Alibaba Sports und Wige Media Deutsche Digitaltechnik für Chinas Sportler

Der Kölner Wige Media ist es gelungen, mit einer Alibaba-Tochter ins Geschäft zu kommen. Sie will gemeinsam mit dem Online-Riesen aus China Sportstätten digitalisieren und Sport-Events veranstalten.
Wige Media will gemeinsam mit Alibaba Sports den chinesischen Hobbysport digitalisieren. Quelle: dpa
Breitensport in China

Wige Media will gemeinsam mit Alibaba Sports den chinesischen Hobbysport digitalisieren.

(Foto: dpa)

HamburgDie Kontaktaufnahme verlief über mehrere Ecken. Doch dann war Peter Lauterbach am Ziel: Der CEO des Kölner TV-Dienstleisters Wige Media ist im Zuge seiner Internationalisierungsstrategie mit der Alibaba Sports Group ins Geschäft gekommen. Das erst im September 2015 gegründete chinesische Unternehmen ist ein Ableger des Onlinehändlers Alibaba, eines Internet-Riesen, dessen Börsengang 2014 einen weltweiten Hype auslöste. Die Marktkapitalisierung der Unternehmensgruppe des ehemaligen Englischlehrers Jack Ma liegt heute bei mehr als 150 Milliarden Euro.

Auch Wige Media ist börsennotiert, aber mit einem Umsatz von 60,2 Millionen Euro und einer Marktkapitalisierung von 20,9 Millionen Euro in der Finanzwelt eher ein Zwerg. Immerhin produziert die Firma für RTL die TV-Übertragungen von der Formel 1. Sie liefert auch die Bilder vom Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) und der Handball Champions League. Das vor allem auf Motorsport spezialisierte Unternehmen hält die Übertragungsrechte an der DTM sowie an weiteren Rennserien wie der Formel 3 oder der Formel 4.

Zudem versteht sich Wige Media als Technikdienstleister. So hat sie etwa die Formel-1-Rennstrecke im russischen Sotschi mit modernster digitaler Technik ausgestattet. Am ehesten ist Wige Media mit der auf Fußballübertragungen spezialisierten Constantin-Medien-Tochter Plazamedia zu vergleichen, die jedoch weder eigene Rechte hält noch Sportstätten technisch aufrüstet.

Noch sind die Kooperationspartner aus dem Reich der Mitte, die unter anderem Anteile am chinesischen Fußball-Erstligisten Guangzhou Evergrande halten, im Motorsport ein unbeschriebenes Blatt. Prinzipiell hält Lauterbach auf bestimmten Geschäftsfeldern auch ein Joint Venture mit Alibaba Sports für möglich. „Was aus der Kooperation gesellschaftsrechtlich entstehen wird, ist offen“, sagt er. Ihm sei wichtig, dass die „Basis für gemeinsame Projekte“ geschaffen sei.

Sehr lukrativ könnte für die Deutschen auch ein anderer Punkt der Vereinbarung werden: „Wir wollen chinesische Sportstätten mit modernster Technik ausstatten“, sagt Lauterbach. „Und zwar vom Bolzplatz bis zum Olympiastadion.“ Digitale Technik auf dem Bolzplatz? Das klingt für deutsche Ohren seltsam, ist aber offenbar tatsächlich so mit den Chinesen beschlossen worden. Zhang Dazhong, CEO von Alibaba Sports, lässt keinen Zweifel daran, dass es seinem Unternehmen darum geht, modernste Technik auch dem Breitensport zugänglich zu machen.

Diese IT-Firmen gibt es auch auf Chinesisch
Google
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Die Zensur in China erstreckt sich nicht nur auf klassische Medien oder regierungskritische Blogs, auch Unternehmen haben mit ihr zu kämpfen. So zum Beispiel die Suchmaschine Google, die sich bereits 2010 aus der Volksrepublik verabschiedete. Auch Googles neuer Mutterkonzern hat mit der Zensur zu kämpfen: Laut Medienberichten ist die Webadresse von Alphabet für Chinesen nicht zu reichen. Der Grund: Sie breche mit Konventionen.

Baidu
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Wer in China also eine Suchmaschine bemühen will, muss auf andere Angebote ausweichen. Zum Beispiel auf Baidu: Der größte chinesischen Internetsuchmaschinen-Betreiber verliert derzeit an Ertragskraft, weil auch in China immer mehr Menschen über das Smartphone im Internet surfen, was wiederum weniger Werbeerlöse einbringt. Baidu plant Milliardeninvestitionen, um neue Dienste wie Kinokartenverkauf, Taxibestellungen oder Restaurantreservierungen zu entwickeln.

Ebay
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Wie Google hat auch das Internet-Plattform Ebay die Volksrepublik verlassen. Allerdings nicht aufgrund staatlicher Zensur, sondern wegen eines Mitbewerbers, der den US-Gigant in die Knie zwang.

Taobao
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Denn in China spielt die Plattform Taobao die Hauptrolle als Internetkaufhaus für Kleinanbieter. Mit ihr der Multimilliardär Jack Ma. Der Alibaba-Chef hatte Taobao als Antwort auf Ebay 2003 entwickeln lassen, drei Jahre später machte Ebay die eigene Seite in China dicht.

Amazon
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Amazon versucht in China Fuss zu fassen und bietet eine eigene Webseite. Doch hat mit starker Konkurrenz zu kämpfen.

Tmall
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Denn mit Handelsplattformen wie Taobao oder Tmall kontrolliert Alibaba-Chef Jack Ma vier Fünftel des Handels im Internet in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Tmall bietet Unternehmenskunden eine Plattform. Im Gegensatz zu Amazon verkauft Alibaba die Waren jedoch nicht selbst, sondern bietet lediglich die Plattform für Händler und Kunden. Neben Alibaba macht auch die Online-Seite JDcom Amazon Konkurrenz.

Paypal
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Die abgespaltene Ebay-Tochter Paypal nutzen indes viele Chinesen. Doch der US-amerikanische Bezahldienst hat in der Volksrepublik einen harten Konkurrenten.

„Wir wollen, dass auch Hobby-Leichtathleten mit Hilfe unserer Technik Laufstil verbessern können“, sagt Lauterbach. Dies sei aber keineswegs die einzige Anwendungsmöglichkeit: „Stellen Sie sich einen vielbeschäftigten Vater vor, der es sich nicht nehmen lassen will, seiner Tochter beim Tennistraining zuzuschauen. Dank unserer Technik kann er ihre Fortschritte im Live-Stream auf dem PC verfolgen.“
Bei Anlegern scheinen diese Aussichten zu verfangen. Der Aktie von Wige Media konnte sich am Mittwoch dem Abwärtstrend an den Börsen erwehren. Sie kletterte von 1,65 Euro auf 1,70 Euro.

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