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Amazon

Am Dienstag erreichte der Online-Konzern aus Seattle kurzzeitig die Bewertung von einer Billion Dollar.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Analyse Amazon ist auf dem Weg zum dominantesten Unternehmen der Welt

Der Online-Konzern erreicht kurz nach Apple auch einen Börsenwert von einer Billion Dollar. Die Tech-Riesen schaffen eine neue Ordnung – mit Amazon an der Spitze.
05.09.2018 - 06:41 Uhr Kommentieren

San Francisco Jeff Bezos ist ein geduldiger Mann. Ein erfolgreiches Quartal, sagt der Amazon-Gründer gern, plane er bereits fünf Jahre im Voraus. Auf diesen einen Moment arbeitete der Geschäftsmann sogar 24 Jahre hin: Am Dienstag erreichte der Online-Konzern aus Seattle kurzzeitig die Bewertung von einer Billion Dollar, kaum einen Monat, nachdem bereits Apple die Marke übersprang.

Der Aufstieg von Amazon und Apple zeigt eine neue Ordnung, die gerade entsteht. Technologiekonzerne häufen immer mehr Macht und Reichtum an und beherrschen zunehmend Märkte und Wirtschaft. Auch Alphabet und Microsoft steuern mit einer Markbewertung von mehr als 800 Milliarden Dollar stetig auf die Billionen-Marke zu. Das ungleich jüngere Facebook liegt ebenfalls bereits bei knapp unter 500 Milliarden Dollar.

Apple, Amazon oder Alphabet besitzen längst fast die Macht von Nationalstaaten, nur dass ihr Einfluss die Ländergrenzen überschreitet. Er reicht soweit wie das freie Internet. Also fast überall hin, mit Ausnahme von China oder Nordkorea. Die digitalen Staaten schufen ihre eigene Währung (Daten), Infrastruktur (Cloud) und Staatsform (ein Mix aus liberalem Kapitalismus gepaart mit technokratischem Effizienzdenken).

Die Internetfirmen sind so mächtig, dass Politiker, die moderne Technologie viel zu lange ignorierten, nun das Unbehagen erfasst und sie laut nach Gesetzen rufen. Doch der Aktivismus kommt zu spät. EU-Kommissarin Margrethe Vestager lässt sich für ihr hartes Vorgehen gegen Google feiern. Doch ihre Milliardenstrafen treffen Alphabet kaum. Es hat seine Macht im Markt längst gesichert und begleicht die Summe aus den Profiten eines Quartals.

Auch Facebook bleibt trotz aller Debatten um Privatsphäre-Debakel und Wahlmanipulation bislang unbehelligt. Die stundenlangen Verhöre von Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress entblößten allenfalls das Unwissen der Politiker. Wenn Facebooks Geschäftsführerin Sheryl Sandberg und Twitter-Chef Jack Dorsey ihre Aussage im Senat beendet haben, wird das Ergebnis kaum anders ausfallen.

Nun droht den Tech-Riesen auch noch das deutsche Bundeskartellamt. Die Behörde will Fusionen künftig auch dann schon untersagen können, wenn es nur den Verdacht hat, dass durch die Übernahme eines Konkurrenten ein Internetkonzern nur seine Marktmacht zementieren will – egal wie klein der Wettbewerber noch ist. Und laut Experte Justus Haucap müssen sich die amerikanischen Konzerne diesen Vorstoß ganz genau anschauen. Denn das Kartellrecht wirke extraterritorial, es komme nicht darauf an, wo Unternehmen ihren Sitz haben. Es reiche, wenn sie auf dem deutschen Markt aktiv seien.

.Dennoch: Inwieweit das deutsche Bundeskartellamt diese Idee bei dem amerikanischen Unternehmen Amazon durchsetzen kann, muss sich erst zeigen.

Auch der amerikanische Präsident Donald Trump wollte sich Google, Facebook und Twitter schon vorknöpfen – und zwar mit Verordnungen. Seine Mitarbeiter kassierten den Vorschlag jedoch kurze Zeit später.

Von den Attacken gegen Amazon, das fast die Hälfte von jedem Dollar einnimmt, der in den USA online ausgegeben wird, wird Trump indes kaum ablassen. Die Verwandlung des 1994 als Buchhändler gestarteten Unternehmens zum globalen Phänomen dürfte seine Wut nur weiter anstacheln. Nicht nur weil Gründer Jeff Bezos die „Washington Post“ besitzt, die in den Augen Trumps Falschnachrichten verbreitet.

Die Anfeindungen gegen Amazon zahlen sich politisch einfach aus. Im Unterschied zu Google oder Facebook beschäftigt Bezos einfache Arbeiter in seinen Fabrikhallen, also potenzielle Wähler für Trump.

Der Cloud-Service AWS ist Amazons Lizenz zum Gelddrucken

Vor allem besitzt Amazon das Potenzial, Apple als größtes Unternehmen der Welt zu überflügeln. Es ist seit dreizehn Quartalen durchgehend profitabel. Besonders lukrativ ist das Geschäft mit der Server-Vermietung Amazon Web Services (AWS), das Gewinnspannen von mehr als 20 Prozent verzeichnet und einen Umsatzsprung von 49 Prozent im vergangenen Quartal. AWS ist Amazons Lizenz zum Gelddrucken. Die Zahl der Kunden verdoppelte sich von Quartal zu Quartal.

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Laut Werner Vogels, Amazons Technikchef, treibe Amazons „Innovations- und Powermaschine“ längst nicht nur das Wachstum des Online-Händlers an, sondern schaffe auch den Nährboden für Airbnb, Netflix oder Pinterest. Statt mühevoll mit viel Geld eigene Server aufzusetzen, können die jüngeren Firmen notwendige Computerpower einfach hinzukaufen und schneller wachsen. Die neue Weltmacht Amazon schafft die Infrastruktur für das Leben der anderen und vergrößert so den Einfluss immer weiter.

AWS finanziert die hohen Investments in die für Amazon so wichtigen Experimente mit, treibt Innovationen im ganzen Unternehmen voran. Amazon expandiert in immer neue Zukunftsmärkte, vom Gesundheitswesen über das Versicherungsgeschäft, leistet sich Tests mit innovativen Supermarktformen wie Amazon Go oder die 13,7 Milliarden Dollar schweren Übernahme der Biokette Whole Foods. Amazon Prime begeistert inzwischen mehr als 100 Millionen Mitglieder und erreicht Schätzungen zufolge 40 bis 60 Prozent aller amerikanischen Haushalte. Die nächste Einnahmequelle hat Bezos schon ausgemacht.

Vergangenes Quartal stiegen die Umsätze von Amazons Anzeigengeschäft um 132 Prozent. Dabei hat der Online-Konzern seinen Siegeszug in das Kerngeschäft von Alphabet und Facebook gerade erst begonnen. Wie kein anderer bedroht Amazon das Wachstum der zwei Konkurrenten aus dem Silicon Valley. Niemand weiß so gut wie Amazon, was die Kunden wollen. Google oder Facebook erfassen nur, auf welche Anzeigen der Nutzer blickt und klickt – aber nicht, was er kauft. Sie sind nur das Schaufenster. An der Kasse sitzt Amazon.

Dank der mächtigen Sprachassistentin Alexa dürfte dieser Trend sich künftig verschärfen. Schon jetzt dominiert Amazon das Geschäft mit smarten Lautsprechern je nach Studie mit zwischen 50 und 70 Prozent. Irgendwann wird Bezos die Geräte verschenken – als neuer Verkaufskanal mitten im Wohnzimmer des Nutzers und unschätzbarer Datenlieferant für das Werbegeschäft sind sie viel mehr wert.

Die Amazon-Entwickler arbeiten bereits an der nächsten Stufe der technischen Eroberung. Die Sprache sei „nur der erste Schritt“, sagt Amazons Technikchef Vogels. Bald werde das interaktive Internet den Nutzer von allen Seiten umgeben. Viele der Benutzeroberflächen, seien es nun Lautsprecher, Bildschirme oder andere intelligente Sensoren im Internet der Dinge, will dann Amazon bespielen.

Jeff Bezos ist ein geduldiger Mann. Er hat den Aufstieg von Amazon zum Billionen-Dollar-Konzern seit 24 Jahren vorbereitet. Er weiß, sein Konzern wird nur gewinnen, wenn er sich so hartnäckig, behutsam und angenehm in das Leben seiner Nutzer schiebt, dass uns allen ohne Amazon einfach etwas fehlen würde.

„Amazon hat das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht“

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