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Aktie unter der Lupe Aktie verliert fast 20 Prozent – Facebook steht vor dem Ende des stürmischen Wachstums

Nach neuen Quartalszahlen verliert die Facebook-Aktie fast ein Fünftel ihres Werts. Das Unternehmen muss möglicherweise künftig andere Anlegerkreise ansprechen.
26.07.2018 - 17:30 Uhr Kommentieren

„Ein Abgesang auf Facebook wäre viel zu früh“

San Francisco Etwa 18 Monate lang klafften Debatte und Wirklichkeit auseinander. Facebook stolperte von Skandal zu Skandal. Kaum eine Woche verging ohne neue Erkenntnisse über Wahlmanipulation, Falschnachrichten oder Privatsphäre-Verletzungen. Konzernchef Mark Zuckerberg musste sich in den USA und in Europa vor Politikern verantworten und machte dabei nicht immer eine überzeugende Figur.

Dennoch wuchs Facebooks Beliebtheit – bei den Nutzern und an der Wall Street. Seit dem Datenskandal um Cambridge Analytica im März legte der Kurs um 27 Prozent zu. Kurz vor dem gestrigen Börsenschluss erreichte der Aktienkurs sogar einen neuen Rekordwert von 218,51 Dollar. Dem Management strömten die Werbegelder zu, fast als wäre nichts gewesen. Es war ein wenig verkehrte Welt.

Nun sieht es erstmals so aus, als werde das weltweit größte soziale Netzwerk von seinen Problemen eingeholt. Durchweg zeigte sich: Das Wachstum läuft nicht mehr so wie gewohnt. Der Kurs reagierte entsprechend und brach zur Eröffnung der US-Technologiebörse Nasdaq um fast 20 Prozent ein. Dahinter steckt neben den aktuellen Problemen aber wahrscheinlich auch die Tatsache, dass es mit zunehmender Größe immer schwerer wird, noch mehr zuzulegen.

Möglicherweise werden die Investoren die Aktien künftig anders einschätzen – nicht mehr als Wachstumswert, aber immer noch als sprudelnde Gewinnquelle. Seit 2012 hat Apple eine ähnliche Entwicklung mit zwei großen Talfahrten durchgemacht – und sich stets wieder gefangen. Das neue Profil passt jetzt auch in das Beuteschema des Top-Investors Warren Buffett. Sollte Facebook sich in ähnlicher Weise verwandeln, wird aber auch die Frage aufkommen, wann Dividenden fließen.

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    In den USA und Kanada wächst das Netzwerk kaum noch

    Bei der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen am Dienstag sprach Zuckerberg zwar von einem „weiteren soliden Quartal“, doch die Zahlen belegten schnell das Gegenteil. In den USA und Kanada, seinem weitaus lukrativsten Markt, wächst das Netzwerk nicht mehr. Die Nutzerzahl stagniert dort bei 185 Millionen. In Europa verlor die Firma sogar etwa eine Million Menschen wegen der neuen europäischen Datenschutzrichtlinie, wie Zuckerberg erklärte.

    Insgesamt wuchs die Plattform weltweit nur auf 2,23 Milliarden Mitglieder. Analysten hatten laut Thomson Reuters mit 2,25 Milliarden gerechnet. „Es zeigen sich die Effekte der Anti-Facebook-Bewegung“, urteilt der Industrieanalyst Holger Mueller von Constellation Research. „Werden jedoch mehr Fälle von Datenweitergabe und Datenverlusten bekannt, wird sich der Trend verschlimmern.“

    Zeitweise verlor die Facebook-Aktie rund 130 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung. Die Aktionäre hatten die schlechten Nachrichten nicht erwartet – dabei kündigte Zuckerberg seit März dieses Jahres in jedem Investorengespräch ein nachlassendes Wachstum aufgrund höherer Ausgaben für die Sicherheit des Netzwerks an.

    Facebook hatte zwölf Quartale in Folge die Erwartungen der Analysten übertroffen. Umso größer fiel die Enttäuschung aus, als Facebooks Finanzchef David Wehner kaum Hoffnungen auf bessere Zeiten machte. Die Wachstumsrate werde im restlichen zweiten Halbjahr im oberen einstelligen Prozentbereich nachlassen, kündigte der Facebook-Manager an. Nicht genug für die verwöhnten Investoren.

    Facebooks Absturz allein auf die jüngsten Datenskandale zurückzuführen greift jedoch zu kurz. Der Gartner-Analyst Brian Blau hält die Entwicklung für eine Mischung aus „politischem Druck“ und verändertem Nutzerverhalten. „Es war klar, dass Facebook nicht für immer eine Wachstumsmaschine sein würde.“ Zuckerberg habe dies längst erkannt und früh in alternative junge Plattformen wie Instagram, WhatsApp und die Virtual-Reality-Plattform Oculus investiert.

    Auch Daniel Knapp von IHS Markit warnt davor, die Folgen von Cambridge Analytica überzubewerten. „Moralische Zweifel beeinflussen das Verhalten von Werbern nicht.“ Facebook sei einfach zu wichtig, um die Menschen kosteneffektiv, in großem Stil und präzise zu erreichen. Er glaubt: „Wir sehen erstmals, dass sich eine gewisse Nutzermüdigkeit in Facebooks Finanzen niederschlägt.“

    Tatsächlich ist die „blaue App“, wie Facebook intern genannt wird, für Internetverhältnisse schon sehr alt. Inzwischen treffen Jugendliche hier Eltern und Großeltern – und suchen das Weite. Vergangenes Jahr sank die Zahl der zwischen Zwölf- und 17-Jährigen auf der Plattform in den USA laut eMarketer um 9,9 Prozent. Die Datenfirma erwartet, dass Zuckerberg 2018 etwa 2,1 Millionen weitere Nutzer unter 25 Jahren verliert. Die Jungen streben neuen Netzwerke zu, sie heißen Snapchat, WhatsApp oder Instagram.

    Der Bilderdienst Instagram zählt zu den wichtigsten neuen Wachstumsquellen des Zuckerberg-Konzerns und besitzt inzwischen eine Milliarde Nutzer. Bloomberg Intelligence berechnet den Wert der Plattform auf 100 Milliarden Dollar. Laut eMarketer wird Instagram bis Ende dieses Jahr 18 Prozent zu Facebooks Einnahmen beitragen. Doch noch reiche dieses Wachstum nicht, um auszugleichen, was Facebook verliert, analysiert der Gartner-Analyst Blau.

    Zuckerberg entzaubert?

    Der Druck auf den Konzernchef steigt nach den enttäuschenden Zahlen. „Alle Investoren werden darauf schauen, ob sich der aktuelle Trend im kommenden Quartal fortsetzt“, sagt Gene Muster von der Investmentfirma Loup Ventures. Dann könnten sich die Folgen der neuen europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zeigen. Die neue Richtlinie trat Ende Mai in Kraft und floss deswegen nur etwa einen Monat in die aktuellen Ergebnisse ein.

    Die DSGVO zwingt Facebook, seine Nutzerbedingungen zugunsten von mehr Datenschutz zu ändern. Finanzchef Wehner nannte die neuen Privatsphäre-Einstellungen als einen der Faktoren, die zu Facebooks „Entschleunigung“ führten, wie er es nannte. Ebenfalls eine Rolle hätten der steigende Dollar-Preis und Investitionen in neue Features wie „Stories“ gespielt. Gene Muster von Loup Ventures schätzt, dass das Netzwerk weitere Fans verliert, wenn die DSGVO-Regeln breiter ausgerollt werden.

    Facebook-Chef Zuckerberg erklärte das schwache Ergebnis mit höheren Investitionen in die Sicherheit der Plattform. Die Firma werde künftig kaum weniger ausgeben, kündigte der 34-Jährige an. „Wir denken bei der Führung des Unternehmens langfristig, nicht an das nächste Quartal.“ Das Management hat die Zukunft im Blick und setzt darauf, trotz Datenskandal weitere Nutzer auf die Plattform locken zu können.

    Bei allen Problemen stand unter dem Strich auch in diesem Quartal ein starkes Ergebnis – selbst wenn es unter den Prognosen blieb. Der Umsatz stieg um 42 Prozent auf 13,23 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn belief sich auf 5,11 Milliarden Dollar oder 1,74 Dollar pro Aktie. Laut Thomson Reuters hatten Analysten mit einem Umsatz in Höhe von 13,36 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 1,72 Dollar pro Aktie gerechnet.

    Zumal Anzeigenkunden und Nutzer nach wie vor kaum zum Wettbewerber wechseln können. „Früher hätte es die Chance für andere soziale Netzwerke gegeben, davon zu profitieren, dass Facebook so stolpert wie jetzt“, sagt der Gartner-Analyst Brian Blau. „Aber diese Tage sind vorbei.“

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