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Absatzprobleme Ist Apples verfehlte Umsatzprognose das Ende der iPhone-Story?

Der iPhone-Hersteller rechnet mit deutlich weniger Erlösen im Weihnachtsquartal. CEO Cook erklärt das mit Problemen in China. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.
3 Kommentare
Apple verfehlt Umsatzprognose deutlich – Aktie stürzt ab Quelle: Reuters
iPhone

Apples Verkaufsschlager schwächelt – vor allem in China.

(Foto: Reuters)

San FranciscoEin paar nüchterne Sätze vernichteten am Mittwoch 50 Milliarden Dollar Börsenwert. In einem Schreiben an die Investoren korrigierte Apple-Chef Tim Cook die Umsatzprognose für das abgelaufene Quartal deutlich nach unten.

Der iPhone-Hersteller rechne nun nicht mehr mit einem Umsatz zwischen 89 bis 93 Milliarden Dollar, ließ Cook wissen. Er gehe nur noch von Erlösen in Höhe von 84 Milliarden Dollar für das am 29. Dezember zu Ende gegangene Vierteljahr aus.

Die schlechten Nachrichten scheinen zu bestätigen, was Investoren schon länger befürchten: Der Smartphone-Hype ist vorbei – und Apple hat kein Gegenrezept. Seit Jahren hängt der Konzern an der iPhone-Nadel. Das Gerät sichert etwa 60 Prozent aller Einnahmen. Geben die iPhone-Verkäufe nach, wankt Apple.

Die Wall Street stellt sich auf unsichere Zeiten ein. „Es ist keine Überraschung, dass Apple seine Umsatzerwartungen kassiert“, sagt der Apple-Investor Dan Morgan von der Investmentfirma Synovus Trust. Gene Munster von Loup Ventures mahnt: „2019 wird das Jahr, in dem Apple das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen muss.“

Die Probleme kündigten sich seit Längerem an. Nach einem Höhenflug im vergangenen Jahr, der im Sommer darin gipfelte, dass Apple als erste Firma überhaupt bei der Börsenbewertung die Billionenmarke erreichte, fiel der Kurs seit September um 30 Prozent. Nach den schlechten Nachrichten am Mittwoch gab er nun nachbörslich um weitere 7,5 Prozent nach.

Als Grund für die gesenkte Umsatzprognose machte Apple eine unerwartet starke Abschwächung in Schwellenmärkten verantwortlich, vor allem in China. „Dies hatte einen deutlich größeren Einfluss als von uns erwartet“, so Cook. Apples Ausfall hänge zu „100 Prozent“ mit den iPhone-Verkäufen in China zusammen. Im vergangenen Quartal erwirtschaftete der Elektronikkonzern dort 20 Prozent aller Umsätze.

Neben einem schwächelnden chinesischen Markt übten Cook zufolge „die Handelsspannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China“ zusätzlichen Druck aus. Die daraus resultierende steigende Unsicherheit belastet nicht nur die Finanzmärkte, heißt es in der Mitteilung. Sie scheine auch die Konsumenten erfasst zu haben, mit negativen Folgen für die Apple Stores und Verkaufspartner in China.

Laut Marktforschern zeigt sich in Asien ein Trend besonders deutlich, der den ganzen Technologiemarkt erfasst hat. Die Datenfirma IDC rechnet für das vergangene Jahr mit einem Rückgang von 0,2 Prozent bei den Smartphone-Verkäufen und prognostiziert für 2019 nur ein Wachstum von drei Prozent.

Chinas Schwäche hat Apples Probleme nur verschärft

China scheint der größte Treiber dieser Entwicklung zu sein. Für 2018 erwartet IDC dort einen Absatzrückgang von 7,1 Prozent, 2019 sollen die Verkäufe stagnieren.

Auch in den USA und Europa hatte Apple zuletzt Probleme. Der iPhone-Hersteller, bekannt für hohe wie stabile Preise, lockt seit einigen Wochen mit Rabatten. In Deutschland etwa bekommen Kunden beim Eintausch alter Geräte einen deutlichen Nachlass.

Seit Wochen halten sich hartnäckig Gerüchte, dass sich die neue iPhone-Generationen XR, XS und XS Max mit Preisen von bis zu 1650 Euro schlechter verkauft als erwartet.

Der einflussreiche Apple-Analyst Ming-Chi Kuo von TF International Securities schraubte Mitte Dezember seine Erwartungen an die Verkaufszahlen des iPhones für das erste Quartal 2019 herunter. Er geht nur noch von 38 bis 42 Millionen Geräten aus. Im vergleichbaren Vorjahresquartal verkaufte Apple noch 52,2 Millionen iPhones.

Der Hersteller selbst hüllt sich über die Verkaufszahlen seiner Produkte seit der Präsentation der letzten Quartalsergebnisse in Schweigen.

Die Schwäche des chinesischen Markts hätte Apples eigentliches Problem nur verschärft, erklärt Investor Morgan. Das habe sich der Konzern selbst zuzuschreiben. „Die schwächeren Zahlen sind ein Zeichen dafür, dass Nutzer die Apple-Strategie der ständigen Preiserhöhung nicht akzeptieren.“

Um trotz nachlassender Smartphone-Verkäufe die gewünschten Erlöse zu erwirtschaften, erhöhte Apple im vergangenen Jahr den Verkaufspreis seiner Geräte um satte 30 Prozent. Doch gerade in China gerät der Konzern immer stärker auch wegen der dort heimischen Konkurrenten unter Druck.

Apple kassiert Umsatzprognose – Aktie bricht ein

„Huawei und Co. verkaufen ihre Smartphones teils nur zu einem Drittel des Preises, den Apple für das iPhone X verlangt“, sagt Morgan. Ihm zufolge zeigt die korrigierte Umsatzerwartung auch, dass die Beliebtheit chinesischer Modelle in der Volksrepublik zunehme.

Angesichts durchschnittlich geringerer Einkommen können sich weniger Chinesen ein teures iPhone-X-Modell leisten. Laut CNBC wuchs Chinas Handelsvolumen mit 8,1 Prozent zuletzt so schwach wie seit 2003 nicht mehr. „Die Effekte der Globalisierung treffen damit nun auch Apple“, sagt Analyst Munster.

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3 Kommentare zu "Absatzprobleme: Ist Apples verfehlte Umsatzprognose das Ende der iPhone-Story?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich glaube, es ist ein bisschen zu früh die Totenglöckchen zu leuten. Apple ist maßlos überteuert und hat auch sonst ein paar elitäre Marotten - aber ihre Produkte funktionieren recht gut. Sie müssen sich aber sicher etwas innovatives einfallen lasse, damit sie ihr angeschlagenes Image wieder ein wenig aufpolieren können. Das „Know how“ haben sie dazu. Wir dürfen gespannt sein.

  • Apple hat seinen Zenith nun überschritten.
    Tim Cook ist eben kein Steve Jobs. Was die einstigen nativen Pro-Tools angeht, hat die Konkurrenz Apple längst überholt -> Surface Studio etc.
    Der Wandel von nativen Tools zu intelbasierten Yuppie/design. Massenmarkt-Gadgets.
    Die Grenzen hat Apple dann endgültig mit ihrer dreisten Preis- und Modellpolitik überschritten.
    Ich sage nur Appleshop: iPhone X vs Xs/Xr. Ich sage nur iPhone SE 2.
    Apple-Kunden haben sehr viele Parallelen zu den vielen Kunden des kolumbianischen Drogenkartells, insofern mögen die Zahlen zurückgehen, es reicht immer noch um vorne mitzuspielen, lebend vom einstigen Hype und Prestige mit dem sich zahlreiche solvente und insolventen Kunden noch gerne schmücken. Innovativ? - ach' schon lange nicht mehr....-> siehe MacBook Pro Touch-Panel vs. Surface Pro.
    Auch Apple erfindet das Rad nicht mehr neu - im Sinne der Verbraucher.
    Da kommt der Handelsstreit mit China natürlich höchst gelegen. Das heutige Management hat es so ansich ihre Fehler "schönzureden" oder Rechtfertigungen zu finden, wenn sie nicht auf Belegschaften abgewälzt werden können, damit Boni und Empfehlungen keinen Schaden nehmen.
    Man mag ja über die vielen Schnüffelfunktionen in jedem OS lamentieren, vorhanden sind sie überall, mal ehrlicher mal hinterhältiger. Ansonsten bleibt nur zurück in de analoge Welt.

  • Apple lebt recht gut von den Schafen, denen Bequemlichkeit wichtiger ist als Privatsphäre: Sie bezahlen das Gerät teuer, aber die Kontrolle behält Apple, denn die können nach wie vor remote auf das Gerät zugreifen und 'unliebsame' Apps löschen. Neben weiteren Einschränkungen der Privatsphäre seitens Apple.
    Wobei wir beim Thema Zensur wären: Da Apple User keinen anderen AppStore einstellen können, und Apple den Inhalt des Stores kontrolliert und zensiert, wird die Freiheit des Anwenders massiv eingeschränkt.
    Nun hat Apple auf Wunsch der KP alle VPN-Apps aus dem Appstore in China verbannt. Eine VPN-App kann man nutzen um einen 'Tunnel' zu einem fremden Rechner aufzubauen. Für viele Chinesen, gerade auch regierungskritische und Menschenrechtsaktivisten, war dies die einzige Möglichkeit, auf eine unzensierte Berichterstattung ausserhalb Chinas zuzugreifen. Durch das geschlossene System der Apple-Produkte unterstützt Apple also die kommunistische Partei in der Unterdrückung der Meinungsfreiheit.
    Evtl sind ja ein paar Schafe wach geworden und kaufen jetzt andere Geräte....

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