Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autorennbahn Anki Drive Großangriff aufs Kinderzimmer

Seite 2 von 2:
Stillstand nach einem Raketen-Volltreffer
„Welche Spielzeugfirma beschäftigt schon  Robotikspezialisten?“
Anki-Mitgründer Tappeiner

„Welche Spielzeugfirma beschäftigt schon Robotikspezialisten?“

Ganz anders Anki Drive: 2013 zunächst exklusiv für Apple vorgestellt, gehört zu den wenigen Spielzeugen, die Väter heute noch nachts heimlich aus dem Kinderzimmer stehlen. Es ist eine Mischung aus Computerspiel und Carrera-Bahn, der man die Leit- und Stromschienen rausgerissen hat (einen Test der ersten Version lesen Sie hier). Die Fahrzeuge bewegen sich frei auf einer Rennstrecke, die heute noch einem Teppich mit aufgemalter Fahrbahn gleicht. In die Fahrbahn sind unsichtbare Markierungen eingearbeitet. Die liest eine Kamera am Fahrzeugboden 500 Mal pro Sekunde aus und leitet sie an einen Mikro-Computer im Fahrzeug weiter. Das Auto weiß so immer, wo es gerade ist.

Gesteuert wird per Bluetooth mit iPhone, iPad oder Android-Gerät. Spurwechsel nimmt der Fahrer vor, wenn es ihm passt, und nicht dann, wenn sie durch die Rennstrecke vorgegeben sind. Anki lässt sich auch alleine spielen. Bis zu zehn Computer-Spieler mit ausgefeilter künstlicher Intelligenz nehmen dann als Gegner am Renngeschehen teil. Und das nicht nur als Kanonenfutter für den menschlichen Helden: „Als sein digitaler Lieblingscharakter ihn zum ersten Mal hoffnungslos geschlagen hat, war unser Chefentwickler schon ein paar Tage lang deprimiert“, grinst Tappeiner im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Es ist unglaublich, welche Fortschritte künstliche Intelligenz macht.“

Im Herbst kommt der Großangriff mit neuem Streckenkonzept. „Anki Overdrive“ besteht dann statt aus dem alten Teppich aus vielen magnetisch verbundenen Kunststoff-Streckenteilen, die zu immer neuen Strecken zusammengebaut werden. Das gleicht einen wesentlichen Nachteil zur traditionellen Carrera-Bahn aus, die ebenfalls variable Strecken kennt. Die Autos fahren eine „Lernrunde“, dann kennen sie den Kurs auswendig und ab der nächsten Runde wird Gas gegeben. Es geht über Stock und Stein, es gibt Gefälle- und Steigungsstrecken. Bis zu zwölf Fahrzeuge sind gleichzeitig und völlig unabhängig voneinander auf der Strecke.

Und die digitalen Mitspieler sind nicht irgendwelche seelenlose Zombies. Die virtuelle „Commander“ haben Namen, so wie die Helden in Computerspielen. Sie haben ihre eigenen Stärken und Schwächen. Das ist wichtig: Denn es wird nicht nur gefahren. Mit digitalen Waffen werden im „Battle-Modus“ die Konkurrenten mit Tippen auf den Bildschirm „abgeschossen“, nach einem Volltreffer kommen sie kurzfristig komplett zum Stillstand. Es knallt und scheppert aus den Lautsprechern des iPhones, jederzeit ist der aktuelle Stand in Rennen abzulesen.

Die Verbindung der App mit dem Internet erlaubt auch Spiele über die Grenzen des Kinderzimmers hinaus, denkbar sind weltweite Rennserien. Ein Spieler könnte seinen Charakter dann trainieren und auf Welttournee schicken. Nicht umsonst kommt der Chief Creative Officer, Joby Otero, vom Computerspiele-Giganten Activision aus Santa Barbara.

Allerdings gibt es noch ein paar Negativpunkte zu beseitigen. Rund 15 Minuten hält der Akku eines der Mini-Flitzer, dann muss er zum Pitstop an die Steckdose. Riesige Bahnen mit zwanzig oder mehr Metern Länge und Breite und Tunneldurchfahrten, wie sie professionelle Carrera-Clubs pflegen, sind schwer darstellbar. Wenn die Fahrzeuge aus dem Blickfeld geraten, dann ist die Steuerung schwer bis unmöglich.

Tappeiner und seine Mitstreiter in San Francisco sind sich auch bewusst, dass sie sich in einem Markt mit Preisdruck bewegen. Der ursprüngliche Preis des Start-Sets ist bereits von 199 auf 149 Dollar gefallen. Der soll auch so bleiben, wenn im Herbst die neue Serie kommt. Die Erweiterungs-Sets mit mehr Schienen kosten zwischen zehn und 30 Dollar. Die Preise für Deutschland stehen noch nicht fest. So oder so: Die Macher müssen viele Exemplare verkaufen, um das hohe Investment wieder einzuspielen.

Wird die Konkurrenz so leicht kopieren können wie in der alten Welt, wo es jede Menge Hersteller von spurgebundenen Rennbahnen gibt? Wohl kaum, ist sich Hobby-Motorradfahrer Tappeiner sicher, der an der Technischen Universität Wien sein Studium begann, das ihn dann an den Robotik-Arm der Carnegie Mellon Universität führte. Er fragt: „Welches Spielzeugunternehmen beschäftigt einen Pool von Robotikspezialisten?“

Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu "Autorennbahn Anki Drive: Großangriff aufs Kinderzimmer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote