Apple fährt Staranwalt gegen FBI auf „Das öffnet die Büchse der Pandora“

Apple macht ernst und heuert im Kampf gegen das FBI einen der berühmtesten Anwälte Amerikas an. Die Fronten sind verhärtet, es kommt zum Showdown vor Gericht. Morgen sind landesweite Proteste vor Apple-Stores geplant.
Update: 22.02.2016 - 15:56 Uhr 23 Kommentare
Apple kämpft gegen eine gerichtliche Anordnung – und das FBI. Quelle: dpa
Gesperrtes iPhone 6

Apple kämpft gegen eine gerichtliche Anordnung – und das FBI.

(Foto: dpa)

San FranciscoTed Olson ist der letzte, den Barack Obama gegen sich haben will: „Apple kann nicht einfach unsere Bürgerrechte aufgeben“, beschwor der Apple-Staranwalt am Samstag im US-Sender ABC. Der High-Tech-Konzern dürfe nicht für das FBI die Sicherheit der iPhones aufweichen. „Das öffnet die Büchse der Pandora.“

Landauf, landab warteten Gerichte nur darauf, Apple mit Beschlüssen zu überziehen, um Einblick in iPhone-Speicher zu erhalten. „Wenn die Regierung jetzt siegt, gibt es keine Grenzen mehr für das, was sie von Apple fordern kann.“ Eine Einschätzung, die Apple-Kunden auf der ganzen Welt aufhorchen lassen sollte.

Wenn Olson spricht, dann wird zugehört. Der konservative Republikaner gilt als der juristische Pitbull unter den Verteidigern der Bürgerrechte. Besonders „free speech“, das Recht auf freie Meinungsäußerung, liegt ihm am Herzen. 2000 half er George W. Bush einen Prozess gegen Al Gore zu gewinnen, der ihm die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten sicherte. Legendär ist sein Sieg im Fall „Citizens United v. Federal Election Commission“, an dessen Ende Geld als freie Meinungsäußerung akzeptiert wurde.

Das revolutionierte die gesamte US-Wahlkampffinanzierung und das sehr zum Missfallen von Barack Obama. Doch Olson verkörpert nicht den typischen Republikaner: Er kämpfte auch die „Proposition 8“ in Kalifornien nieder, die die gleichgeschlechtliche Ehe verbieten sollte.

Jetzt streitet der 75-Jährige aus den Büros der Washingtoner Anwaltsfabrik Gibson, Dunn & Crutcher heraus für die kalifornische Ikone Apple. Damit steht er an der Seite von Apple-Chef Tim Cook, Google-Chef Sundar Pichai, aber auch von „Whistleblower“ Edward Snowden im Kampf gegen das FBI. Die Bundespolizei will Apple zwingen, die Sicherheitsvorkehrungen eines ganz bestimmten iPhones eines getöteten Terrorverdächtigen auszuhebeln, was den Strafverfolgern die Möglichkeit geben würde, das Gerät zu entsperren.

So erschweren Sie den Datensammlern die Arbeit
Schutz gegen die Sammelwut
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Wer sich im Internet bewegt, hinterlässt beinahe zwangsläufig digitale Spuren. Viele Dienste im Netz sammeln Daten über ihre Nutzer – allen voran der Internetgigant Google. Was mit diesen Daten alles angestellt wird und wo sie wie lange gespeichert werden, lässt sich meist nicht nachvollziehen. Doch ein gewisser Schutz gegen die Sammelwut der Datenkraken ist durchaus möglich.

Logins
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Bei aktivem Login ins Google-Konto ist die Datensammlung besonders einfach. Deswegen sollte man sich nur anmelden, wenn es wirklich nötig ist. Das gilt auch für Logins bei anderen Diensten wie etwa Facebook.

Tracker und Cookies
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Die Verfolgung durch Tracking-Dienste und die Identifikation des Rechners durch Cookies lässt sich einschränken. Dabei helfen die richtigen Browser-Einstellungen im Bereich „Datenschutz“ sowie Add-ons wie „BetterPrivacy“, „Privacy Badger“, „Ghostery“ oder „Disconnect“. Sie lassen sich in den Browsern Firefox und Chrome installieren.

Dass Chrome von Google stammt, ist dabei kein Widerspruch. Der Browser lässt zahlreiche Erweiterungen zu, die vor übertriebener Datensammelei schützen.

Internetsuche
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Die Google-Suche ist der Marktstandard. Allerdings fließen alle Sucheingaben und Klickauswertungen in den Datenschatz des Unternehmens. Es gibt aber zahlreiche Suchdienste, die keine Eingaben ihrer Nutzer speichern oder auswerten, etwa die deutschsprachige Meta-Suchmaschine „OneSeek.de“. Weitere Angebote sind etwa „startpage.com“, „ixquick.com“, „metager.de“ oder „duckduckgo.com“.

Alternativen nutzen
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Für so ziemlich alle Dienste gibt es im Netz mehrere Alternativangebote. Einige davon sind nicht kommerziell wie etwa der Kartendienst „OpenStreetMap“ statt Google Maps, Preisvergleichsportale sind eine Alternative zum Shopping-Dienst des Internetriesen. Kostenlose Übersetzungen ohne Datensammlung liefern etwa „leo.org“ oder „dict.cc“.

Apple widersetzt sich der Anweisung, die Regierung Obama in Form des Justizministeriums will sie durchboxen. Das FBI habe „volle Rückendeckung des Präsidenten“ lässt das Weiße Haus wissen. Bis zum 26. Februar hat Tim Cook Zeit, dem Gericht eine formelle Antwort zu übermitteln. In einem offenen Brief hat er bereits seine Zweifel angedeutet. Die Ablehnung der gerichtlichen Aufforderung - und damit der Gang durch die juristischen Instanzen - scheint kaum noch zu verhindern.

„Wir sollten den Terroristen den Sieg nicht gönnen“
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23 Kommentare zu "Apple fährt Staranwalt gegen FBI auf: „Das öffnet die Büchse der Pandora“"

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  • Ich bin ein wenig irritiert. Bisher war ich der Ansicht, daß das FBI einen Generalschlüssel von Appel haben wollte, mit dem generell Zugriff auf die Daten von Mobilgeräten durch das FBI möglich sein soll.

    Den Artikel verstehe ich jetzt so, daß man nur Zugriff auf dieses eine Handy habe möchte.

    Einen Generalschlüssel für irgend eine staatliche Organisation muß man natürlich grundsätzlich ablehnen. Aber was spricht gegen den Zugang zu diesem eineindeutig definierten Handy, vorausgesetzt es liegt ein gerichtlicher Durchsuchungsbeschluß vor. Ich vergleiche dies mit einer Hausdurchsuchung, wenn ein entsprechender richterlicher Beschluß vorliegt.

    Und warum bitte per Fernzugriff? Das Handy wir nach Beschluß durch Apple geöffnet und dann kann das FBI dieses durchsuchen, wie es eine Wohnung nach einem Beschluß durchsuchen kann. Das betrachte ich auch als ganz normalen Vorgang im Rahmen von Ermittlungen.

    Wer kann mir die Diskrepanz zwischen allgemeinem Zugang und Zugang auf ein definiertes Handy nach Gerichtsbeschluß mal kurz lösen.

  • @Annette Bollmohr

    Ist der „Staat“ (bzw. seine Institutionen) für die Bevölkerung da sind oder ist es umgekehrt??!"

    das läßt sich ganz einfach beantworten:

    Wir Bürger sind der Staat. Politiker sind nur die Repräsentanten des Staats - also von uns. Und da wir mit unserem (richtig: UNSEREM !!!) Steuergeld bezahlen, haben sie gefälligst unsere Interessen zu verfolgen und nicht eigene / die irgendwelcher Lobbyisten.

    Leider ist das vollkommen in Vergessenheit geraten

    "Wir sind doch nicht im Kindergarten!!!"

    Doch, genau dort sind wir mittlerweile angekommen.


  • "Wir sind doch nicht im Kindergarten!!!"

    Sicher sind wir das. Denn rund 90% der deutschen Bevölkerung wird nun im März und im Jahre 2017 ihre Verantwortung an ein Parteienoligopol per Kreuzchenmachen abgeben, welches bereits in der Vergangenheit seine Unfähigkeit und Volksferne X-fach unter Beweis gestellt hat. Wer also wieder sein Kreuzchen bei der X-Partei macht und sich hinterher wundert, dass sich die Politik nicht ändert, der ist doch wirklich als infantil zu bezeichnen.

  • @Herr Caruso

    Schon klar, Frau Klöckner und ihre Unterstützer betreiben eine Art Doppelstrategie, die jetzt immer mehr daraus hinausläuft eine Art Alternative zu Frau Merkel aufzubauen. Natürlich ist die Angst um verloren gehende Abgeornetenmandate eine starke Motivation, wenn auch nicht die einzige.

    Merkel hat sich vollständig vom Wohlwollen des Herrn Erdogan abhängig gemacht, das kann in diese Hose gehen. Für diesen Fall steht Frau Klöckner in der Reserve.


  • Dieser Streit wirft mal wieder folgende Frage auf, die im Interesse des gesellschaftlichen Friedens ganz dringend geklärt werden müsste:

    Ist der „Staat“ (bzw. seine Institutionen) für die Bevölkerung da sind oder ist es umgekehrt??!

    Da es durchaus zum Thema passt, zu meiner Anmerkung in dem Kommentar zum HBO-Artikel „Das jähe Ende von Merkels geordneter Welt" (vom 18.02.16):
    „Ich nehme ihr zwar ab, dass sie (ganz im Gegensatz zu den meisten Politikern, allen voran Putin und Erdogan) wirklich die besten Absichten hat, aber ich fürchte, sie hat sich ganz einfach übernommen.“
    nachfolgende Ergänzung:

    Egal, ob es sich hier um beste, menschenfreundliche Absichten (gepaart mit Überlastung und und einem gehörigen Schuss „Betriebsblindheit“), um Fahrlässigkeit oder gar um eigennützige Motive und mutwilliges Hinwegsetzen über die Interessen anderer handelt:

    Wenn es soweit kommen kann, dass man sich von menschenverachtenden Despoten wie Erdogan, Putin, Assad, den Saudis (u.v.a.m.) erpressen lassen muss, hat man sich jedenfalls gründlich verrannt.
    So oder so: Ich will nicht über die Absichten und Beweggründe von Politikern spekulieren müssen.

    Ich will - s.o. - dass den Bürgern endlich Gelegenheit gegeben wird, über alle sie betreffenden Angelegenheiten selbst zu entscheiden und dafür selbst die Verantwortung zu übernehmen (= die Konsequenzen für mit ECHTER demokratischer Mehrheit getroffene Entscheidungen zu tragen)!!!
    Ein brauchbares Grundgesetz, an das sich ohnehin jeder zu halten hat, die UN-Menschenrechtskonvention und eine elementare Verwaltungsinfrastruktur als Basis haben wir ja schon. Den Rest können die Bürger heute selber machen, und das besser.

    Was jedenfalls gar nicht mehr geht, ist, die Bürger mit den Ergebnissen von auf irgendwelchen „Gipfeln“ oder in Hinterzimmern getroffenen Entscheidungen einzelner (Politiker) zu konfrontieren und es dann ihnen zu überlassen wie sie mit dem ganzen Wust an "Gesetzen" klarkommen.

    Wir sind doch nicht im Kindergarten!!!

  • @ Herr C. Falk
    Die schöne Frau Klöckner bekommt bloß kalte Füße, weiter nichts! Noch vor ein paar Wochen hat sie den Merkel-Kritikern in der CDU empfohlen, "die Klappe zu halten". Erst wenn es um die lukrativen Abgeordnetenmandate eng zu werden droht, werden unsere Politiker plötzlich ganz umtriebig.

  • ich hatte bereits einen ähnlichen Kommentar in "die Richtung" abgegeben.

    Der ist leider nicht mehr auffindbar.......

    Daher meine Zustimmung hier!

    !!!! MERKEL MUSS WEG !!!!

  • "Kommentare wirken"

    Inzwischen ist der besagte Artikel kommentierbar.

    Besten Dank an die Redaktion für schnelle Reaktion.

  • Leider ist der Artikel in dem berichtet wird, dass Julia Klöckner "Tageskontingente " fordert, was Frau Merkel und Herr Altmeier strikt ablehnt, nicht kommentierbar.

    Die Errosion der Union geht in erhöhtem Tempo weiter. Zu dieser Meldug gehört auch, dass die Alternativen in Sachsen Anhalt, die SPD inzwischen hinter sich gelassen haben und ein Prozentpunkt vor dieser Partei umfragemäßig gehandelt werden.

  • Die einzige Frage, die ich mir zu diesem Thema stelle, ist, wie lange es wohl dauern wird, bis Apple seinen Schein-Widerstand aufgeben und einknicken wird.

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