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Analyse zum Springer-Funke-Deal Döpfners kalte, digitale Konsequenz

Die am Mittwoch bekanntgegebene Eingliederung der Berliner Boulevardzeitung B.Z. bei der Bild-Gruppe war also nur die Ouvertüre. Mit dem Verkauf von zentralen Unternehmensteilen (u.a. Abendblatt, Hörzu) an die Funke Mediengruppe hat die Axel Springer AG der Branche eine Nachricht beschert, an der sie noch lange zu knabbern haben wird. Es gibt viele Lesarten: Traditionsverrat, Erz-Kapitalismus, Konsequenz, gelebte Digitalisierung, Börsen-Fantasie. Plötzlich ist zu spüren, was der digitale Wandel bedeutet.
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Mathias Döpfner: Der Springer-Chef macht mit der Digitalisierung des Konzerns ernst. Quelle: AFP

Mathias Döpfner: Der Springer-Chef macht mit der Digitalisierung des Konzerns ernst.

(Foto: AFP)

HamburgBei dem aktuellen Megadeal der Medienbranche gibt es zwei Perspektiven: die der Mitarbeiter und die der Konzerne und Finanzmärkte. Nicht wenige Springer-Mitarbeiter beim Hamburger Abendblatt, bei der Berliner Morgenpost, bei der Hörzu, bei TV Digital, bei Bild der Frau sind geschockt. Niemand wird gerne als Alt-Geschäft verkauft. Schon gar nicht an die Funke Gruppe, die den Ruf hat, ihren Laden kaputt zu sparen.

Was bedeutet der Deal für die Verkauften? Der Standort Hamburg hat für Springer keine zentrale Bedeutung mehr. Vielleicht sitzt bald noch das eine oder andere zu gründende Gemeinschaftsunternehmen von Funke/Springer in HH, vielleicht auch nicht. Künftig wird die Axel Springer AG ohne jeden Abstrich ein Berliner Unternehmen sein. Ängste sind in Hamburg natürlich da. Die Funke-Tochter Gong Verlag betreibt bei München bereits eine Gemeinschaftsredaktion für diverse TV-Zeitschriften. Ebenso erscheinen dort bei der WAZ Women Group diverse Frauentitel, zu denen die verkauften Bild der Frau und Frau von Heute gut passen. Wird die Funke Gruppe dauerhaft zwei Magazin-Standorte betreiben? Das darf bezweifelt werden.

Eine Regionalzeitung wie Hamburger Abendblatt oder die Berliner Morgenpost kann man nicht aus der Ferne führen. Wohl aber kann man den Überregionalen von außerhalb beisteuern. Die WAZ hat dafür ihren berühmten Content Desk, der von Essen aus alle NRW-Zeitungen der Funke Gruppe mit überregionalen Inhalten versorgt. Synergien, ick hör dir trapsen.

Die Funke Gruppe hat eine interne Neuordnung hinter sich, die nicht ganz billig war. Früher gehörte die WAZ-Gruppe zu gleichen Teilen den beiden zerstrittenen Familienstämmen Brost und Funke. Anfang 2012 haben Günther Grotkamp und seine Frau Petra, die den Funke-Stamm repräsentieren, die Eigentümer des anderen Stammes ausgezahlt. Für die Finanzierung des 500-Millionen-Deals musste ein Kredit aufgenommen werden. Seitdem steht die neu formierte Funke Gruppe unter enormem Spar-Druck.

Und jetzt muss die Gruppe auch noch den Kaufpreis von 920 Mio. Euro stemmen. Das geht wieder nur mit Krediten. Es ist bezeichnend, dass Springer der Funke Gruppe sogar 260 Mio. Euro leiht, damit diese in der Lage ist, die von Springer ungeliebten Print-Produkte zu kaufen. Damit wären wir nun bei der zweiten Perspektive auf den Mega-Deal, der Konzern-Perspektive.

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11 Kommentare zu "Analyse zum Springer-Funke-Deal: Döpfners kalte, digitale Konsequenz"

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  • Die Entscheidungen, die Herr Döpfner fällen mußte resultiert doch nicht aus irgendwelchen falschen Strategiegedanken, sondern schlicht und alleine daraus, dass der Zeitungsabsatz sinkt. Das liegt aber nicht am Internet, sondern an schlicht uninteressanten Produktem. Eitle Journalisten, die Leute müssten dankbar ihre Ergüsse lesen und dafür Geld bezahlen. Das gibt es aber nur im öffentlich rechtlichen Brereich. Wenn Auflagen sinken liegt das am Inhalt der zeitungen und nicht am Leser oder dem Internet. "Die Zeit" und "Landlust" sind die besten Beispiele mit steigenden Auflagen. Die jetzige Entwicklung ist das Ergebnis von Hybris und Einbildung in den Redaktionen. Auflagenrückgänge sind das Ergebnis schlechter Inhalte und nichts gottgebenes.ber das wird man in den Redaktionen vieler Zeitungen erst verstehen, wenn es kaum noch Zeitungen gibt. Charles Dickens hat eine ganze Zeitung dadaurch am Leben erhalten, dass sein Fortsetzungsroman nur dort erschien und alle Welt sich dehalb die Zeitung kaufte. Und die von allen belächelte "Landlust" hat eine höhere Auflage als der Spiegel.

  • aus heutige Sicht alles RICHTIG gemacht. Springer braucht aber solide Geschwindigkeit, die für DIGITAL nötig ist. Die Verlage in Deutschland sind nicht an "SPEED" gewöhnt

  • Es ist traurig, dass wir in der heutigen geschäftlichen Welt NUR noch umgeben sind von skupellosen Profitgeiern.

    Niemand hat mehr soziales Verantwortungsbewusssein. Wenn es den Gesetzgeber und auch Gewerkschaften nicht gäbe, wären wir allesamt Lakaie und Speichellecker.

    Aber die Tage der Manager und Ausnutzer sind gezählt. Die Welt ist in Bewegung und dann können sie die Beine in die Hand nehmen. Und wenn deren LebensZeit zu Ende sein wird, wartet der Mann mit dem Dreizack. Nix Blumenwiese. Ich freu mich schon drauf. ;-)

  • Der sich stets so musisch gebende "Geisteswissenschaftler" Döpfner erweist sich als knallharter Manager, der wunderbar in die heutige Zeit passt Nix mehr von verlegerischer Vision eines Axel Cäsar mit seinen vier Zielen (u.a. Wiedervereinigung, Aussöhnung mit Israel) Es zählt nur Kohle. Das mag vielleicht kurzfristig gut gehen, langfristig bedeutet das das Ende eines einst großen Verlages (wie immer man auch politisch zu ihm stand).

  • Döpfner kalkuliert richtig. Funke auch. Döpfner macht in Zukunft irgend etwas.Um Geld zu verdienen. Funke macht Zeitungen. Döpfner steht für den zeitweiligen Aufschwung der digitalen Massenarmbanduhr. Sie war IHRER Zeit weit voraus. Die Zeitung wird ein Luxus -und Kulturgut bleiben. So wie die mechanische Uhr.Welche Uhr trägt Döpfner? Die ER sich leisten kann. Mit Sicherheit.Das Format eines Nicolas Hayek wird er trotzdem zu keiner Zeit erreichen. Die Zeit der engagierten Springer Mitarbeiter ist deshalb leider abgelaufen. Ein Drucker des Konzerns.

  • Die Sanierer der WAZ Gruppe machen es sich zu einfach als Mehrfachverwerter ihrer Blätter den Kunden für "Blöd" zu verkaufen!Aber mit Bodo Hombach hat man genau die gestalten die fürs Grobe eingesetzt werden.

  • wahrscheinlich war der Verkauf von den Marken ganz clever (Die hb Redaktion wird das wohl besser einordnen können als ich). Die Printmedien sind alle unter Druck, weltweit (Das spüren u.a. auch Druckmaschinenhersteller). Das ist ein End-Game, was außerdem sehr sehr lange dauert.
    Klar mit zuviel Geld in der Tasche können CEOs auch ganz super dieses in den Sand setzen. Nur weil der Zeitpunkt eines Disinvestment günstig war, heißt dies nicht das eine Investition sehr clever sein müssen. Eigentlich wäre es besser wenn Springer eine Sonderdividende zahlt.

  • @esistheissmatzeauch,

    "die WAZ gruppe wird noch wurschdeln,.."

    könnte leider stimmen, weil die Merkel dieses Land gerade zu einer BRD-Genossenschaft fast umgebaut hat und der gemeine Michel es immer noch nicht schnallt...

    Echt nicht mehr lustig...

  • die WAZ gruppe wird noch wurschdeln,wenn die axel springer ag schon längst an eine international agierende amerikanische mediengruppe verscherbelt werden mußte,weil der geisteswirtschafter döpfner einmal mehr überteuert einkaufen wird und die gewinne ausbleiben

    wer heute eitel überteuert kauft sät die abschreibungen von morgen

    oder ,wer als pudelfriseur in der wirtschaft startet kann außer föhnen auch bilanzen aufhübschen

    darf ich an PIN erinnern

    es kann auch noch schlimmer kommen,nämlich ,daß sich dann kein käufer mehr findet und die genossenschaft der TAZ,chefdenker und vereinskassierer kalle ruch, den laden billigst aufkauft und aus dem springer hochhaus eine gemüsefarm macht mit angeschlossener fischzucht.

    zur BILD gruppe wird den damen und herrn vom kollektiv auch was einfallen,genießt doch der TAZ genosse rekonvaleszent diekmann,kai im haus rudi dutschke straße 23 zu Xberg welpenschutz

  • Was ich nicht verstehe ist, warum Springer die doch angeblich so unprofitablen digitalen Medien ausbauen will - wir erinnern uns noch an dieses Lobbygeschrei im Zusammenhang mit dem "Leistungsschutz-Gesetz".

    Es ist daher jetzt ungewöhnlich menschenfreundlich, daß Springer sich uns zuliebe voll auf dieses Verlustgeschäft konzentriert, nur um uns den Service zu bieten, uns "qualitätsjournalistisch" zu informieren.
    Wirklich schön, daß es noch so selbstlose Unternehmer in diesem Land gibt!

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