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Analyse Warum Microsofts Umsatzwachstum die Märkte nicht überzeugen kann

Das Cloud-Geschäft des Windows-Konzerns wird zum Kerngeschäft. Doch im Konkurrenzkampf mit Amazon erwarten die Märkte inzwischen höheres Wachstums.
Update: 31.01.2019 - 08:37 Uhr Kommentieren
Microsoft: Wachstum von Cloud-Geschäft schwächt sich ab Quelle: Reuters
Quartalszahlen Microsoft

Der Software-Riese steigert seine Gewinne kräftig.

(Foto: Reuters)

San Francisco Ein Umsatz von 32,5 Milliarden Dollar, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von zwölf Prozent: Mit der aktuellen Quartalsbilanz hat Microsoft nur knapp die Erwartungen der „Zahlencruncher“, der Analysten in den Banken und Wertpapierhäuser, verfehlt. Beim Ertrag pro Aktie wurden die Marktprognosen mit 1,10 Dollar, bereinigt um Sondereffekte, sogar leicht übertroffen. Der Nettogewinn im Dreimonatszeitraum beträgt 8,6 Milliarden Dollar – plus 14 Prozent.

Im Gespräch mit Analysten gibt sich Microsoft-Vorstandschef Satya Nadella optimistisch – und trotzig. Jedenfalls hält er mit seinem Unverständnis über die bescheidene Reaktion der Wall Street auf die Microsoft-Zahlen des zweitens Quartals im Geschäftsjahr 2019 hinter dem Berg.

„Die Chancen für unsere Aktionäre waren nie besser, wenn sie an Microsoft denken“, sagte er. Und weiter: „Jedes Unternehmen wird ein digitales Unternehmen, und wenn man diese Chancen mit unseren Fähigkeiten abgleicht, sieht man, dass wir die breiteste Plattform von allen Anbietern haben, das passende Geschäftsmodell, das mit den Interessen unserer Kunden einhergeht, wir haben das Geschäft und das Vertrauen. Wir sind „all in“, wenn es darum geht in die kommerzielle Cloud zu investieren.“

Doch die Microsoft-Aktie, die im regulären Hanel noch kräftig angezogen war, hat nachbörslich – während Nadella redete – zeitweilig alle Gewinne wieder eingebüßt. Auch wenn Microsoft jetzt wieder hauchdünn das zweitwertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt hinter Amazon ist: Offenbar sind die Analysten von den Vorquartalen mittlerweile so verwöhnt, dass die aktuelle Wachstumsrate trotz allem für Ernüchterung sorgt.

Plus 20 Prozent hatte Microsoft mitunter ausgewiesen, und das nehmen die Märkte als Maßstab. Diese Grundhaltung könnte auch für die Aktie des Rivalen Amazon problematisch werden. Dort wird ein Quartalsumsatz von 71,8 Milliarden Dollar erwartet, ein Plus von 19 Prozent. Das wäre mehr Zuwachs als bei Microsoft, aber für Amazon der geringste Zuwachs seit mehr als drei Jahren.

Hinzu kommt, dass die Entwicklung im Cloudgeschäft, dem Bereich, den Nadella so überschwänglich heraushebt, auf hohem Niveau stagniert. Bei der zentralen Cloud-Plattform „Azure“ lag das Wachstum bei 76 Prozent. Das ist beeindruckend, aber ein kräftiger Rückschritt gegenüber dem Wert vom Geschäftsjahr zuvor mit 98 Prozent Plus.

Ob es sich um eine generelle Marktabschwächung oder ein Microsoft-Problem handelt, wird sich erst beurteilen lassen, wenn Amazon die Zahlen seiner Cloud-Tochter AWS vorlegt. Analysten erwarten für die Sparte im Schnitt ein Wachstum von 41 Prozent. Allerdings ist der Marktanteil doppelt so groß wie der von Microsoft. Jeder Wert unter 40 Prozent wäre ein Warnsignal für die gesamte Branche.

Fest steht: Microsofts Zukunft und Wachstum liegt in der Cloud. Der „Intelligent Cloud“-Umsatz, also alles, was für Geschäftskunden rund um Azure angeboten wird, kletterte um 20 Prozent auf 9,4 Milliarden Dollar. In den Zahlen ist allerdings das Ergebnis Azures enthalten, dessen genauen Anteil möchte Nadella nicht herausrechnen.

Privatanwenderprodukte und Geschäftsanwendungen, also Microsoft Office und Dynamics, schnitten zwar mit 10,1 Milliarden Dollar noch besser ab, der Bereich wuchs aber nur um 13 Prozent zum Vorjahr. Star ist hier die Job-Seite LinkedIn mit 30 Prozent Umsatzplus. Dort ist inzwischen auch die Neuerwerbung Github eingegliedert.

„More Personal Computing“, Windows und Surface-Laptops und -Tablets ist weiterhin die größte Sparte mit 13 Milliarden Dollar Umsatz. Das entspricht nur ein Plus von sieben Prozent. Die Surface-Linie hatte laut Nadella das „beste Quartal überhaupt“ mit einem Umsatz von 1,9 Milliarden Dollar.

Doch die Lage erinnert an den Konkurrenten Apple. Dessen Bestseller, das iPhone, trägt noch den Konzernumsatz. Allerdings zeichnet sich ab, dass es im Gesamtgeschäftsmodell mehr Innovation braucht, um die Wachstumsraten der Vergangenheit halten zu können.
Ein Fakt, den die Märkte aus Microsofts Quartalszahlen mitnehmen können: Die Neuausrichtung auf die Cloud als Unternehmensmittelpunkt scheint zu funktionieren. Alle anderen Dienste sind praktisch nur noch Zufahrtswege, von Windows über LinkedIn bis zur Spielekonsole Xbox oder der Dynamics-Businesssoftware. Und auf die Zufahrtswege erhebt Microsoft eine Maut – Geld bringt die Cloud durch Abomodelle auf verschiedenen Kanälen.

Microsoft ist momentan das einzige Unternehmen, das Amazon den Platz des wertvollsten Börsenunternehmens der Welt streitig machen kann. Wer kurzfristig das Rennen macht, wird sich Donnerstagnacht deutscher Zeit entscheiden, wenn Amazon die Zahlen des Weihnachtsquartals vorlegt.

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