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3D-Druck HPs große Wette auf die Zukunft

Der Drucker-Hersteller HP tritt an, einen Billionenmarkt aufzumischen: die Industrieproduktion. Neue 3D-Drucker des Konzerns sollen die Fertigung weltweit revolutionieren und so die größte Branche der Welt umkrempeln.
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HP: Drucker-Hersteller setzt künftig auf 3D-Drucker Quelle: AP
Filigraner 3D-Druck

Diese Modelle von Industrieanlagen hat ein 3D-Drucker von HP produziert.

(Foto: AP)

San FranciscoDas tonnenschwere Auto hängt an einem Kran. Den Kranhaken und die Tragseile des Wagens verbindet ein rundes Kettenglied aus Plastik, gefertigt in einem 3D-Drucker von HP. Unter dem Auto, beschreibt Dion Weisler, CEO des Computer-Konzerns HP die Szene, stand der Ingenieur, der das Werkstück gedruckt hatte. „Es war sein Auto und er stand darunter. Das nenne ich mal Zuversicht“, witzelte Weisler. Aber da wusste er auch, dass da etwas Großes passiert. Etwas, das das Leben von Millionen Arbeitnehmern verändern wird.

Der 3D-Druck, als Technik für die schnelle Fertigung von Prototypen seit 20 Jahren bekannt, steht vor dem Durchbruch in die Massenproduktion. Die Kosten sinken rasant, die Produktivität steigt und neue Geschäftsmodelle entstehen.

Noch ist der Markt stark fragmentiert und von kleinen Start-ups dominiert. Doch Industriegiganten wie GE, ein führender Anbieter im Metall-3D-Druck, und HP, die sich auf Kunststoff-3D-Druck konzentrieren, investieren Milliarden Dollar.

Der 3-D-Drucker basiert auf der 30 Jahre alten Tintenstrahl-Technik. Quelle: Reuters
HP-Drucker „Multi Jet Fusion“

Der 3-D-Drucker basiert auf der 30 Jahre alten Tintenstrahl-Technik.

(Foto: Reuters)

Diese Investitionen könnten die Zukunft von Volkswirtschaften und Arbeitnehmern weltweit verändern: „Wir werden in nicht allzu ferner Zukunft Produktionskapazitäten mit einem Knopfdruck von einem Teil der Welt in einem anderen verschieben können“, malt John Dulchinos vom Fertigungsdienstleister Jabil aus St. Petersburg in Florida aus.

Jabil, zu dessen Kunden auch Apple gehört, stellt verschiedenste Produkte her – von Plastikflaschen für Duschgel über Leiterplatten bis zu Kameramodulen für selbstfahrende Autos. Damit lässt sich Geld verdienen: Jabils Quartalsumsatz erreichte zuletzt 4,5 Milliarden Dollar.

Dulchinos sitzt im Steuerungs- und Krisenzentrum von Jabil in San Jose. Über 20 Monitore auf einer Kontrollwand flimmern die Daten eines großen Industriekunden in Echtzeit. Alle Informationen der Lieferanten- und Produktionskette an jedem Standort.

Kurioses aus dem Drucker
Glanz und Glitzer
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Wer New York City besucht und etwas Zeit hat, kann bei Michael McHale Designs in Brooklyn einen Kristalllüster in Auftrag geben. Nach 15 Stunden ist er fertig gedruckt. Umfang: rund 50 Zentimeter. Da er 899 Euro kostet, sollte man ein wenig Kleingeld dabei haben.

(Foto: PR)

Raus aus der Box
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In neuen Dimensionen denkt der niederländische Baukonzern Heijmans aus Amsterdam. Mit den 3D-Druck-Revoluzzern von MX3D und Joris Laarman Lab will er Hollands Kanäle und Grachten mit individuell gestalteten Brücken überspannen. Sie entstehen nicht wie üblich in abgekapselten Geräten, sondern Roboterarme stellen sie Schicht für Schicht her.  Die neue Produktionsmethode ermöglicht es, großflächige Strukturen in einem Stück zu produzieren.

(Foto: PR)

Wir haben den Größten
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Das behauptet das Berliner Start-up BigRep von sich – und meint sein Modell One.2 damit. Es bietet einen Kubikmeter Raum. Genug Platz zum Beispiel, um einen kunstvoll verzierten Tisch heranwachsen zu lassen. Laut Firmenchef René Gurka kommen die Hauptstädter „der Nachfrage kaum nach“. 95 Prozent ihrer Geräte exportieren sie ins Ausland.

(Foto: PR)

Hahn auf
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Als erster großer Badausrüster wagt sich American Standard mit der neuen Technologie auf den Markt. Gleich eine ganze Serie gedruckter Mischbatterien und Waschtisch-Armaturen wollen die Amerikaner auflegen. 24 Stunden dauert die Herstellung. In spätestens zehn Monaten sollen die Armaturen zu kaufen sein. Im Baumarkt werden sie kaum zu finden sein – bei Stückpreisen von knapp 11.000 bis nahe 20.000 Euro.

(Foto: PR)

Abgefahren
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Mit dem Strati hat Harvard-Absolvent und Local-Motors-Gründer John Rogers vergangenes Jahr das erste Auto vorgestellt, dessen Karosserie weitgehend aus dem Drucker stammt. Noch dieses Jahr will der Pionier in Maryland und Tennessee zwei Werke eröffnen, in denen die futuristischen Fahrzeuge in Serie gehen. Darunter auch dieser Sportwagen, den ein Fan namens Kevin Lo bei einem Modellwettbewerb entworfen hat. Mit angeblichen Kaufpreisen zwischen umgerechnet 15.000 und 25.000 Euro wären die schnittigen Elektroautos ein Schnäppchen.

(Foto: PR)

Individualisierung auf niedrigem Niveau
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Deutlich vorsichtiger geht der größte Autobauer der Welt, Toyota, das Thema an. Bei seinem Elektro-Konzeptfahrzeug i-Road, einem Einsitzer für den Stadtverkehr, sollen künftige Kunden ihr Gefährt immerhin mit einem gedruckten persönlichen Schmuckteil über dem Scheinwerfer markieren können. Motto: Hoppla, hier komm ich! Individualisierung auf niedrigem Niveau.

(Foto: PR)

Dazu kommen noch Inflationsraten, Wechselkurse, Wettervorhersagen, Benzin- und Ölpreise und vieles mehr für jedes Land mit einer Fertigungsstätte. Alles ist vernetzt. „Ich weiß jederzeit“, sagt Dulchinos und zeigt auf einen Bildschirm, „was ein spezielles Teil an jedem Produktionsstandort kostet.“

Heute, in der alten Welt von Spritzguss und Fräsen, verbieten hohe Umzugs- und Werkzeugkosten ein ständiges Verlagern der Produktion an den besten Standort. Werkshallen voll mit 3D-Druckern würden das Problem lösen. Bei einem großen Erdbeben in Asien vor einigen Jahren etwa habe es „Wochen“ gedauert, bis man überhaupt gewusst habe, welcher Kunde wie betroffen war. Heute könne Jabil „in Stunden“ eine Analyse liefern und die Produktion zur Not umlenken. Vielleicht bald per Knopfdruck auf 3D-Drucker in Afrika.

„Die Kunden wollen immer schneller in den Markt und gleichzeitig Kosten senken“, sagt Dulchinos. Neue HP-Drucker machten es jetzt „einfacher, dieses Ziel zu erreichen“. Die Welt stehe vor einer „Renaissance der lokalen Fertigungsindustrie“, prophezeit er.

In wenigen Jahren werde die Druckerproduktion selbst bei Stückzahlen von einer Million, gegenüber der traditionellen Fertigung mit Spritzguss, Stanzen, Drehen oder Fräsen wettbewerbsfähig sein. Heute sei der Kunststoff-Druck in einzelnen Fällen schon bei Größenordnungen von bis zu 50.000 Stück preisgünstiger.

Die Multi-Jet-Fusion-Drucker von HP, die Jabil gerade installiert, basieren auf der fast 30 Jahre alten Ink-Jet-Technik – eine der großen Erlössäulen des Herstellers HP.

Statt Tinte aus vielen Düsen gleichzeitig auf Papier zu bringen, wird nun auch Kunststoff in eine Wanne mit einem stabilisierenden und trennenden Pulverbett gedruckt, dann mit Hitze gehärtet. Die eigentlichen Werkstücke entstehen dabei Schicht für Schicht. Einer der Vorteile: Ist eine Lage von Werkstücken fertig, wird eine trennende Pulverschicht darübergelegt und direkt die nächste Lage angefangen. Bis zu 200 Teile in einem Durchgang sind mit einem Drucker möglich.

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