Analyse Rocket Internet weiß nicht wohin mit seinem Geld

Rocket Internet sitzt auf Cash-Reserven von 2,6 Milliarden Euro. Doch es gibt einen Grund, warum die große Investition auf sich warten lässt.
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Rocket Internet: Start-up-Investor will profitabler werden Quelle: dpa
Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer

Auf der Hauptversammlung in Berlin sprach Samwer über das Warten auf „das nächste große Ding“.

(Foto: dpa)

BerlinProphetisch wollte sich Rocket-Chef Oliver Samwer auf der Hauptversammlung von Rocket Internet in Berlin nicht geben. Man suche auch Fintechs, Software, künstliche Intelligenz oder Proptech, also Technologie für die Immobilienbranche. Welche aber „die nächste große Sache“ im Internet wird, konnte Samwer nicht sagen. „Es liegt daran, dass ich es einfach nicht weiß.“

Es herrscht viel Unklarheit über den Kurs des Unternehmens, und die Anleger warten begierig auf das nächste große Ding. Samwer und seine Raketen-Unternehmen haben bewiesen, dass sie können, was sie einst versprachen: Start-ups schnell zu professionalisieren und dann auf den Markt zu bringen. Zalando ist eine dieser Erfolgsgeschichten.

Mit Delivery Hero und Hello Fresh brachte das Unternehmen zwei seiner Hoffnungsträger im vergangenen Jahr erfolgreich an die Börse. Nächste Woche will Rocket nun den Online-Möbelhändler Home24 folgen lassen. Doch auch wenn Samwer nun Begriffe wie künstliche Intelligenz, Fintech oder Proptech als Zauberwörter aus dem Hut zaubert, das Ziel des Unternehmens scheint weiter unklar. Das monieren nun auch Aktionäre.

Rocket sitzt nach den Börsengängen und Veräußerungen, wie zuletzt die der südasiatischen E-Commerce-Plattform Daraz an den chinesischen Tech-Giganten Alibaba, auf gewaltigen Cash-Reserven: Brutto hat die Start-up-Fabrik demnach 2,6 Milliarden Euro in der Kasse, um Unternehmen zu gründen oder zu entwickeln. Doch das nächste große Ding steht aus.

Das sorgt Aktionäre: So kritisierte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, dass der Erfolg bei Rocket zu wenig messbar sei. In die Zukunft gehe das Unternehmen nach Börsengängen von Delivery Hero und Hello Fresh im Blindflug. Tüngler fragte: „Was ist denn die nächste große Sache in fünf oder zehn Jahren?“

Fintechs würden zum Kernsektor werden, sagte Samwer zumindest. Dabei hat Rocket Internet bereits Erfahrung gemacht mit Unternehmen wie Zencap oder Spotcap. Auch die USA will das Unternehmen weiter in den Fokus nehmen – als Erfolgsbeispiel soll da Hello Fresh dienen: „Wir werden auch in Zukunft Unternehmen starten, die es schaffen, in den USA die Nummer eins zu werden“, versprach Samwer.

Weitere Börsenkandidaten wurden indes nicht bekanntgegeben. Manch ein Branchenkenner munkelt über Westwing, dann tauchen wieder Medienberichte auf, dass es genauso auch Afrikas Online-Gigant Jumia sein könnte, an dem Rocket eine Beteiligung hält. „Das läuft nicht wie am Fließband. Es gilt das Gesetz des klugen Kaufmanns”, sagte Samwer. „Wir gehen mit derselben Demut, mit der wir das Jahr 2017 begonnen haben, in das Jahr 2018.“

Die Start-up-Schmiede scheint sich Besonnenheit verordnet zu haben. Statt unzählige Start-ups auf den Markt zu werfen, scheint das Unternehmen gerade in einer Findungsphase. Denn der Markt des Investierens und Start-up-Bauens hat sich verändert. Viele mischen in der Branche mit, das nächste große Ding sehen Kenner nicht etwa im E-Commerce, sondern eher in Bereichen wie Gesundheitstechnologie, künstliche Intelligenz oder Software.

Da allerdings hat Rocket Internet in der Vergangenheit nur wenig Erfahrung gesammelt. Aber Samwer hat bewiesen, dass er ein gutes Gespür für Trends hat. Es werde ein Jahr des Fortschritts, aber weder eins der Überraschung noch der Enttäuschung, sagte er in Berlin. So lange es keins der Stagnation wird, dürften Aktionäre Samwer weiter die Treue halten.

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