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Analyse Rechte drohen US-Medien nach Mueller-Report – und schaden sich damit selbst

Trump sieht sich durch den Mueller-Report vollständig entlastet – und als Opfer von Journalisten. Schon blasen Amerikas Rechte zum Angriff auf die US-Medien – aber wohl erfolglos.
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Aufgrund seiner kontroversen Persönlichkeit und seines unkontrollierten Medienverhaltens ist Trump eine Idealbesetzung für die Medien, die seiner Regierung kritisch gegenüberstehen. Quelle: AP
Donald Trump

Aufgrund seiner kontroversen Persönlichkeit und seines unkontrollierten Medienverhaltens ist Trump eine Idealbesetzung für die Medien, die seiner Regierung kritisch gegenüberstehen.

(Foto: AP)

WienDer Report von US-Sonderermittler Robert Mueller zur Russlandaffäre ist für US-Präsident Donald Trump ein Punktsieg. Demnach gibt es keine Beweise für eine Verschwörung oder gar Zusammenarbeit zwischen dem Wahlkampfteam, Freunden des Multimilliardärs und Russland. Vor diesem Hintergrund will der starke Mann im Weißen Haus nun zum Gegenangriff auf die US-Medien ausholen.

Ein Berater von Trump kündigte laut CNN bereits an, die US-Medien „herunter zu machen und zu beschämen“. Es droht ein neuer Höhepunkt in der jahrelangen Auseinandersetzung zwischen dem US-Präsidenten und Medien wie CNN, New York Times oder Washington Post. Trump sagte, er sei „vollständig und total“ entlastet und sieht sich – wie so häufig – als Opfer der von ihm verabscheuten Medien seines Landes.

Die betroffenen Medienhäuser zwischen New York und Atlanta müssen aber wegen der Drohungen aus Trumps Umfeld keineswegs in Schockstarre verfallen. Sie profitieren von Trump und seinen Kreuzzügen gegen regierungskritische Medien. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Seit der Amtszeit von Richard Nixon zwischen 1968 und 1974 hat kein anderer Präsident die Vereinigten Staaten so polarisiert wie Trump. Mit Provokationen, Unverschämtheiten und Populismus hat er das Land seit 2017 tief gespalten. Wegen seiner autokratisch anmutenden Amtsführung wird er daher auch weiter massiv in der Kritik stehen.

Aufgrund seiner kontroversen Persönlichkeit und seines unkontrollierten Medienverhaltens ist Trump jedoch eine Idealbesetzung für die Medien, die seiner Regierung kritisch gegenüberstehen. Dazu zählen insbesondere die Zeitungen „New York Times“ und „Washington Post“, der Nachrichtensender CNN oder das Internetportal MSNBC.

Für oppositionelle Medien ist Trump ein „best case“. Bei einem erneuten Anlauf Trumps, den Ruf der liberalen und unabhängigen Medien massiv zu beschädigen, wird er deren Zielgruppe nur noch stärker zusammenschweißen. Die Weisheit „Viel‘ Feind, viel‘ Ehr“ gilt gerade im Mediengeschäft.

Andere Regierungen in demokratischen Ländern versuchen Medien über Zuckerbrot und Peitsche im politischen Informationsgeschäft in den Schwitzkasten zu nehmen. Kritische Zeitungen sollen mit einem exklusiven Zugang zur politischen Macht domestiziert werden. In autokratischen Systemen wird gar mit Gesetzen und der Änderung der Besitzverhältnisse gearbeitet, um die Medien unter Kontrolle zu bringen.

Trump ist dagegen politisch aus anderem Holz geschnitzt. Er spricht seine Kritik und seine Wut über die angeblich unfaire Behandlung offen und transparent aus. Das ehrt ihn. Dabei schießt er sich aber politisch selbst ins Knie. Denn eine erneute Angriffswelle gegen Zeitungen, Internetportale und Sender im eigenen Land erschüttert das Vertrauen in ihn nur noch weiter.

Die Angriffe des politischen Egomanen im Weißen Haus bringen die klassischen US-Medien wirtschaftlich nicht in Bedrängnis. Das Gegenteil ist der Fall: Trump verhilft seinen medialen Feinden zu einem Bedeutungszuwachs, der sich ökonomisch auszahlt. Der Verlust der eigenen Glaubwürdigkeit steht direkt proportional zum Anstieg des Vertrauens in die großen Medienmarken wie die „New York Times“.

Als das börsennotierte Unternehmen im vergangenen Monat seine Quartalsbilanz vorlegte, jubelte President und CEO Mark Thompson: „Das Wachstum der Digitalabonnements beschleunigte sich in der zweiten Hälfte von 2018, und wir haben das Jahr mit 3,4 Millionen Digitalabonnements abgeschlossen.“ Die „New York Times“ erreichte zudem im vergangenen Quartal ein Wachstum im digitalen Werbegeschäft von stolzen 23 Prozent.

„Unser bestes Ergebnis seit vielen Jahren”, freute sich der frühere BBC-Chef Thompson. Insgesamt erzielte das Flaggschiff der amerikanischen Zeitungswelt einen Jahresumsatz von 1,7 Milliarden Dollar, der operative Gewinn schnellte auf 190 Millionen Dollar im vergangenen Jahr hoch. Die Aktionäre dürfen sich freuen, eine Erhöhung der Dividende wurde bereits vorgeschlagen.

Bis zum Jahr 2025 will Thompson zehn Millionen Abonnenten erreichen – derzeit sind es digital und analog 4,3 Millionen. Was er aber diskret verschweigt: Für dieses Ziel ist eine zweite Amtszeit Trumps quasi eine Voraussetzung. Denn der US-Präsident ist das beste Wachstumsprogramm für die „New York Times“, das hat seine bisherige erste Amtszeit schon bewiesen.

Trumps Attacken einen die Opposition

Der amerikanische Präsident hat zweifellos ein sehr ernstes Problem mit der Pressefreiheit. Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsehsender diffamiert Trump liebend gerne als „Feinde des Volkes“, wenn sie Kritik an seiner Person und seinen Entscheidungen üben.

Nach über zwei Jahren im Amt wird klar: Trump kann die Medienfreiheit mit seiner Polemik – bisweilen sogar Hass – nicht außer Kraft setzen. Die Vorhersage von Arthur Gregg Sulzberger, Verleger der „New York Times“, dass er die demokratischen Ideale Amerikas untergrabe, mag durchaus zutreffen. Doch Trump setzt die demokratischen Ideale nicht außer Kraft.

Mit einer neuen Angriffswelle auf die oppositionellen Medien schweißt er die medialen Akteure nur noch stärker zusammen und demonstriert, wie wichtig ein unabhängiger und qualitativer Journalismus ist. Das ist längst auch dem Chef des Handelsgiganten Amazon klar.

Die Erkenntnis, wie wichtig unabhängiger Qualitätsjournalismus für die Demokratie ist, war einer der Gründe, weshalb der Multimilliardär Jeff Bezos die legendäre „Washington Post“ im Jahr 2013 gekauft hat. Diese Zeitung deckte einst den Watergate-Skandal unter Nixon auf. Amazon-Chef Bezos weiß: Eine Qualitätszeitung besitzt mit sauberen Recherchen sogar die Kraft, einen trickreichen Präsidenten im Weißen Haus zu Fall zu bringen.

Trumps Prophezeiung via Twitter, die „New York Times“ und „Washington Post“ würden in sieben Jahren von der Bildfläche verschwinden, wird angesichts des gut laufenden Geschäfts daher nicht Wirklichkeit werden. Jeff Bezos will und kann sich die „Washington Post“ bis zum Sankt Nimmerleinstag leisten. Der reichste Mensch der Welt kommt laut „Forbes“ auf ein Vermögen von 131 Milliarden Dollar.

Die regierungstreuen Medien verlieren hingegen an Vertrauen. Nicht einmal Trumps Gattin vertraut dem nationalpopulistischen Fernsehsender Fox News in der Air Force One: Melania Trump schaltet in der Präsidentenmaschine laut einem Medienbericht lieber CNN, den von Trump am meisten gehassten US-Nachrichtenkanal, ein.

Denn die gebürtige Slowenin weiß: Kein anderer US-Kanal berichtet unabhängiger als der Informationssender, der mittlerweile zum Imperium des Telekomgiganten AT&T gehört.

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