Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Analyse Neues Rezo-Video: Die sehr penible „Zerstörung der Presse“

Der Youtuber Rezo kritisiert in seinem neuen Video die deutschen Medien. Doch ganz mustergültig arbeitet er selbst nicht.
02.06.2020 - 18:42 Uhr 1 Kommentar
Das neue Video nennt sich „Die Zerstörung der Presse“. Quelle: dpa
YouTuber Rezo

Das neue Video nennt sich „Die Zerstörung der Presse“.

(Foto: dpa)

Berlin Vor rund einem Jahr landete der Youtuber Rezo mit dem Video „Die Zerstörung der CDU“ einen Hit, der mittlerweile mehr als 17 Millionen Aufrufe verzeichnet. Jetzt hat er mit „Die Zerstörung der Presse“ nachgelegt: Darin widmet er sich etwa Verschwörungsideologien und fragwürdigen Praktiken der Boulevard- und Regenbogenpresse. Während der Großteil des Videos viele wichtige Punkte der Medienkritik aufgreift und einem breiten Publikum zugänglich macht, ist sein eigener Faktencheck selbst kritikwürdig.

Nach eigenen Angaben hat Rezo mit einem Mitglied seines Teams sämtliche Artikel aus dem Jahr 2019 analysiert, die über ihn in deutschen Medien verfasst wurden. Dazu hat er auch eine Excel-Tabelle angelegt. In insgesamt 34 Prozent der rund 400 untersuchten Artikel habe er demnach Fehler gefunden.

Besonders schlecht schneiden dabei drei Medien ab: 67 Prozent der Artikel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ enthalten demnach mindestens eine Falschbehauptung. Die „Welt“ kommt auf 54 Prozent, die „Bild“ auf 52 Prozent. Die betroffenen Publikationen haben sich auf eine Handelsblatt-Anfrage nicht dazu geäußert. Rezos Fazit: „Nach der Statistik sind FAZ, Bild und Welt die unglaubwürdigsten Quellen.“

Allerdings ist Rezo hier sehr penibel vorgegangen. So deklariert er beispielsweise folgende Aussage der „FAZ“ als Falschbehauptung: „Nun gut, gänzlich umgesetzt hat der Youtuber Rezo nicht, was er in dem Video verspricht. Der Titel lautete ‚Die Zerstörung der CDU‘ und die Partei ist immer noch am Leben“.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Rezo stellt klar, dass er die Zerstörung nicht versprochen habe, und verweist auf Minute 1:20 seines „CDU-Videos, in der er sagt: „Das wird diesmal wirklich ein Zerstörungsvideo. Nicht weil ich aktiv versuche, jemanden zu zerstören, sondern weil die Fakten und Tatsachen einfach dafür sprechen, dass die CDU sich selbst, ihren Ruf und ihr Wahlergebnis damit selbst zerstört.“ Ziemlich spitzfindig.

    Ähnlich verhält es sich auch mit der einzig monierten Meldung auf handelsblatt.com, die von der Nachrichtenagentur dpa stammt: Darin wird Rezo mit den Worten zitiert „Wer liest das? Wer unterstützt das finanziell?“. In der Meldung wurde diese Aussage auf eine reißerische Überschrift der „Bild“-Zeitung bezogen. Dabei ist sie – wie das Video zeigt – mehr als generelles Urteil über die „Bild“ zu verstehen.

    Zwar macht Rezo selbst klar, dass nicht „jede Falschbehauptung gleich schlimm ist“. Wenn eine Zeitung ihm den falschen Studiengang zuweise, dann „ist das nicht so schlimm, als wenn sich eine andere Zeitung Fake Geschichten über irgendwelche PR-Teams ausdenkt“. Doch am Ende summiert es sich eben auf eine Prozentzahl, mit der er hantiert.

    Hinzu kommt, dass er sich selbst noch einen Patzer leistet: So bezeichnet er den Journalisten Gabor Steingart als Herausgeber des Handelsblatts, was dieser seit 2018 jedoch nicht mehr ist. Inzwischen weist Rezo auf diesen Fehler in der Videobeschreibung hin.

    Dieser Fehler und die Spitzfindigkeit trüben leider den Gesamteindruck des Videos, das sehr viele wichtige Themen aufgreift: etwa den Umgang mit Opfern im Boulevard oder der Fälschung von Interviews in der Regenbogenpresse.

    Doch so penibel Rezo bei der Auflistung von Fehlern ist, so brachial ist die Wahl seiner Überschrift: „Die Zerstörung der Presse“ erweckt den Eindruck einer Pauschalkritik, der das Video nicht nachkommt. Stattdessen gibt es sogar Lob für einige Medien wie den WDR und den „Spiegel“.

    Rezo verweist im Video darauf, was für eine mächtige Wirkung Überschriften haben können. Für sich selbst scheint diese Warnung nicht zu gelten. Denn eine „Zerstörung der Presse“ ist das Video nicht. Wenn man ganz penibel ist, könnte man sogar sagen, dass dies eine Falschbehauptung ist.

    Mehr: Youtuber Rezo bezeichnet Seehofer nach Games-Vorstoß als „krass inkompetent“

    Startseite
    Mehr zu: Analyse - Neues Rezo-Video: Die sehr penible „Zerstörung der Presse“
    1 Kommentar zu "Analyse: Neues Rezo-Video: Die sehr penible „Zerstörung der Presse“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.


    • "Zerstörung" ist zwar ein Hauptwort, jedoch kann diese "Zerstörung" einen Vorgang meinen. Dieser Vorgang führ dazu, dass eine Sache im Anschluss an den Vorgang nicht mehr dieselbe ist. Die "Zerstörung" ist nicht gleichzusetzen mit "Die Zerstörung wird erfolgen".

      Vergleich: Das "Backen" von Kuchen kann ein Vorgang sein, bei dem Kuchen entsteht. Nur weil dieser Prozess in Kochbüchern mit Worten und Bildern beschrieben wird, steht noch kein Kuchen auf dem Tisch.

      Falls nun Rezo stattdessen beschrieben hätte, wie ein Kuchen besser gelingt, hieße das laut Autor: Entweder steht demnächst ein Kuchen auf dem Tisch oder Rezo stellt etwas falsch dar.

      Das ist hier ganz sicher kein "Kack-Move" des Autors, aber ich hoffe er Erkennt, dass Worte unterschiedlich aufgefasst werden können.

      Gruß

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%