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Amazon-CTO Werner Vogels „Durch Sprache wird Technologie menschlicher“

Mit der Sprachassistentin Alexa will Amazon den nächsten Lebensbereich erobern: Technikchef Werner Vogels spricht im Interview über Kundenanforderungen, seine Rolle im Unternehmen und das nächste große Ding.
2 Kommentare
Der Niederländer ist seit 2005 Technikchef bei Amazon. Quelle: picture alliance
Werner Vogels

Der Niederländer ist seit 2005 Technikchef bei Amazon.

(Foto: picture alliance)

Werner Vogels sieht nicht unbedingt aus wie einer, der dazu beigetragen hat, aus Amazon einen weltweit agierenden Technologiekonzern zu machen. Statt Anzug und Krawatte trägt Amazons Chief Technology Officer (CTO) lieber Jeans zum Sakko. Vogels ist eine imposante Erscheinung, er spricht laut, und trotz seiner Zeit in den USA hat er noch immer diesen freundlichen Singsang in der Stimme, der seine niederländische Herkunft verrät. Vogels hat Anteil daran, dass Amazon mit der Tochter Amazon Web Services (AWS) zu einem führenden Anbieter für Cloud-Computing geworden ist. Eine Gelddruckmaschine für Amazon-Chef Jeff Bezos – mit Kunden wie Airbnb, BMW oder Netflix. Dabei hatte Vogels zu Beginn seiner Karriere ganz andere Pläne.

Herr Vogels, Sie haben Informatik studiert und lange als Wissenschaftler gearbeitet. Wann wurde es Ihnen im Elfenbeinturm zu viel?
In meiner Zeit an der Cornell University habe ich bei zwei Start-ups mitgearbeitet. In den Vereinigten Staaten ist es etwas anders: Dort lernt man als Wissenschaftler, die akademische mit der wirklichen Welt zu verbinden. Oft hat man als Wissenschaftler ja den Luxus, sich die Welt so zu erschaffen, wie man sie gerne hätte. Bei meiner Arbeit in den Start-ups kam ich aber auf den Geschmack, Dinge für richtige Menschen zu bauen. Nach einer gewissen Zeit landete ich dann bei Amazon.

Heute sind Sie Chief Technology Officer: Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben?
In vielen Unternehmen berichtet der Chief Technology Officer an den Chief Innovation Officer und ist im Grunde die Person, die für die Datencenter und die Computerinfrastruktur des Unternehmens verantwortlich ist. Bei Amazon ist das etwas anders, denn Amazon sieht eben nur von außen aus wie ein Handelskonzern, ist aber in Wirklichkeit ein Technologieunternehmen. Der CTO war hier immer ein Stratege und machte sich Gedanken darüber, was die großen technologischen Herausforderungen sind, die es braucht, um gewisse Ziele zu erreichen.

Sie sprechen in der Vergangenheit – was ist denn aus dem Strategen geworden?
In dem Maße, in dem Amazon auch ein Technologieanbieter wurde – wie zum Beispiel mit der Cloud-Computing-Division Amazon Web Services – hat sich auch die Rolle des CTOs verändert: Er wurde vielmehr zu einem „External facing technologist“ – also demjenigen, der nach außen Technologie ein Gesicht gibt. Die Rolle beinhaltet nun, mit den Kunden zu interagieren und zu verstehen, wie sie Technologie verwenden und darüber nachzudenken, wie man sich immer wieder neu erfindet.

Amazon hat als Onlinehändler quasi eine Alleinstellung – muss das Unternehmen sich da überhaupt neu erfinden?
Wenn Amazon als Händler aufhören würde, ständig nach Innovation zu suchen, wäre es in zehn bis fünfzehn Jahren aus dem Geschäft. Nicht weil ein größerer Händler daher käme, sondern weil es einen Tod auf Raten bedeuten würde. Also muss sich Amazon immer neu im Sinne des Kunden ausrichten. Mitunter denken wir, Innovation bedeutet immer, etwas Neues zu erschaffen, aber manchmal muss man einfach nur darüber nachdenken, welche Wünsche immer für die Kunden Bestand haben werden.

„Sprachassistenten werden den Zugang zu Wissen verändern“
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2 Kommentare zu "Amazon-CTO Werner Vogels: „Durch Sprache wird Technologie menschlicher“"

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  • „Durch Sprache wird Technologie menschlicher“

    Sprache war schon immer das Mittel der Wahl, um Menschen zu manipulieren.
    Auch wenn sie im Allgemeinen eher besseren bzw. menschenfreundlicheren Zielen dient. So wohl hoffentlich auch im in diesem Artikel aufgeführten Beispiel:

    „Einer unserer Kunden bei Amazon Web Services ist das International Rice Research Institute auf den Philippinen – die wissen wirklich alles, was es über Reis zu wissen gibt. (Anmerkung dazu: Wirklich alles?) Sie haben 70.000 DNA-Stränge von Reissorten in ihren Kühlschränken. Auf Basis ihres Wissens haben sie eine Datenbank gebaut, die kleinen Farmern dabei helfen sollte, optimal Reis anbauen zu können. Leider hat die niemand verwendet. >>> Warum das? >>> Na ja, keiner der Farmer hatte ein Smartphone, geschweige denn einen Computer zur Verfügung. Das einzige, was es in jedem noch so kleinen Dorf gibt, ist ein Telefon. Also haben sie eine sprachgesteuerte Datenbank gebaut. Der Farmer kann nun anrufen, seine Parzelle Land beschreiben und mithilfe von Machine Learning nennt das System die richtige Menge an Dünger und so weiter. Sprache macht digitale Systeme möglich, die natürlich zu bedienen sind. Das hilft auch Menschen, die vielleicht nicht mit Computern aufgewachsen sind oder zu jung sind, um sie zu bedienen. In Zukunft wird die erste menschliche Interaktion mit einem digitalen System über die Sprache sein.“

    Technologischer Fortschritt im Allgemeinen - und dabei auch Sprachinteraktion mit digitalen Interfaces im Besonderen - in allen Ehren (wirklich!!), aber:

    Ich will auch in Zukunft nicht von einem Apparat „angesprochen“ werden, sondern (wieder) von e c h t e n Menschen mit eigener Meinung. Und das bestimmt nicht nur in Person eines „External facing technologisten“, sondern von möglichst vielen verschiedenen. Und ohne mein Wissen "abgehört" werden will ich schon mal gar nicht.

    (Teil 2/2 folgt!)

  • Teil 2/2:

    Das ist es, jedenfalls aus meiner Sicht, was für die Kunden immer Bestand haben wird (dies zu „Mitunter denken wir, Innovation bedeutet immer, etwas Neues zu erschaffen, aber manchmal muss man einfach nur darüber nachdenken, welche Wünsche immer für die Kunden Bestand haben werden.“).

    Nehme mal an (bzw. hoffe es), dass die - jedenfalls die meisten - das genauso sehen.

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