Android-Alternativen Die Google-Quälgeister

Es ist ein Ärgernis für Google: Firmen wie Xiaomi und Cyanogen nutzen Android, um eigene Betriebssysteme zu entwickeln – ohne die Dienste des Internet-Riesen. Auch dessen Rivale Microsoft zeigt Interesse.
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Zahlreiche chinesische Elektronikhersteller bauen Google Betriebssystem für ihre eigenen Zwecke um. Quelle: AFP
Konkurrenz für den Google-Androiden

Zahlreiche chinesische Elektronikhersteller bauen Google Betriebssystem für ihre eigenen Zwecke um.

(Foto: AFP)

BarcelonaEs fing an als Spielerei – und könnte zu einer großen Gefahr für Google werden.

Das Start-up Cyanogen entwickelt ein Betriebssystem, das Android Konkurrenz machen soll. Die Programmierer nutzen dafür die Software des Internet-Konzerns, nicht aber dessen Smartphone-Apps für Suche, Navigation oder E-Mails.
„Wir versuchen, Google Android wegzunehmen“, dröhnte kürzlich Firmenchef Kirt McMaster. Von diesen Ambitionen ist Cyanogen zwar noch weit entfernt, doch der Mobile World Congress in Barcelona zeigt, dass der Riese den Zwerg ernst nehmen sollte.

Cyanogen will Google mit seiner eigenen Waffe schlagen. Möglich ist das, weil Google den Kern seines Betriebssystems nach dem Open-Source-Prinzip zur Verfügung stellt – jeder darf den Quellcode kostenlos nutzen und für seine Zwecke anpassen. Der Konzern wollte so in den Anfangstagen von Android Verbündete gewinnen, etwa Netzbetreiber und Gerätehersteller. Ironischerweise fördert er damit jetzt auch seine Gegner.

Cyanogen ist nicht die einzige Firma, die ein Android ohne Google entwickelt. Zahlreiche chinesische Elektronikhersteller bauen das Betriebssystem ebenfalls für ihre eigenen Zwecke um. Im vierten Quartal 2014 lief nach Einschätzung des Marktforschers ABI Research auf 22,5 Prozent aller verkauften Smartphones so eine Variante, darunter die Geräte des Shooting Stars Xiaomi. Der größte Konkurrent für Android ist wieder das Apple-Betriebssystem iOS noch Windows, sondern Android selbst.

So schmeckt Googles Lollipop
Vorstellung von Android Lollipop
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Die Lutscher auf dem Tisch sind kein Zufall: Google benennt die Android-Versionen nach Süßigkeiten. Nach Kitkat kommt nun Lollipop. Der Konzern stellte das Update Ende Oktober vor, nun steht es für immer mehr Geräte zur Verfügung.

Android-Tablet Nexus 9
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Die meisten Nutzer können das Update nicht selbst aufspielen – die Gerätehersteller müssen die Software in der Regel erst anpassen. Eine Ausnahme sind die Nexus-Geräte, die Android pur. Von vornherein mit Version 5.0 ausgeliefert wird etwa das Tablet Nexus 9, das HTC im Auftrag von Google herstellt...

Vorstellung des Nexus 6
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... sowie das Nexus 6 von Motorola. Nutzer anderer Geräte mussten dagegen Geduld haben, die Hersteller brauchten etliche Wochen, um die Software anzupassen. Anfang Februar lief Version 5.0 laut einer Google-Statistik nur auf 1,6 Prozent aller Android-Smartphones.

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Schlicht und aufgeräumt: Google hat mit Android 5.0 eine neue Designsprache eingeführt – das Unternehmen spricht von „Material“-Design.

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Die klaren Formen des Designs – hier in der Kalender-App – sollen sich durchs ganze Betriebssystem ziehen und künftig auch in den Apps anderer Entwickler zu finden sein.

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In den Google-Apps ist das neue Design bereits in Reinform zu sehen – hier der Taschenrechner.

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Benachrichtigungen sind in übersichtlichen Kacheln auf dem Sperrbildschirm zu sehen. Mit einer Fingergeste öffnen Nutzer ihr Adressbuch oder starten die Kamera. Der Sperrbildschirm lässt sich allerdings nicht mehr mit Widgets frei gestalten.

„Android dient zunehmend als Baustein für Ökosysteme“, sagt der Analyst Geoff Blaber vom Marktforscher CCS Insight. Das gelte besonders für China, wo viele Angebote des Internetgiganten verboten seien und somit auch niemand die Suchmaschine oder Google Maps vermisse. Xiaomi ist mit einem Selbstbau-Android sogar Marktführer geworden. Investoren taxieren den Wert des vier Jahre jungen Unternehmens auf 45 Milliarden Dollar. Auch Amazon nutzt für seine Smartphones und Tablets den offenen Android-Kern.

Von einer Milliardenbewertung ist Cyanogen noch weit entfernt. Die Firma ging vor zwei Jahren aus einem Projekt hervor, in dem ehrenamtliche Entwickler Android um- und aufrüsten – Nutzer können die Software mit etwas Mühe auf ihrem Smartphone selbst installieren. Die Cyanogen-Macher wollten es jedoch nicht bei der Bastler-Version belassen. „Unser Ziel ist es, die Software von vornherein auf die Geräte zu bekommen“, sagt Kondik. Also gründeten er und sein Kompagnon Kirt McMaster die Firma Cyanogen Inc.

Ihr Verkaufsargument lautet: mehr Freiheit. „Google macht großartige Sachen, hat aber sehr strikte Vorgaben, wie die Software aussehen und funktionieren muss“, sagte Kondik dem Handelsblatt. So müssten Hersteller Apps wie die Suche oder den Kartendienst an prominenter Stelle auf dem Bildschirm platzieren. Der Konzern habe die Regeln zuletzt immer mehr verschärft. „Früher war Android offen, heute geht es mehr um die Google-Dienste als um alles andere.“ Bei Cyanogen OS, so verspricht Kondik, gebe es keine Hintergedanken. „Es geht um all die Dinge, die den Nutzer interessieren: mehr Sicherheit, mehr Datenschutz, mehr Leistung.“

Gleichzeitig haben Gerätehersteller und App-Entwickler direkten Zugriff aufs System. Sie können etwa Daten aus den Sensoren auslesen und die Komponenten des Gerätes direkt ansteuern – bei Android ist das Google vorbehalten. Ein Beispiel: Die Musikspezialisten der Firma Maxx Audio haben eine Cyanogen-Anwendung entwickelt, die den Klang des Smartphones verbessert, indem sie die Umgebung überwacht und den Ton für den jeweiligen Lautsprecher anpasst.

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