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Analyse zum WDR-Intendanten Aufregung um „Umweltsau“-Song: Die Sendestörungen des Tom Buhrow

Am 1. Januar übernimmt der WDR-Chef den Vorsitz der ARD. Doch mit den Krisen im eigenen Haus wie dem Satirelied des WDR-Kinderchors wirkt Buhrow vielfach überfordert.
30.12.2019 - 19:04 Uhr 5 Kommentare
Bei den 4400 Mitarbeitern des WDR pendelt die Stimmung zwischen Frustration und Kampfgeist. Quelle: Maurice Kohl für Handelsblatt
Tom Buhrow

Bei den 4400 Mitarbeitern des WDR pendelt die Stimmung zwischen Frustration und Kampfgeist.

(Foto: Maurice Kohl für Handelsblatt)

Wien Die wichtigste Entschuldigung in seiner Karriere als WDR-Intendant kommt für Tom Buhrow zur Unzeit. Denn kurz vor der Übernahme des ARD-Vorsitzes musste der 61-Jährige einen gewaltigen Shitstorm über sich ergehen lassen.

Ein satirisches Lied des WDR-Kinderchors mit dem Titel „Oma – eine Umweltsau?“ hatte Gebührenzahler gegen ihn aufgebracht; vor allem die Älteren, Stammpublikum des Senders, waren erbost. „Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber“, teilte er den Hörern von WDR 2 mit, um die Wogen zu glätten, doch da hatte sich die Empörungswelle schon aufgebaut.

„Staatsfunk indoktriniert Kinder und hält es für Satire“, hieß es etwa auf Facebook. Sogar der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) meldete sich mahnend zu Wort, und vor dem Kölner WDR-Gebäude kam es zu Demonstrationen.

Der Vorgang um die verunglückte Umweltsatire ist mehr als eine Peinlichkeit für den früheren Moderator der „Tagesthemen“, der die größte Rundfunkanstalt der ARD seit 2013 führt. Der Fall zeigt, wie wenig der WDR-Chef sein eigenes Haus im Griff hat. Und das ausgerechnet jetzt: Mit dem Jahreswechsel löst Buhrow den Intendanten des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, als Vorsitzenden des Senderverbundes ARD ab.

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    Immer wieder geriet der WDR-Intendant in den Strudel interner Probleme. Wie schlecht es um die Unternehmenskultur beim WDR steht, zeigt etwa die viel zu späte Aufarbeitung sexueller Belästigungen. Der Spruch „Ich bringe die Liebe mit“, mit dem er einst als WDR-Chef angetreten war, brachte ihm im Nachhinein beißenden Spott ein.

    Auch als Finanzmanager steht Buhrow vor ungelösten Problemen. Im Haushaltsplan des Senders klafft ein Fehlbetrag von mehr als 88 Millionen Euro – und das bei Erträgen von 1,4 Milliarden Euro. Zudem wird die Sanierung des Filmhauses in Köln immer teurer; die Kosten sind dort von ursprünglich 65 auf 240 Millionen Euro explodiert. Der Verdruss über die Verschwendung von Gebührengeldern ist groß, wenn auch ein Vertrauter des Intendanten betont, dass Buhrow mit dem Filmhaus-Fiasko einen Fehler seiner Vorgängerin ausbaden müsse.

    Kreative Stagnation beim WDR

    Bei den 4400 Mitarbeitern des WDR pendelt die Stimmung zwischen Frustration und Kampfgeist. Die Atmosphäre wird künftig kaum besser werden, denn WDR und ARD müssen sparen. „Buhrow baut allein 2020 weitere 150 Jobs ab“, sagt ein Insider. „Das sorgt natürlich für schlechte Stimmung.“ Dennoch verteidigt er den Intendanten: „Kein anderer in der ARD zieht so konsequent einen Sparkurs durch. Seine Vorgängerin hatte darauf keine Lust.“ Er sei ein „Reformer“, lasse sich vom Widerstand in den eigenen Reihen nicht beirren.

    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist seit der Umstellung der früheren Gerätegebühr auf eine Haushaltsabgabe im Jahr 2013 – dem Dienstantritt von Buhrow als WDR-Intendant – verschärfter Kritik ausgesetzt. Viele Bürger sehen nicht ein, lebenslang zahlen zu müssen, wenn sie das Angebot von ARD und ZDF kaum noch nutzen.

    Das Durchschnittsalter des WDR-Publikums liegt deutlich über 60 Jahre. Einst war der WDR in der ARD ein Motor für Innovationen; Sendungen wie „Hart aber fair“ von Frank Plasberg, „Bio‘s Bahnhof“ oder „Lindenstraße“ erzielten hohe Einschaltquoten und setzten Maßstäbe. „Uns ist die Innovationskraft abhanden gekommen“, sagt ein WDR-Insider.

    Heute herrsche vor allem kreative Stagnation. Leuchttürme gibt es zwar immer noch, so ist der „Tatort“ aus Münster mit Alex Prahl und Jan Josef Liefers in den Hauptrollen mit Abstand der quotenstärkste in der ARD, doch er ist eine Ausnahme.

    Als ARD-Vorsitzender wird Buhrow vor allem die Existenzberechtigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im 21. Jahrhundert erklären müssen. Vorgänger Ulrich Wilhelm hat mit seiner These, die ARD sei mit ihren Inhalten wichtig für die freiheitliche Demokratie im digitalen Zeitalter, gute Vorarbeit geleistet. Doch um Vertrauen aufzubauen, muss Buhrow zunächst einmal die Probleme beim WDR in den Griff bekommen.

    Mehr: Ehemaliger WDR-Intendant Fritz Pleitgen im Interview: „Die Meinungsvielfalt gerät in Gefahr“

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    5 Kommentare zu "Analyse zum WDR-Intendanten: Aufregung um „Umweltsau“-Song: Die Sendestörungen des Tom Buhrow"

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    • In Deutschland wurde und wird vieles privatisiert. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten sollten endlich ebenfalls abgewickelt und privatisiert werden.

    • Wer sowas als Satire versteht, ist genauso schlimm wie der Verfasser dieses "Songs" - Das hat im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk nichts zu suchen. Da werden Kinder instrumentisalisiert, die in diesem Alter den Text und dessen Bedeutung wohl kaum verstehen können. Wahrscheinlich hat Herr Falk recht, der dies als gezielte Provokation sieht.

    • Satire war das nicht sondern eine gezielte Provokation in Richtung einer Generation, die dieses Land aufgebaut hat als Nachfogegeneration der sog. Trümmerfrauen, die es noch mal schwerer hatten, als die Omis von heute zwischen sechzig und achzig , welche jetzt z.T. gezwungen sind als Flaschensammler ihre Rente aufzubessern.
      Arroganz gepaart mit Anmaßung und Instrumentalisierung von Kindern. Die Ökostalinisten kennen ihre Mittel und sind bereit sie skrupellos einzusetzten.

    • Hier geht es nicht um Aufregung sondern um die Hetze gegen ältere und die Indoktrination von Kindern, also Kindesmißbrauch in einem schweren Fall. Da braucht es mehr als eine scheinheilige Entschuldigung, da braucht es Taten gegen die Urheber. Satire darf eben nicht alles! Es hat auch überhaupt nichts mit Pressefreiheit zu tun, sondern mit Verunglimpfung .
      Das was der Chor sang „Oma = Umweltsau“ war keine Satire und war auch nicht als Satire gemeint.
      Der freie WDR Mitarbeiter, Danny Hollek, hat auf Twitter dann den vom WDR kritisierten Song-Text umgedichtet und noch eine Abartigkeit drauf gesetzt, und zwar "Oma ist eine NAZI-SAU". Das ist eine Verunglimpfung älterer Menschen. Die heutigen Omas und Opas können keine Nazis gewesen sein, um das zu verstehen reichen die Grundrechenarten aus, wenn man diese denn kann. Das ist mehr als ungeheuerlich. Hat der WDR die Zusammenarbeit mit Hr. Hollek aufgekündigt und ihn zur Persona non grata erklärt hat? Dieser Text war vom WDR voll beabsichtigt, nur über die Reaktion darauf war man etwas überrascht, deshalb wird als Augenwischerei etwas zurück gerudert mit einer fadenscheinigen Entschuldigung und zu Hr. Hollek schweigt der WDR.
      Dass die Kinder für politische Zwecke missbraucht werden zeigt auch die Aufführung 2018 im NDR mit dem Text: „Fick die Cops, sie sind Bullenschweine“. Produziert wurde dieses Machwerk von funk. Laut Wikipedia ist funk ein deutsches Online-Medienangebot und Content-Netzwerk der ARD und des ZDF für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren.
      Wer aber wie jetzt gegen solche ungeheuerliche Hetze, Aufhetzung jung gegen alt und Missbrauch von Kindern sich wehrt, äußert, oder gar demonstriert, ist natürlich für diese Links-Grüne-Faschisten sofort Rechtsradikal. Also wirklich bereuen tun die nichts, warum auch, war ja volle Absicht.
      Der ÖR-Rundfunk wird mit Zwangsgebühren finanziert zum Hort für Links-Grüne-Stalinistische Agitation und Propaganda. Abschaffung der Zwangsgebühren für die ÖR

    • Die Entschuldigung von Tom Buhrow für ein satirisches überhöhtes Kinderlied ist einfach nur peinlich. Er knickt vor den Leuten ein, die doch nur jede noch so absurde Argumentation vorschieben, um gegen den ÖRR zu hetzen, weil sie Angst vor einer kritischen Presse haben und die am liebsten sehen würden, wenn der ÖRR jeden noch so dämlichen Stuss einfach nur unkommentiert verbreiten würde.

      Das war ein ganz schwacher Auftritt von Buhrow.

      Als Leiter einer von der Öffentlichkeit finanzierten Institution macht man das nicht. Im Gegenteil. Wer Satire nicht versteht, oder wie hier nicht verstehen will, könnte mir als WDR Intendant den Buckel runter rutschen.

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