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Analyse Liebesgrüße aus Menlo Park – Facebook startet seine eigene Dating-App

Facebook-Nutzer in Kolumbien können die Dating-Funktion nutzen, weitere Länder sollen folgen. Für Konkurrenten wie Tinder und Bumble dürfte das zum Problem werden.
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Das soziale Netzwerk versucht mit einer Dating-Funktion Nutzer an sich zu binden. Quelle: AFP
Facebook

Das soziale Netzwerk versucht mit einer Dating-Funktion Nutzer an sich zu binden.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Mark Zuckerberg hat eine Vision: Er will eine globale Gemeinschaft erschaffen. Wie könnte das besser funktionieren als mit ein bisschen Liebe? In Kolumbien geht deswegen nun die Facebook-Version eines Dating-Portals in die Testphase. Angekündigt hatte Facebook die neue Funktion bereits im Mai auf der jährlichen Entwicklerkonferenz.

Das soziale Netzwerk will sich mittels der Dating-App einen weiteren Markt einverleiben. Sollte Zuckerberg die Anwendung nach dem Test weltweit ausrollen, dürfte das für Konkurrenten wie Tinder oder Bumble ein schwerer Schlag werden. Facebook geht es dabei allerdings um mehr, als das simple Erschließen neuer Märkte – es geht auch darum für seine Nutzer weiter relevant zu bleiben.

„Ich bin sehr aufgeregt darüber, Menschen auf neuen Wegen zusammen zu bringen“, postete Zuckerberg am Freitag auf seiner Facebook-Seite. Nach Kolumbien würden bald weitere Standorte folgen, verkündigte der Facebook-Chef. Welche das konkret werden, sagte er nicht. Facebook wollte das auf Handelsblatt-Anfrage nicht kommentieren.

Klar ist indes, wie die neue Funktion aussieht: volljährige Nutzer können ein separates Profil erstellen. Die einzige Informationen, die Facebook dabei überträgt, sind Vorname und Alter, die restlichen Profildaten müssen selbst ausgefüllt werden. Bis zu neun Fotos dürfen hochgeladen werden, berichtet das US-Medium „Wired“. Zudem könnten Nutzer aus 20 sogenannten „Eisbrecher-Fragen“ für ihr Profil auswählen, zum Beispiel „Wie sieht dein perfekter Tag aus?“. Noch ließe Facebook keine personalisierten Fragen zu.

Wer dann schließlich zusammen findet, entscheidet Facebook mit Hilfe eines Algorithmus: Die sogenannten „Matches“ basieren auf Vorlieben, Interessen und Dingen, die man auf Facebook unternimmt, teilt der Konzern mit. Wie US-Medien weiter berichten, beschränkt sich die Auswahl auf einen etwa 100 Kilometer großen Radius. Nutzer können diesen aber verkleinern und Variablen wie Religion oder Altersklassen bestimmen. Anders als beispielsweise auf Tinder soll es kein Hin- und Hergewische geben. Beobachter erkennen darin die Absicht, die App nicht als ein Portal für One-Night-Stands auszurichten.

Nachfrage scheint zu bestehen: Über zweihundert Millionen Menschen bezeichneten sich in ihrem Beziehungsstatus selbst als Single, teilt Nathan Sharp, Produkt-Manager von Facebook Dating, mit: „Wir sehen das als eine unglaubliche Möglichkeit an, Menschen dabei zu helfen, bedeutsame Beziehungen auf Facebook aufzubauen.“ Das Ziel sei das Netzwerk zum besten Ort der Welt zu machen, um eine Beziehung online zu beginnen, so Sharp.

Das dürfte in den Zentralen von Dating-Diensten wie Tinder oder Bumble Angstschweiß verursachen. Denn die sind zwar bereits lange auf dem Markt aktiv, aber stehen immer vor einer Hürde: Potenzielle Nutzer müssen sich erst einmal auf der Plattform anmelden.

Facebook setzt nun einmal mehr auf die digitale Bequemlichkeit der Menschen. Die Daten sind bereits vorhanden, eine umfassende Neuanmeldung ist nicht nötig. Es verwundert daher nicht, dass der Aktienkurs der Match Group, Betreiberin von Dating-Plattformen wie Tinder, OkCupid oder Match.com, nach der Ankündigung nachgab.

Die Ankündigung macht deutlich, dass nahezu kein Online-Dienst vor Facebooks Hoheitsansprüchen im Netz sicher ist: Mit der erst kürzlich in Deutschland gestarteten Videosparte „Watch“ sollen Nutzer auf der Plattform gehalten werden, die vielleicht sonst ihre Zeit auf Netflix oder Youtube verbringen würden. Mit Facebook-Jobs bietet der Dienst mittlerweile auch eine eigene Arbeitsplatzvermittlung, über die Marktplatzfunktion kann geshoppt werden.

Werbung soll es in der Liebes-App erst einmal nicht geben – und somit auch keine Premiumversion, wie sie beispielsweise Tinder anbietet. Der Fokus könnte hier auf dem Wort „noch“ liegen: Auch Whatsapp sollte werbefreie Zone bleiben, mittlerweile will Facebook im kommenden Jahr in der sogenannten Status-Anzeige auch Werbeanzeigen erlauben.

Es bleibt aber die Frage, ob Facebook-Nutzer sich bei ihrem Liebesleben tatsächlich auf den Dienst verlassen werden. Skandale wie der rund um den Analysedienst Cambridge Analytica, haben das Vertrauen in Facebook beschädigt.

Mittlerweile wächst die Nutzerzahl etwas langsamer, in Regionen wie Nordamerika verbringen die Menschen weniger Zeit auf der Plattform. Die Testphase in Kolumbien könnte dann auch als Hinweis verstanden werden, welche Märkte Zuckerberg derzeit als Wachstumskandidaten ausmacht.

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