Apple gegen Swatch „Alle guten Uhren sind wirklich in Gefahr“

Nachdem Apple seine Smartwatch vorgestellt hat, wird die Schweizer Uhrenindustrie nervös, Experten warnen vor starker Konkurrenz. Warum namhafte Uhrenhersteller in kürzester Zeit sehr alt aussehen könnten.
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Der Miterfinder der „Swatch“-Uhren warnt davor, die Bedrohung der Uhrenindustrie durch Smartwatches auf die leichte Schulter zu nehmen. Quelle: Reuters
Uhren von Swatch

Der Miterfinder der „Swatch“-Uhren warnt davor, die Bedrohung der Uhrenindustrie durch Smartwatches auf die leichte Schulter zu nehmen.

(Foto: Reuters)

Die 400 Jahre alte Schweizer Uhrenindustrie steht vor einer ernsthaften Bedrohung. Das gilt, wenn der US-Konzern Apple schon in kurzer Zeit 20 bis 30 Millionen Apple-Watches pro Jahr absetzen sollte, wie es Elmar Mock, der Miterfinder der Plastikuhr „Swatch“, derzeit prognostiziert.

Das Alpenland exportierte im vergangenen Jahr 28,6 Millionen Uhren. Die Apple Watch wird ab April zu haben sein, ab 399 Euro für ein Sport-Modell, 649 Euro für eine Mittelklasse-Version und 11.000 Euro für das goldene Spitzenmodell Apple Watch Edition. „Apple wird schnell erfolgreich sein”, sagt der 61-Jährige, der in den Achtzigerjahren an der Entwicklung der enorm erfolgreichen Swatch beteiligt war. Das werde die traditionelle Uhrenindustrie und damit die Beschäftigung in der Schweiz unter großen Druck setzen.

Zwar tasten sich manche Schweizer Marken wie Tissot, TAG Heuer oder Montblanc an den Smartwatch-Markt heran, insgesamt aber habe die Branche die Bedrohung unterschätzt, erklärt Mock: „Alle guten Uhren, die irgendwo zwischen 500 und tausend Franken kosten, sind wirklich in Gefahr“, sagt er. Er sehe eine „Eiszeit“ kommen.

Gegen diese Uhren muss die Apple Watch bestehen
ZenWatch 2
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Asus hat die nächste Generation der ZenWatch vorgestellt. Die Uhr funktioniert mit dem Android-Wear-Betriebssystem, Asus hat wie beim Vorgängermodell aber auch einige eigene Funktionen wie eine Fitness-App eingebaut. Über eine bessere Remote-Camera-Verbindung soll das Sucherbild der Smartphone-Kamera auf der Smartwatch dargestellt werden.
Die Smartwatch besteht aus Edelstahl und kommt in verschiedenen Farb- und Armbandvarianten auf den Markt, die laut Asus individuell zu 18 verschiedenen Varianten kombiniert werden können. Neben klassischem Leder- oder Gummiarmband ist auch ein Armband mit geprägtem Diamantenmuster und Swarovski-Steinen zu haben.
Um auch an kleinere Handgelenke zu passen, gibt es die ZenWatch 2 in zwei Größen: 49 mal 41 Millimeter und 45 mal 37 Millimeter. Wann sie in den Handel kommt und was sie kosten soll, wurde noch nicht verraten.

Apple Watch
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Apple hat den Start seines ersten völlig neuen Geräts seit fünf Jahren ungewöhnlich still eingeleitet. Nur in wenigen Luxusgeschäften sind seit Ende April die Uhren zu haben. Die Apple Watch gibt es in drei Varianten: Sportler-, Standard- und Luxusmodell. Damit sie an kleinen Handgelenken nicht klotzig wirkt, ist die Apple Watch in zwei Größen erhältlich: 38 und 42 Millimeter.

Vector Luna und Meridian
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Vector hat zwei neue Smartwatches vorgestellt, die optisch wenig Ähnlichkeit mit der Konkurrenz haben. Die Modelle Luna und Meridian kommen wie klassische Armbanduhren daher, Luna (im Bild) hat ein rundes Display und Gehäuse, die Meridian ein eckiges. Beide Modelle sollen bis zu 50 Meter Tiefe wasserdicht sein und haben ein Display aus kratzfestem Mineralglas. Die Uhren sind kompatibel mit den Betriebssystemen Android, iOS und Windows Phone und sollen mit Apps und Diensten von Drittanbietern wie IFTTT und Nest zusammenarbeiten. Außerdem sollen die Uhren auch als Fitness-Gadget taugen und beispielsweise Schritte oder den Kalorienverbrauch zählen.

Was die Uhren, die beide zwischen 230 und 400 Euro kosten sollen, von der Konkurrenz aber am deutlichsten unterscheidet, ist die Akkulaufzeit: Die soll statt ein oder zwei Tagen volle 30 Tage betragen. Wie Vector das erreichen will, verrät das Unternehmen allerdings nicht.

Withings Activité Pop
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Wer mit bunten Armbändern und klobigen Smartwatches nichts anfangen kann, sollte einen Blick auf die Withings Activité werfen. Es handelt sich um eine analoge Uhr in schlichtem, elegantem Design, in die auch ein Fitnesstracker eingebaut ist. Die Edel-Variante der Schweizer Uhr mit Lederarmband und Saphirglas schlägt mit fast 400 Euro zu Buche - für schmalere Geldbeutel hat Withings nun eine erschwinglichere Variante präsentiert.

Die Variante Pop ist mit Kunststoffarmband und Mineralglasabdeckung etwas einfacher gehalten. Sie kommt in drei Farben daher und kostet 149,95 Euro. Neben der Zeitanzeige läuft in der rechten Ecke eine Prozentanzeige ab, die nachhält wie viel des selbstgesteckten Aktivitätsziels man bereits erreicht hat. Die Uhr ist über die Health-Mate-App via Bluetooth mit dem iPhone verbunden und kann Lauf- und Schwimmbewegungen erfassen. Eine Android-Variante ist laut Hersteller derzeit noch in Arbeit.

Fitbit Surge
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Die Smartwatch kommt mit einem Touchscreen und acht eingebauten Sensoren ans Handgelenk, darunter ein Herzfrequenzsensor und ein GPS-Sender, mit dem sich zum Beispiel die Laufstrecke abspeichern lässt. Durch die zahlreichen Sensoren sollen sich auch Aktivitäten wie Workouts erfassen und nach ihrer Intensität auswerten lassen. Das LCD-Touchdisplay hat eine Hintergrundbeleuchtung und soll neben der Zeitanzeige eine einfache Navigation durch die Daten, Apps uns Alarme bieten. Neben den Fitness-Funktionen kann Surge Anrufe und Textnachrichten anzeigen. Wer über sein Smartphone Musik hört, soll diese auch über die Smartwatch steuern können. Der Akku hält laut Fitbit bis zu sieben Tage.

Preis: 249,95 Euro. Ab Frühjahr 2015 soll Surge zunächst in Schwarz verfügbar sein, angekündigt sind zudem die Farben Blau und Orangerot.

LG G Watch R
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LG wird auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin die G Watch R vorstellen, eine runde Smartwatch. Die Uhr erinnert optisch an die von Motorola vorgestellte intelligente Uhr Moto 360. Das Zifferblatt ist komplett mit einem Display hinterlegt, im Innern sorgen ein 1,2-Gigahertz-Prozessor, 4 Gigabyte interner Speicher, Kompass und Herzfrequenzsensor für die intelligente Grundlage. Die Uhr ist außerdem staub- und spritzwassergeschützt.

Preis: 299 Euro

Samsung Gear S
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Samsung erweitert seine intelligenten Armbanduhren um eine Anbindung an das Handynetz. Die Gear S-Uhr basiert auf dem hauseigenen Betriebssystem Tizen und kommt ohne Kopplung mit einem Smartphone aus. Über den Mobilfunkchip können Kalender und Benachrichtigungen auf dem aktuellsten Stand gehalten werden. Zudem können Sie mit der Uhr telefonieren. Die Gear S soll im Oktober offiziell auf den Markt kommen, ein Preis ist noch nicht bekannt.

Gemessen an der Stückzahl stammt aus der Schweiz zwar nur ein Bruchteil der weltweit produzierten Uhren, erklärt Rene Weber, Analyst bei der Bank Vontobel. Aber gemessen am Wert bestimmen Schweizer Hersteller mehr als die Hälfte des weltweiten Absatzes. Apple strebe wohl eine ähnliche Position an, sagt Mock, der bei Creaholic arbeitet, einer 1986 gegründeten Beratungsfirma.

Zwar ist „Swiss Made“ zum Qualitätssiegel geworden, trotzdem ist die Uhrenindustrie des Landes keinesfalls unverwundbar. In den Siebziger- und Achtzigerjahren gingen 60.000 Arbeitsplätze verloren, weil die Schweizer Hersteller die Nachfrage nach Quartzuhren von japanischen Herstellern wie Seiko unterschätzt hatten. Der Erfolg der Swatch, einer Plastikuhr für den Massenmarkt, hielt die Fabriken am Laufen und trug dazu bei, dass sich die Branche wieder erholte.

„Es erinnert mich leider zu stark an die Quartzkrise“, sagt Mock, „bis jetzt haben die Uhrenmacher die gleichen Fehler gemacht wie damals. Wir haben viel Arroganz in der Schweizer Uhrenindustrie gesehen in den letzten paar Jahren.“ Die Smartwatch sei als Spielerei abgetan und nicht ernst genommen worden.

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