360-Grad-Kameras Auferstanden von den Toten

Mark Zuckerberg geht voran, und alle folgen. Mit dem Siegeszug der virtuellen Realität erleben 3-D- und 360-Grad-Kameras ein fulminantes Comeback. Auch für Hobby-Filmer sind die Geräte erschwinglich.
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Kodak zeigt ein übergroßes Modell seiner Pixpro Orbit 360 4K VR Kamera. Quelle: Reuters
Messestand auf der CES

Kodak zeigt ein übergroßes Modell seiner Pixpro Orbit 360 4K VR Kamera.

(Foto: Reuters)

Las VegasAngela Merkel wollte es genau wissen: „Was ist denn das für ein Apparat“, fragte sie neugierig auf einer Pressekonferenz zum Auftakt des CDU-Parteitags in Essen in die Runde. Gemeint war ein kleiner Kasten mit einer Linse, der einsam und keck beim Pressetermin auf einem Stativ neben dem Pulk der Journalisten stand. „Das ist eine 360-Grad-Kamera“, kam die Antwort und die Kanzlerin ließ sich von den Journalisten interessiert erklären, was es denn damit so auf sich hat, Rundum-Bilder von seiner Umgebung zu schießen.

Sie sehen aus wie die Fotos auf Googles Street View, wo man eine Adresse eingibt und plötzlich mitten auf einer Straße steht. Die Computermaus nach links oder rechts gezogen und schon dreht man sich auf dem Bildschirm praktisch um die eigene virtuelle Achse, sieht die gesamte Umgebung.

3D-Kameras hatten eine kurze Hochzeit, als die Industrie 3-D-Fernsehgeräte als die beste Erfindung seit geschnitten Brot angepriesen hatte. Doch mit den erfolglosen 3-D-Fernsehern verschwanden auch die 360-Grad-Kameras und wanderten in die Keller.

Das sind die Trends der Gadget-Show
CES in Las Vegas
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Die CES in Las Vegas hat sich von einer reinen Elektronik-Messe immer mehr auch zu einer Autoshow entwickelt. Neben vielen anderen Gadgets gehören auch in diesem Jahr selbstfahrende und elektrische Autos zu den Stars der Ausstellung, die vom 5. bis zum 8. Januar im Las Vegas Convention Center stattfindet. Ein Überblick über die Schwerpunkte der CES 2017.

Roboterautos und Elektrofahrzeuge
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Fiat Chrysler stellt in Las Vegas sein selbstfahrendes Elektro-Konzept-Auto „Portal“ vor. Der Wagen mit den ungewöhnlichen Schiebetüren soll vor allem die Wünsche der jungen Generation an moderne Fahrzeuge erfüllen. Ob das Auto tatsächlich gebaut werden wird, lässt der Konzern erst einmal offen.

Mehr über aktuelle Auto-Neuheiten auf der CES finden Sie hier.

Vernetzte Technik und digitale Assistenten
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Das Smart Home mit seinen vernetzten Lampen, Steckdosen, Türschlössern, Thermostaten und allen Arten von Hausgeräten eroberte sich schon in den vergangenen Jahren immer mehr Platz in den CES-Hallen – und der Trend steht erst am Anfang. Jetzt kommen auch digitale Assistenten dazu. So stellte der weltgrößte PC-Anbieter Lenovo...

Vernetzter Lautsprecher von Lenovo
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...schon vor der Messe seinen vernetzten Lautsprecher vor, der mit der Assistenz-Software Alexa von Amazon läuft. Der Online-Händler konnte damit einen Verbündeten für seine Plattform im Wettbewerb mit Apple, Google und Microsoft gewinnen. (Foto: pr)

Wearables
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Die Euphorie um die kleinen tragbaren Gadgets wie Computer-Uhren und Fitness-Bänder hatte im vergangenen Jahr etwas nachgelassen, das Scheitern des Smartwatch-Pioniers Pebble zeigte, wie hart das Geschäft ist. Zur CES versuchen die Anbieter auf verschiedenen Wegen, neuen Schwung in den Markt zu bringen. So bindet der Fitnessband-Primus Fitbit seine Geräte in ein von Arbeitgebern finanziertes Wellness-Programm in den USA ein.

TV und Musik
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Klassische Unterhaltungselektronik ist bei der CES nicht mehr so dominant wie früher – wird aber auch in diesem Jahr nicht fehlen. Bei den Fernsehern dürfte die HDR-Technologie für kontrastreichere Bilder im immer mehr Geräte kommen. Bei der Audiotechnik dreht sich alles um Musik aus dem Netz.

Virtuelle Realität
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Leute, die mit VR-Brillen auf dem Kopf in digitale Welten eintauchen, gehören schon lange zum Bild der CES. Neben den Pionieren wie die Facebook-Firma Oculus, Samsung und HTC mit der Brille Vive will dieses Jahr auch Lenovo mitmischen: Der PC-Marktführer stellte am Dienstag den Prototypen eines Headsets für die „Holographic“-Plattform des Windows-Konzerns Microsoft vor.

Die Software ist der Schwachpunkt

Mit dem Aufkommen der virtuellen Realität erinnerte man sich wieder an die Technik von gestern. Spätestens nachdem Sundar Pichai von Google 2014 das billige Google Cardboard aus Pappe vorstellte, war klar, dass es einen Massenmarkt für 3-D- und 360-Grad-Kameras geben wird. Das Rennen war dann offiziell eröffnet, als Mark Zuckerberg 2016 auf der Entwicklerkonferenz in San Francisco eine eigene 360-Grad-Kamera ankündigte. Ebenso wie Googles Youtube arbeitet er mit Hochdruck daran, die Technologie für Rundum-Bilder und -Videos auf seiner Seite zu integrieren. Die Zukunft der Kameras hängt daneben von der Geschwindigkeit ab, mit der sich Brillen für Virtuelle Realität verbreiten. Der US-Konsumelektronikverband sieht hier eine gute Entwicklung für 2017: Alleine in den USA dürften 2,5 Millionen Stück verkauft werden, ein Plus von 79 Prozent, bei einem Umsatz von 660 Millionen Dollar. Hier liegt das Plus nur bei 43 Prozent, weil immer mehr preisgünstige Geräte auf den Markt kommen.

Vor zwei Jahren waren Rundum-Kameras noch unhandliche und schwere Ringe aus mehreren Geräten. Die Bilder der Kameras mussten mit komplizierter Software, oft offline an Hochleistungs-PCs, zusammengeschnitten werden, und das nicht immer mit überzeugenden Ergebnissen. Etwa räumte auch Mark Zuckerberg bei seiner Präsentation ein: Die Software ist der Schwachpunkt. 360-Grad-Fotografie war etwas für Profis wie Googles Streetview oder versierte Amateure mit viel Zeit, Geld und Geduld. Tausende von Euro können solche Anlagen auch heute noch kosten. Das Profi-Gerät Ozo von Nokia mit acht synchronen Kameras und Mikrophonen liegt häufig bei 60.000 Dollar.

Rundumkameras – die Zukunft des Videos
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Mehr zu: 360-Grad-Kameras - Filmen mit Rumdumsicht wird massentauglich

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