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Eugene Kaspersky

Der Chef von Kaspersky ist stolz, dass sein Unternehmen ein eigenes Datenzentrum in der Schweiz eröffnet hat.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

Antivirensoftware Kaspersky nutzt die Schweiz als sicheren Datentresor

Die Nähe zu Russland brachte den Antiviren-Spezialisten unter Spionageverdacht. Jetzt wirbt Kaspersky mit einer „Transparenzoffensive“ um Vertrauen.
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ZürichVon außen sieht der Glasbau wie jedes andere Bürogebäude aus. Dass es sich um einen Tresor handelt, zeigt sich erst im Inneren: Wachleute kontrollieren jeden Besucher, bei einem Feuer werden die Räume mit Löschgas geflutet, und bei einem Stromausfall springen Dieselgeneratoren ein. Doch gelagert werden in dem Hochsicherheitsbau weder Geld noch Gold, sondern Daten.

In dem Datenzentrum in der Nähe des Züricher Flughafens hat sich die Antivirenfirma Kaspersky eingemietet, um hier Dateien der europäischen Kundschaft zu speichern – ein Novum in der Branche. „Ich bin stolz, dass wir die erste Firma sind, die diesen Schritt geht“, sagte Firmenchef Eugen Kaspersky vergangene Woche bei der Vorstellung seiner „Transparenzinitiative“ in Zürich.

Doch den Schritt geht sein Unternehmen nicht ganz freiwillig: Vergangenes Jahr fand sich Kaspersky mitten in einem Spionage-Thriller wieder. Wegen der angeblichen Nähe zum russischen Geheimdienst hatten mehrere Staaten ihren Behörden die Nutzung der Kaspersky-Software verboten.

Kaspersky bestreitet die Vorwürfe und will mit dem Umzug in die Schweiz für mehr Transparenz sorgen – doch ganz ausräumen lassen sich die Bedenken wohl nicht.

Mit einem Umsatz von rund 700 Millionen US-Dollar zählt Kaspersky zu den namhaften Spielern in der Cybersicherheitsbranche. Kaum ein Unternehmen kommt heutzutage ohne Antivirensoftware aus. Doch die Programme können selbst zum Sicherheitsrisiko werden. Denn um Viren zu entdecken, benötigen sie weitreichende Zugriffsrechte. Stoßen sie auf eine verdächtige Datei, dann wird diese häufig zur Überprüfung an den Hersteller geschickt.

Laut einem Bericht der „New York Times“, der sich auf anonyme Regierungsquellen bezog, soll sich das der russische Geheimdienst zunutze gemacht haben. Hacker sollen an Informationen der National Security Agency (NSA) gelangt sein, die ein Mitarbeiter auf seinem Privatrechner gespeichert hatte. Dieser sei mit Kaspersky-Software geschützt worden. Kaspersky weist die Vorwürfe nachdrücklich zurück.

Schweiz ist neutral

Jetzt will der Hersteller zeigen, dass er nichts zu verbergen hat, und baut auf die Schweiz. Ausgerechnet das Land, das jahrelang mit der Verteidigung des Bankgeheimnisses den Ärger der Nachbarn auf sich zog, soll mehr Transparenz ermöglichen. „Wir haben ein Land gewählt, das für große Sicherheit steht und politisch neutral ist“, begründet Kaspersky-Europachefin Illijana Vavan die Wahl.

Früher hätten die Menschen ihr Geld in das Alpenland gebracht. „Heute sind es die Daten.“ Dabei räumt die Managerin ein, dass es für Hacker technisch keinen Unterschied macht, ob sie einen Computer in Russland oder in der Schweiz attackieren.

Es gehe eher um Politik und auch um Emotionen. „Was aus Russland oder China kommt, gilt als verdächtig. Wir sehen das natürlich anders, aber uns glaubt man das nicht“, sagt Vavan. Deswegen habe man die Schweiz als neutralen Standort für das Datenzentrum gewählt.

Hauptsitz des Unternehmens bleibt aber Russland, wo die Kaspersky-Software auch entwickelt wird. Firmenchef Eugen Kaspersky führt dafür pragmatische Gründe an: Russische Softwareingenieure seien die besten, und die russischen Cyberkriminellen seien die schlimmsten. „Wir können als Erste die hochprofessionelle Cyberkriminalität beobachten, weil russische Cyberkriminelle sich als Erstes russische Opfer suchen“, so Kaspersky.

Zudem sei die Produktion in Russland günstiger: „Für das Gehalt, das ein Softwareentwickler in der Schweiz verlangt, können Sie in Russland fünf Entwickler anstellen.“

BSI begrüßt den Schritt

Das Datenzentrum ist nur ein Baustein der Initiative. So soll eine internationale Wirtschaftsprüfungsfirma die Entwicklungsprozesse von Kaspersky unter die Lupe nehmen. Später soll die Software auch in der Schweiz zusammengesetzt werden. Zudem erhalten Aufseher in einem eigenen Transparenzzentrum in Zürich Einblick in den Programmiercode der Software.

Das Transparenzzentrum sei ein Signal dafür, dass Kaspersky die Rechte seiner Kunden sowie das neue europäische Datenschutzrecht offenbar ernst nehme, heißt es beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). „Dies ist grundsätzlich zu begrüßen“, sagt ein Sprecher.

Das BSI sei in die Pläne aber bislang nicht eingebunden. „Die Initiative ist ein richtiger erster Schritt“, sagt auch Jan-Peter Kleinhans von der Berliner Stiftung Neue Verantwortung. Doch der Beweis, dass sich so tatsächlich das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen lasse, stehe erst noch aus.

Pikant: Um verdächtige Dateien auf neue Viren zu untersuchen, können die russischen Kaspersky-Mitarbeiter auf die Server in der Schweiz zugreifen. Diese Zugriffe müssten jedoch genehmigt und protokolliert werden, hieß es bei der Transparenz-Show in Zürich.

Bei einem IT-Manager aus Deutschland, der den „Transparenzgipfel“ besucht hat, bleiben Zweifel. So sei es etwa für Aufseher so gut wie unmöglich, den kompletten Programmcode der Antivirensoftware auf versteckte Hintertüren zu durchsuchen, zumal die Programme alle paar Tage aktualisiert würden. „Wenn ein Geheimdienst wirklich Zugang zu den Daten haben möchte, bleiben ihm dazu viele denkbare Einfallstore.“

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