nicht beschlossen. Manche verstehen darunter Campus-Netzwerke von großen Unternehmen, die auf ihrem Gelände ein eigenes 5G-Netz errichten könnten.

Dommermuth jedoch fordert, regionale Frequenzen auch an nicht-deutschlandweit aktive Telekommunikationsanbieter zu vergeben, damit sie in den Wettbewerb mit den großen drei einsteigen können. „Sollten die Rahmenbedingungen stimmen und insbesondere das National Roaming, also die Anmietung vorhandener Mobilfunknetze, geklärt sein, würden wir uns gegebenenfalls an der Auktion beteiligen“, erklärt der CEO im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Denn niemand kann neue Mobilfunkangebote machen, bei denen die Kunden keine Funkverbindung mehr haben, wenn sie aus den ersten ausgebauten Städten herausfahren.“

Mit anderen Worten: Die Bundesnetzagentur soll Telekom, Vodafone und Telefónica verpflichten, Wettbewerbern gegen eine Gebühr Zugang zu deren Mobilfunknetz zu geben. Dass die versuchen, sich mit aller Lobbygewalt dagegen zu wehren, ist ein offenes Geheimnis.

Sollte Dommermuth mit seiner Forderung jedoch auf Gehör stoßen, könnte der United-Internet-Konzern, zu dem neben der Telekommunikationstochter 1&1 unter anderem auch noch Internetdienste wie GMX, Web.de und der Hostinganbieter Strato gehören, also in Zukunft auch Mobilfunk über ein zumindest streckenweise eigenes Netz anbieten.

Weil er das bisher nicht hatte, orakelte die Branche lange, wie lange 1&1 im Wettbewerb noch mithalten kann. Doch Dommermuth wäre heute nicht Milliardär, wenn er nicht einen Plan gehabt hätte. Vergangenes Jahr übernahm er Drillisch, ein Unternehmen, das wie 1&1 Mobilfunk über das Netz der Wettbewerber anbietet – aber einen entscheidenden Vorteil hat: Drillisch hat Zugriff auf bis zu 30 Prozent der Netzkapazität von Telefónica. Der Mobilfunker musste diesen Vertrag abschließen, um 2014 den Konkurrenten E-Plus übernehmen zu dürfen. Und weil Drillisch jetzt zu 1&1 gehört, kann nun Dommermuth über diese Netzkapazitäten verfügen.

„Unsere Wettbewerber haben sich in den vergangenen Jahren viel Mühe gegeben, bei Investoren zu verbreiten, dass wir beim Mobilfunk nicht dauerhaft mithalten könnten“, sagt der CEO. Dieses Thema habe sich mit der Übernahme von Drillisch nun endgültig erledigt, meint er.

Das sei auch einer der Gründe, warum sich der Aktienkurs in den vergangenen Monaten gut entwickelt habe, erklärt Dommermuth. Der Wert des Papiers von United Internet ist innerhalb eines Jahres um rund zwölf Prozent auf derzeit knapp 55 Euro gestiegen. „Wir haben vor allem das wieder aufgeholt, was wir 2016 verloren hatten“, so der Manager weiter.

Hauptgrund dafür seien die guten Zahlen. Im Gesamtjahr 2017 stieg der Umsatz um 10,5 Prozent auf rund 4,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) wuchs um 17,3 Prozent auf knapp 980 Millionen Euro. Die meisten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, nur einige, sie zu halten. Auch langjährige Branchenkenner betonen, Dommermuth könne als Gewinner aus den derzeitigen Entwicklungen herausgehen.

Lockruf an Kommunen

Um seine Forderung nach National Roaming bei der Vergabe der 5G-Frequenzen zu unterstreichen bringt der United-Internet-Chef eine Idee mit an den Verhandlungstisch, die besonders Lokalpolitikern gefallen könnte: Ihm schwebt ein Co-Invest-Modell vor. Die Gemeinden stellen die Flächen für die Antennen zur Verfügung, Dienstleister bauen die Technik auf und 1&1 betreibt das Netz, auf das auch Wettbewerber zugreifen dürften.

Das wäre nicht so teuer für die Gemeinden, wirbt Dommermuth: „Das sollte oft auch ohne Fördermittel funktionieren.“ Und die Gemeinden könnten „ihr digitales Schicksal selbst bestimmen und müssten nicht darauf warten, dass wir oder andere Netzbetreiber entscheiden, bei ihnen auszubauen“.

Besonders das Argument, eventuell ohne Fördermittel auszubauen, könnte in Berlin für Zustimmung sorgen. Das vier Milliarden Euro schwere Förderprogramm für den Breitbandausbau hat bisher nicht richtig funktioniert: Die Mittel wurden kaum abgerufen, der Ausbau kommt nur langsam voran.

Dommermuths Idee: „Wir haben vor einiger Zeit vorgeschlagen, die Glasfaser-Investitionen der Telekommunikations-Unternehmen zu bündeln.“ Damit könne der flächendeckende Ausbau vorangetrieben werden. Die Telekom unterstütze die Idee aber nicht ausreichend.

Sollte er es schaffen, Unterstützer für seine Idee zu bekommen, hätte eine solche Kooperation für ihn einen wichtigen Vorteil: Der Konzern hätte direkten Zugriff auf das Netz und wäre nicht mehr auf Vorleistungen der Wettbewerber angewiesen. Das erhöht die Wertschöpfungstiefe deutlich. Derzeit zahlt United Internet rund eine Milliarde Euro Miete für die Nutzung der Netze der Konkurrenz. Etwa 600 Millionen zahlt der Konzern bislang an die Telekom – noch.

Vodafone möchte den Kabelanbieter Unitymedia übernehmen. Weil das Unternehmen damit der mit weitem Abstand größte deutsche Kabelanbieter wäre, beschweren sich die Wettbewerber, die Übernahme sei nicht genehmigungsfähig. Dommermuth sieht das auch so – außer es gebe weitreichende Auflagen. „Nicht nur das Kabelnetz, auch das Mobilfunknetz muss dauerhaft geöffnet werden“, fordert er. Sonst könnten Wettbewerber in Zukunft in Bedrängnis kommen.

1&1 könnte dann die TV-Kabel mitbenutzen – und die bieten deutlich höhere Geschwindigkeiten als das Kupfernetz der Telekom. Damit könnte auch Dommermuth bei Festnetzkunden punkten.

Der Telekom hingegen könnte eine solche Öffnung schaden: Einen Teil der 600 Millionen Euro würde United Internet vielleicht dann an Vodafone überweisen. „Das stimmt“, sagt der CEO. „Und wenn man hört, wie die Telekom immer wieder erklärt, Kosten sparen zu müssen, dann sollte sie auf uns, als ihren größten Kunden, viel Wert legen.“

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