ARD und ZDF verlieren Rechte Eurosport schnappt sich Olympia

Eurosport hat sich in einem überraschenden Coup die TV-Rechte für die Olympischen Spiele ab 2018 gesichert. Dafür zahlt der Mutterkonzern Discovery 1,3 Milliarden Euro. ARD und ZDF könnten in die Röhre gucken.
Update: 29.06.2015 - 17:00 Uhr 1 Kommentar
Das IOC hat die Rechte für die Spiele 2018-2024 an den Konzern Discovery vergeben. Quelle: dpa
Olympische Spiele in Sotschi

Das IOC hat die Rechte für die Spiele 2018-2024 an den Konzern Discovery vergeben.

(Foto: dpa)

LausanneDem ersten Schreck über die zunächst verpassten Fernsehrechte für Olympia folgte bei ARD und ZDF das große Rätselraten. Die beiden öffentlich-rechtlichen TV-Sender sind vom Verkauf der Medien-Rechte für das Ringe-Spektakel an das US-Unternehmen Discovery am Montag unangenehm überrascht worden. Ob sie nach dem Milliarden-Geschäft noch eine Chance haben, von den Spielen 2018 bis 2024 zu berichten, wissen die deutschen Sender derzeit nicht.

„Aus der Pressemitteilung des IOC geht nicht hervor, was die Rechtevergabe an die beiden internationalen, auch in Deutschland verbreiteten Sender für den deutschen Fernsehmarkt bedeutet“, schreiben ARD und ZDF: „Hieraus ergeben sich Fragen an das IOC und den DOSB.“ Antworten darauf konnten sie selber zunächst nicht geben.

Das sind die Giganten der Medienwelt
Gute Unterhaltung aus den USA?
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Fernsehsender, Zeitungen, Kinostudios – und zunehmend Online-Dienste: Medien sind ein Milliardengeschäft – im Foto eine Szene aus „The Late Show“ mit David Letterman (rechts) und US-Präsident Barack Obama (links) zu Gast. Auf Basis der Erlöse des Jahres 2014 hat das Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik unter Leitung des Medienwissenschaftlers Lutz Hachmeister ein Ranking der 100 größten Medienunternehmen der Welt erstellt. Wir zeigen die Top 10.

Platz 10: Apple
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Erstmals ist Apple in den Top Ten der weltgrößten Medienunternehmen. Möglich macht das eine Änderung der Systematik der Rangliste: Grundlage für die Einordnung in das Ranking waren ausschließlich die Erlöse der Abteilung iTunes, Software & Services, die bei 13,6 Milliarden Euro lagen. Bisher wurde Apple in der Liste nicht berücksichtigt.

Platz 9: Bertelsmann
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Einziges europäisches Medienunterhemen in den Top Ten ist Bertelsmann mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro. Wichtigste Erlösquelle ist die TV-Holding RTL Group. Aber den Konzern zieht es zunehmend in medienfremde Gefilde. So soll das Geschäft mit der Bildung zu einer neuen Unternehmenssäule ausgebaut werden.

Platz 8: Sony
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Mit einem Medienumsatz von 17,8 Milliarden Euro ist Sony abermals das größte nichtamerikanische Medienunternehmen der Welt. Im Gesamtkonzern des japanischen Unterhaltungselektronikriesen, zu dem das Hollywood-Studio Sony Pictures Entertainment, der Musik-Major Sony Music Entertainment sowie eine erfolgreiche Games-Sparte gehört, gewinnen Medienerlöse zunehmend an Gewicht.

Platz 7: Time Warner
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Time Warner, das einst größte Medienunternehmen der Welt, ist das Resultat mehrerer Fusionen. Zu ihm gehören das Hollywoodstudio Warner Bros. (Tom Hardy in Mad Max: Fury Road), das Verlagshaus Time Inc., die Filmproduktion New Line Cinema, der Pay-FV-Sender HBO und die TV-Holding Turner Broadcasting Systems. Das Medienhaus erlöste zuletzt 20,6 Milliarden Euro.

Platz 6: Viacom
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Viacom CBS, das auf einen Umsatz von 20,8 Milliarden Euro kommt, besteht aus zwei börsennotierten Gesellschaften, die beide von der Holding National Amusements Inc. des Firmenpatriarchen Sumner Redstone kontrolliert werden. Zu Viacom gehören die TV-Sender MTV und Nickelodeon sowie das Hollywoodstudio Paramount, zu CBS das Free-TV-Geschäft um das gleichnamige landesweite TV-Network, die TV-Produktion sowie Verlage und Außenwerbung.

Platz 5: DirecTV
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Mit einem Umsatz von 24,3 Milliarden Euro ist DirectTV der führende amerikanische Anbieter für Satelliten-Pay-TV. Das Telekommunikationsunternehmen AT&T will DirectTV für 48 Milliarden Dollar übernehmen. Dem Deal, gegen den die Video-Onlineplattform Netflix klagt, muss noch die amerikanische Kontrollbehörde FCC zustimmen.

IOC-Präsident Thomas Bach versuchte zu beruhigen. Er machte ARD und ZDF trotz der Vergabe der gesamten TV-Rechte für Europa an einen US-Konzern Hoffnungen. „Die Rechte sind im Moment exklusiv in den Händen von Discovery Communications und Eurosport. Aber sie sind bereit, Verhandlungen aufzunehmen über Abkommen mit anderen Übertragungsanstalten“, sagte Bach auf einer internationalen Telefon-Schaltkonferenz auf dpa-Anfrage.

Der überraschende Mega-Deal mit Discovery und Eurosport bedeute nicht, „dass jetzt irgendjemand aus dem Rennen ist. Wer im Rennen sein möchte, kann sich jederzeit an Discovery wenden“, erklärte der deutsche IOC-Chef. „Sie haben gehört, wie offen Discovery ist, da in Diskussionen oder Verhandlungen einzutreten.“ Es dürfte eine Frage des Preises sein, ob das Erste und das Zweite noch zum Zuge kommen.

Discovery muss den gewaltigen Deal refinanzieren. Für das gesamte Rechtepaket für alle technischen Plattformen muss das Unternehmen 1,3 Milliarden Euro bezahlen, wie das IOC mitteilte. Discovery sendet vor allem über seine Tochter Eurosport. In Deutschland ist der Spartensender im Gegensatz zu anderen Ländern frei empfangbar. Er hat aber auch Pay-TV-Kanäle.

„So lebendig machen wie nie zuvor“

Auf direktem Weg sind die bisherigen deutschen Dauerpartner des IOC gescheitert. „ARD und ZDF hatten ein angemessenes Angebot abgegeben“, heißt es in der Mitteilung der Sender. Die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten waren bisher der Dauer-Partner des IOC. Sie berichten 2106 auch von den Sommerspielen in Rio de Janeiro.

ARD und ZDF hatten zuletzt vor vier Jahren nach einem mühsamen Poker ein Rechtepaket für die Spiele 2014 und 2016 erworben und dafür geschätzte 110 Millionen Euro bezahlt. Zuvor hatte das IOC sogar damit gedroht, die Rechte an das Pay-TV zu verkaufen. Die deutschen Sender erwarben damals die Lizenzrechte zum ersten Mal direkt beim IOC, weil die Olympia-Bosse das Paket für den deutschen Markt nicht mehr an den europäischen Senderverbund European Broadcasting Union (EBU) verkaufen wollten. Jetzt müssen sie sich an Discovery wenden.

Offen blieb zunächst, ob das US-Unternehmen tatsächlich einen Teil seiner Rechte für den deutschen Markt verkaufen will. In einer Mitteilung heißt es eher vage: „Discovery und Eurosport werden dafür sorgen, dass die Olympischen Spiele über ihre eigenen TV-Sender und Medienplattformen übertragen werden und in einzelnen Gebieten (durch Sublizenzierung) gegebenenfalls auch durch andere Rundfunkanstalten.“

Während bei ARD und ZDF das Entsetzen groß war, wurde beim Sieger des Wettbietens gefeiert und beim IOC gelobt. Es wurde laut Bach „ein wichtiger Vertrag geschlossen. Wir freuen uns, dass Eurosport der neue Partner des olympischen Sports ist. Diese Vereinbarung sorgt für eine umfassende Berichterstattung über die Olympischen Spiele in ganz Europa, und dazu gehört die Garantie einer umfangreichen Free-TV-Berichterstattung in allen Märkten“, sagte der deutsche IOC-Chef. Ausgenommen von dem Deal sind Großbritannien und Frankreich. BBC und France Television haben bereits Verträge bis 2020.

  • dpa
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1 Kommentar zu "ARD und ZDF verlieren Rechte: Eurosport schnappt sich Olympia"

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  • Endlich. Ein wichtiger Schritt für den Journalismus! Hoffentlich sehen es ARD, ZDF & Co. endlich ein, das man auch mal unparteiisch kommunizieren muss, um am Markt bleiben zu können.
    Vielen Dank IOC, für diese Entscheidung. Weiter so!!!
    Vielleicht bekommen die Bundesbürger einen Teil der Rundfunkgebühren zurück

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