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Alphabet Google sucht den Expansionskurs

Hohe Investitionen schmälern den Gewinn des Konzerns. Google-Chef Sundar Pichai sucht neben dem angestammten Werbegeschäft neue Erlösmodelle.
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Hohe Investitionen in die Zukunft des Konzerns. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
Google-Entwicklerkonferenz in San Francisco

Hohe Investitionen in die Zukunft des Konzerns.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

San FranciscoDas ABC des Internets beginnt mit Alphabet. Diese Machtanspruch stellte die Google-Mutter am Montag erneut unter Beweis. Die Quartalszahlen des Suchmaschinen-Anbieters aus Mountain View brachten ein stabiles Ergebnis. Doch die Zahlen offenbaren auch die hohen Investitionen, die Google in die eigene Zukunft steckt.

Sundar Pichai, seit der Konzernreform 2015 amtierender CEO, weiß, dass er die nächste Wachstumsphase für den Konzern anschieben muss. Das Werbegeschäft bringt nach wie vor zwar verlässlich Erlöse ein. Im vergangenen Quartal trug es ganze 83 Prozent zum Konzernumsatz bei.

Besonders gut liefen die Anzeigen mobil und bei der Video-Plattform Youtube. Doch Google muss zügig neue Geschäftszweige für sich gewinnen. Wer stehen bleibt, fällt schon zurück in der sich rasant verändernden Technologiewelt von Silicon Valley, das weiß Pichai.

„Google balanciert umsichtig kurzfristige Einnahmen mit Investitionen in langfristige Umsätze“, urteilt der Gene Munster, Gründer und Analyst bei Loup Ventures. Der Konzern werde weiter „der Sauerstoff für das Internet“ sein. Er zeige eine „eindrückliche Umsatzsteigerung“ von durchschnittlich 21 Prozent in den vergangenen zwölf Quartalen.

Das Wachstum ist solide, doch dieses Mal schmälern die hohen Kosten für zusätzliche Datenzentren, neue Mitarbeiter, besonders in der aufstrebenden Cloud-Einheit, und Vermarktungsausgaben das ansonsten gute Ergebnis. Ein Makel für Alphabet.

Der Umsatz kletterte um 22 Prozent auf 39,28 Milliarden Dollar und übertraf zuvor von der Datenfirma Refinitiv eingeholte Analysteneinschätzungen. Der Gewinn lag bei 8,95 Milliarden Dollar oder 12,77 pro Aktie. Die Marge fiel indes von 24 Prozent im Vorjahr auf 21 Prozent, weil Alphabets operative Ausgaben stärker als der Umsatz stiegen. Die Wall Street reagierte zunächst verunsichert. Der Alphabet-Kurs sank nachbörslich um drei Prozent.

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Das Unternehmen sucht den Expansionskurs. So kündigte Alphabets Finanzchefin Ruth Porat im Gespräch mit Analysten an, die Ausgaben von Alphabet würden in diesem Jahr weiterhin „ziemlich deutlich abweichen“. Sie meint: nach oben.

Das erfolgsverwöhnte Unternehmen muss Geschäftszweige voranbringen, in denen es nach wie vor hinter der Konkurrenz liegt, darunter vor allem im Geschäft mit der Cloud. Den Zweikampf um die Dominanz in diesem lukrativen Markt fechten die beiden Cloud-Anbieter Amazon und Microsoft unter sich aus. Der Onlinehändler kommt laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner auf einem Marktanteil von 51,8 Prozent, gefolgt von Microsoft (13,3 Prozent) und Alibaba (4,6 Prozent).

Viel Geld für die Expansion der Hardware-Sparte

Googles Cloud-Offerte liegt abgeschlagen bei 3,3 Prozent. Auch dies ein Makel. Rivale Microsoft präsentierte bei der Vorstellung der Quartalszahlen vorige Woche ein Wachstum der Cloud-Plattform Azure um 76 Prozent. Amazon meldete einen Umsatzsprung von 45 Prozent für Amazon Web Services (AWS).

In Amazons Konzernsegment „Sonstiges“ versteckte sich auch ein Bereich, der Google-Chef Pichai besonders beunruhigen dürfte: Das Anzeigengeschäft, das der Onlinehändler gerade erst für sich entdeckt, legte um 95 Prozent zu. Laut Amazon trugen die Anzeigen am meisten zu dem 3,39 Milliarden hohen Umsatz der „Sonstigen“ bei.

Der Onlinehändler steigt nicht nur gemeinsam mit Berkshire Hathaway und JP Morgan in die Pharma- und Krankenversicherungsindustrie ein, er interessiert sich auch für die Erlösmodelle der Onlinewerbung.

Die Verdrängungseffekte führen dazu, dass sich Alphabet weiterentwickelt muss. Die Google-Mutter investiert viel Geld in die Expansion der Hardware-Sparte, in der es eigene Smartphones, smarte Lautsprecher und Bildschirme verkauft, in denen Googles künstliche Intelligenz „Google Assistant“ wohnt. Sie soll „das Leben der Menschen noch einfacher machen“, wirbt Pichai.

Bei dem Marktanteil der smarten Lautsprecher, in dem Amazon zuletzt mit weitem Abstand vorn lag, ist Google mit den hohen Investitionen eine regelrechte Aufholjagd gelungen. Der Anteil kletterte laut der Datenfirma Canalys auf 29,8 Prozent, Amazon kommt hingegen auf 31,9 Prozent.

Bei der Technologiekonferenz CES in Las Vegas im Januar verkündete der Konzern, sein „Google Assistant“ sei Ende des Monats auf einer Milliarde Geräten verfügbar. Amazon verkaufte bislang 100 Millionen Alexa-Geräte. Google profitiert von seinem Betriebssystem Android, das einen Marktanteil von 74,92 Prozent bei den Mobilgeräten erreicht.

„Googles Kerngeschäft ist die Suche“, sagt der Analyst Frank Gillett von Forrester. Diese finde aber künftig vermehrt über Sprachsteuerung statt. Das Unternehmen müsse auch weiterhin in den Ausbau der zugehörigen künstlichen Intelligenz und Hardware investieren. „Google will sein Schicksal kontrollieren.“

Pichai entwickelt das bestehende Kerngeschäft weiter. Aber er setzt auf auf neue Erlösquellen, die in der Konzernsparte „Other Bets“ gefasst sind. Die zughörige Infrastruktureinheit Fiber und Biofirma Verily tragen inzwischen zu den Alphabet-Umsätzen bei.

Die große Unbekannte ist nach wie vor Alphabets Autoeinheit Waymo. Welche Rolle sie für die gestiegenen Kosten spielte, dazu wollte die Finanzchefin keine genauen Angaben machen. UBS schätzt, dass Waymo schon 2020 Umsätze in Höhe von 114 Milliarden Dollar einbringen dürfte.

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