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ARD-Mitglied BR-Talkshow „Münchner Runde“ unterzieht sich einer Verjüngungskur

Der Bayerische Rundfunk steht wie andere ARD-Sender unter Druck. Die Zuschauerquote der einstigen Erfolgstalkshow geht zurück – nun handelt der Sender.
14.01.2020 - 08:54 Uhr Kommentieren
BR-Talkshow „Münchner Runde“ unterzieht sich einer Verjüngungskur Quelle: dpa
Gebäude des BR

Der Sender will jüngeres Publikum ansprechen.

(Foto: dpa)

Wien Der bayerische Regisseur Rolf Sturm hat derzeit alle Hände voll zu tun. Denn in den Studios eins und drei im Medienvorort München-Freimann wurde fleißig für den Relaunch der wichtigsten Talkshow des Bayerischen Rundfunks (BR), der „Münchner Runde“, geprobt.

Die neue „Münchner Runde“ soll wie eine Torte aussehen, von der ein Stück fehlt. Vier Gäste sitzen um einen runden Tisch mit einer Lücke für den Moderator, der steht. Acht Monitore laufen vor dem schwarzen Hintergrund. „Es ist ein zeitloses, aber modernes Set“, schwärmt Berater Sturm, der das ARD-Mitglied bei der Verjüngungskultur unterstützt.

Premiere ist am kommenden Mittwoch zur Hauptsendezeit um 20.15 Uhr. Dann wird BR-Chefredakteur Christian Nitsche vor die Kameras treten. „Es wird eine völlig neue Optik mit anderen Kameraeinstellungen geben. Die neue ‚Münchner Runde' wird auf dem ersten Blick nichts mehr mit dem Vorgängerformat mit Ausnahme des Inhalts zu tun haben. Es wird sehr frisch, puristisch und besonders sein“, ist Sturm überzeugt.

Für das ARD-Mitglied geht es um sehr viel. Die 24 Jahre alte Talkshow ist ein wichtiges Format für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Bayern. Hier geben sich die Granden der CSU und der Opposition die Klinke in die Hand.

Doch es gibt ein Problem: Bei der „Münchner Runde“ hat die Altersfalle zugeschlagen. Das Durchschnittsalter der Zuschauer betrug zuletzt 73 Jahre – das ist selbst innerhalb der ARD rekordverdächtig.

Thomas Hinrichs, seit sechs Jahren BR-Informationsdirektor, hat der Talkshow daher eine dringend benötigte Verjüngungskur verordnet. „Es geht darum, mit einem neuen, modernisierten Sendungskonzept neue Zielgruppen zu erreichen und insgesamt ein politisch interessiertes Publikum mit der Fernsehsendung selbst, aber auch mit Audio-, Netz- und Social-Media-Aktivitäten noch besser zu versorgen“, sagt der BR-Manager.

„Im linearen Fernsehen erreichen wir wegen der veränderten Mediennutzungsgewohnheiten im Durchschnitt nur noch die Altersgruppe Ü65“, räumt er ein. Die Zuschauerquote der „Münchner Runde“ gilt in der Branche als bescheiden. „Die Quoten waren in der Vergangenheit nicht berauschend“, gesteht BR-Berater Sturm ein. „Die Talkshow hatte nur fünf bis acht Prozent Marktanteil in Bayern erreicht.“

Berichterstattung während und nach einer Sendung

Seit Herbst versucht das ARD-Mitglied die betagte Talkshow in ein „multimediales Debattenformat“ zu verwandeln, so Hinrichs. Beispielsweise können Zuschauer vor der Sendung auf den digitalen Plattformen der Rundfunkanstalt diskutieren. Zudem wird während der Sendung, aber auch danach auf den digitalen Kanälen des BR darüber berichtet.

„Je nach Wochen-Thema werden die Inhalte der Sendung bereits auf mehr als einem Dutzend Verbreitungswegen transportiert“, sagt Hinrichs. Erste Erfolge stellen sich ein: „Mittlerweile erreichen wir im Netz mit dem Wochen-Thema der ,Münchner Runde' sechsstellige Nutzerzahlen, darunter auch User aus den Altersgruppen unter 40 und unter 30“, berichtet der Informationsdirektor.

Der BR steht wie andere ARD-Sender unter Druck. Denn Politiker und der Rundfunkrat als Aufsichtsgremium fordern sie auf, endlich etwas gegen die Altersfalle zu tun. „Ich bin der Ansicht, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk alle Altersgruppen ansprechen muss“, sagte BR-Rundfunkrat und Fernsehproduzent Harald Stocker dem Handelsblatt. Der Vertreter des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) nennt als positives Beispiel, um jüngere Gebührenzahler zu überzeugen, die „News-WG“, ein Informationsformat des Bayerischen Rundfunks auf dem sozialen Netzwerk Instagram.

Die Erfahrungen der Rundfunkanstalt im Netz werden auch Folgen für die Verjüngungskur der prominenten Polit-Talkshow haben. „Die ,Münchner Runde' wird nach der Einführung durch den Moderator künftig sehr viel schneller zur Sache und ins Gespräch kommen. Denn die Sendezeit der Talkshow beträgt weiterhin nur 45 Minuten“, kündigt Berater Sturm an.

Ein vergleichsweise so kurzes Zeitfenster für ein komplexes Thema mit verschiedenen Gästen gilt aber als schwierig. „Es gibt keinen Grund, an der knappen Zeit festzuhalten“, sagt ein Beteiligter im BR. Er schiebt den Schwarzen Peter für die Kürze der Sendung an die Programmplanung.

Nitsche moderiert Talkshow allein

Ein Problem aus der Sicht von Beteiligten stellt die Moderation der „Münchner Runde“ durch BR-Chefredakteur Nitsche dar. Der frühere zweite Chefredakteur von ARD-Aktuell gilt intern nicht als rhetorisches Talent vor der Kamera trotz verschiedener Trainer in der Vergangenheit. „Er bringt eine völlig falsche Körpersprache vor der Kamera“, sagt ein TV-Coach, der mit ihm gearbeitet hat.

Künftig wird Nitsche, ein Zögling von BR-Intendant und Ex-Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, aber die strategisch wichtige Talkshow allein moderieren. Die BR-Moderatorin Ursula Heller wurde von der Chefetage für die zweiwöchentliche „Münchner Runde“ aussortiert.

„Nitsche hat Ursula Heller aus der Sendung gedrückt. Er will es allein machen. Sein Vorbild ist Sigmund Gottlieb“, sagt ein BR-Mitarbeiter dem Handelsblatt. Der frühere BR-Chefredakteur Gottlieb moderierte die Sendung 14 Jahre lang.

Der BR hält trotz hausinterner Kritik an Nitsche fest. „Für jedes Magazin- oder Talkformat ist es von Vorteil, wenn es von nur einem Moderator präsentiert wird. Daher wird Chefredakteur Christian Nitsche die ,Münchner Runde‘ moderieren“, verteidigt BR-Informationsdirektor Hinrichs die Entscheidung. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass gelegentlich auch andere „Presenter“ durch die Sendung führen würden.

Dass die geplante Alleinmoderation von Nitsche nicht von langer Dauer sein wird, davon sind Beteiligte überzeugt. „Heller ist rhetorisch besser und strahlt nicht die Unsicherheit wie Nitsche aus. Das wird nicht lange durchzuhalten sein“, sagt ein Mitarbeiter der „Münchner Runde“.

Die Sendung hatte im August vergangenen Jahres wegen angeblich hoher Beraterverträge für Regisseur Sturm und Robert Altenburger, den früheren ORF-Programmentwickler und Ex-Chefredakteur des österreichischen Privatsenders Servus TV, für medienpolitische Diskussionen gesorgt. In den Reihen des ARD-Mitglieds war von einem Gesamthonorar für die beiden Berater bei der Modernisierung der „Münchner Runde“ von 170.000 Euro die Rede.

BR-Informationsdirektor Hinrichs sagt: „Der BR behandelt Vertragsdetails vertraulich.“ Doch die Summe von insgesamt 170.000 Euro sei „so nicht richtig“. Ob sie darunter oder darüber liegt, wollte Hinrichs damals nicht verraten.

Die Beraterverträge für Sturm und Altenburger beschäftigen unterdessen den Rundfunkrat des ARD-Mitglieds. „Der Rundfunkrat ist mit der internen Prüfung der Beraterverträge für die ,Münchner Runde‘ befasst“, bestätigt BR-Rundfunkrat Stocker dem Handelsblatt. Bis wann ein Ergebnis der hauseigenen Untersuchungen vorliegen wird, konnte der Kontrolleur, der dem Aufsichtsgremium seit einem Jahr angehört, noch nicht sagen.

Wie viel der Relaunch der Talkshow auch mit dem neuen Set und Design am Ende gekostet hat, darüber hüllt sich das ARD-Mitglied auf Anfrage weiter in Schweigen. „Die Kosten bewegen sich komplett im Rahmen eines derartigen Relaunchs“, sagt Hinrichs. BR-Berater Sturm sagte auf Anfrage: „Ich kenne die konkreten Zahlen nicht. In der Regel kostet ein Relaunch zwischen 80.000 und 400.000 Euro.“

Mehr: Zwischen Wien und Shanghai hat Hans Mahr Hunderte Restaurants ausprobiert. In seinem Buch fällt der frühere RTL-Chefredakteur ein gnadenloses Urteil.

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