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Axel-Springer-Porträt Wie die Bild-Zeitung groß wurde

Axel Springer ist der Erfinder der Bild-Zeitung. Der Wirtschaftshistoriker Tim von Arnim hat mit dem Leben und Wirken des Verlegers auseinandergesetzt - und so manches Geheimnis auch über die Bild-Zeitung gelüftet.
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Der Verleger Axel Springer begutachtet ein Exemplar der „Bild“-Zeitung. Quelle: picture-alliance

Der Verleger Axel Springer begutachtet ein Exemplar der „Bild“-Zeitung.

(Foto: picture-alliance)

Frankfurt Am 11. Dezember 1945 war es so weit. Von der Informationskontrolle der britischen Militärregierung erhielten die beiden Antragsteller Axel Springer und sein Vater Heinrich die Lizenzurkunde zum Drucken von Büchern unter strengen Auflagen. Der damals leitende britische Presseoffizier, Major Barneston, nickte das Vorhaben ab. Es war eine Lizenz zum Gelddrucken. Denn der Hunger nach Lesbarem nach zwölf Jahren Nazi-Diktatur war riesig. Und Axel Springer? Der Verlegersohn konnte endlich die im Krieg eingelagerten Bücher verkaufen und selbst Werke drucken. Sein erstes verlegerisches Projekt: ein Abreißkalender mit dem fast schon programmatischen Titel „Besinnung. Ewige Worte der Menschlichkeit“. Auflage 6000 Exemplare.

Weder der britische Presseoffizier noch die Käufer des Abreißkalenders ahnten, dass damit die Grundlage eines Zeitungs- und Zeitschriftenimperiums gelegt wurde, das seinesgleichen sucht. Tim von Arnim begibt sich in seiner Doktorarbeit, die unter dem Titel „Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen“ beim Frankfurter Campus-Verlag erschienen ist, auf die Spur des Unternehmers Axel Springer. Das ist kein einfaches Projekt. Denn keinem Medienunternehmer vor und nach ihm wurde so viel Hass und Bewunderung zuteil. In den sechziger Jahren spaltete er die bundesrepublikanische Gesellschaft. Die „Bild“, Europas größte Zeitung, wurde zum medialen Hassobjekt einer jungen Generation. Der Homo politicus Axel Springer wurde ausführlich analysiert, kommentiert und beschrieben. Der Unternehmer hingegen blieb immer unscharf. Das ändert sich nun mit dieser Unternehmerbiografie.

Tim von Arnim war bei seinen Recherchen privilegiert. Denn er hatte uneingeschränkten Zugang zum Unternehmensarchiv der Axel Springer AG und zudem auch noch zum Privatarchiv des Verlegers. Verlegerwitwe Friede Springer unterstützte das Forschungsvorhaben. Monatelang wühlte sich der Wirtschaftshistoriker in Berlin durch das opulente Material.

Das Ergebnis der wissenschaftlichen Arbeit ist spannend. Detailliert seziert von Arnim beispielsweise die Geburt der „Bild“ am 24. Juni 1952. Axel Springer ließ sich für die erste Ausgabe der damals vierseitigen Zeitung mit den großen Buchstaben von damals modernen Boulevard-Blättern in Großbritannien und in den USA inspirieren. „Seit Beginn seiner verlegerischen Tätigkeit war Springer fasziniert von der fortschrittlichen angloamerikanischen Presse, besonders vom modernen massenwirksamen Journalismus, der konsequenten Betonung visueller Effekte, den kreativen Werbemaßnahmen und der innovativen Drucktechnik“, resümiert von Arnim. Der britische „Daily Mirror“ war damals das Vorbild für den charismatischen Medienunternehmer. Dankenswerterweise ist in dem Buch auch die Erstausgabe der „Bild“ abgedruckt. Überraschend: Noch heute scheint sie in ihrer Visualität seltsam modern. Auf dem Titelblatt oben prangt ein ernster Winston Churchill, darunter ein brutales Bild von Rassenunruhen in Südafrika flankiert von einer Hollywood-Schönheit und einem küssenden Olympia-Sieger Paul Falk. Der Mix für die Massen stimmte von Anfang an.

Politischer Springer bleibt auf der Strecke

Nicht weniger als „das größte Zeitungshaus Europas“ wollte Axel Springer bauen. Quelle: dapd

Nicht weniger als „das größte Zeitungshaus Europas“ wollte Axel Springer bauen.

(Foto: dapd)

Das Buch erzählt nüchtern und akribisch viele Details aus dem Unternehmerleben. Die Dissertation ist eine echte Fleißarbeit. Doch genau darunter leidet die Lesbarkeit. Trotz spannender Kehrtwendungen wird das Unternehmerleben des janusgesichtigen Axel Springer eher langweilig erzählt. Ein Drittel des Buchs besteht zudem aus Fußnoten und Literaturhinweisen. Weniger Wissenschaftlichkeit hätte dem Werk gutgetan. Denn schließlich richtet sich das Campus-Buch nicht nur an Medien-Professoren, sondern an ein breites Publikum.

Ein weiteres Problem der Unternehmerbiografie ist, dass der Homo oeconomicus nicht vom Homo politicus zu trennen ist. Axel Springer war immer Kaufmann, Verleger und Politiker zugleich. Unvergessen ist seine ergebnislose Reise nach Moskau zum kommunistischen Diktator Nikita Chruschtschow. Die selbst gewählte politische Mission Springers wird nur verständlich, wer den unternehmerischen Aufstieg des Verlegers verstanden hat. Doch leider bleibt das Bild, das von Arnim vom Sohn eines vermögenden Altonaer Zeitungsverlegers zeichnet, am Ende bruchstückhaft.

Wer Axel Springer komplett begreifen will, kommt deshalb auch künftig um die Biografie des Historikers Hans-Peter Schwarz nicht herum. Der Politikwissenschaftler hatte vor vier Jahren mit seinem 734 Seiten umfassenden Werk ein Meisterstück abgeliefert. Der Zeithistoriker war der Erste, der grenzenlosen Zugang zum Archiv von Axel Springer hatte. Er hat den Menschen und Unternehmer Springer auf nie zuvor gekannte Weise porträtiert. Im Gegensatz zu von Arnim kann Schwarz unterhaltend schreiben. Das macht sein Buch zu einem Lesevergnügen.

Wichtige Abschnitte beleuchtet von Arnim dagegen kaum: Für die Herkunft und den unternehmerischen Auftakt während der Nazi-Diktatur verwendet er nur knappe sieben Seiten. Das ist ein Fehler. 1933, als Hitler die Macht übernahm, war Springer 21 Jahre, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 33 Jahre alt. Es sind prägende Jahre. Zu Springers Vita gehört auch, dass er im September 1933 in Uniform des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps samt Hakenkreuzarmbinde posierte und sich als Autor für die „Altonaer Nachrichten“ für propagandistische Pflichtübungen des Nazi-Regimes einspannen ließ. Auf der anderen Seite half er Nazi-Verfolgten aus dem Freundeskreis. Es war eben ein Leben voller Widersprüche.

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