Bastei Lübbe „Nur Bücher machen reicht nicht mehr“

Der Bastei-Lübbe-Verlag steht vor dem größten Umbruch seiner Geschichte, denn das Familienunternehmen erfindet sich neu. Der Verleger Stefan Lübbe baut nach dem Umzug von Bergisch Gladbach nach Köln den Verlag zum Medienhaus um. Marken wie "Jerry Cotton" kommen ins Kino. "John Sinclair" wird es als TV-Serie und Spiel geben.
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Verlagschef Stefan Lübbe im Büro: Der 52-Jährige führt den größten deutschen Publikumsverlag ohne Konzernanbindung. Quelle: pro event Andreas Biesenbach

Verlagschef Stefan Lübbe im Büro: Der 52-Jährige führt den größten deutschen Publikumsverlag ohne Konzernanbindung.

KÖLN. "Wir wollen uns vom klassischen Buchverlag zum Medienunternehmen mit einer Vielzahl von Produkten wie CD, DVD, Fernseh- und Kinofilm, Spielen und Merchandisingprodukten entwickeln", sagt Verleger Stefan Lübbe dem Handelsblatt. "Wir haben die volle Wertschöpfungskette bisher noch nicht ausgeschöpft."

Der Bastei-Lübbe-Verlag ist der größte konzernunabhängige Publikumsverlag in Deutschland. Das 1953 gegründete Unternehmen mit 170 Mitarbeitern hatte laut Media Control zuletzt einen Marktanteil von 5,7 Prozent im deutschen Markt. Lübbe verlegt Bestsellerautoren wie Dan Brown oder Ken Follett sowie Groschenromane wie "Jerry Cotton" und "John Sinclair". Vor wenigen Wochen zog das Familienunternehmen von Bergisch Gladbach nach Köln-Mülheim, in unmittelbare Nähe des Fernsehproduzenten Brainpool (Stefan Raab, Oli Pocher).

Der Wechsel in die Rheinmetropole ist Programm. "Wir haben die neuen Räume, damit die Mitarbeiter einen neuen Impetus, weg vom verwalterischen, verbeamteten Denken, bekommen. Da muss deutlich umgedacht werden", fordert Verleger Lübbe, dem der Verlag nach dem Ausbezahlen seiner Schwester Cornelia Lübbe-Roggen nach einem jahrelangen Kleinkrieg seit 2007 allein gehört.

Der Verlag will insbesondere seine Marken und Inhalte besser vermarkten. Am 10. März kommt die Verfilmung von "Jerry Cotton" mit Christian Tramitz in der Hauptrolle in die Kinos. "Produzent Christian Becker hat Energie wie ein Dextroenergen", schwärmt Lübbe. Der Kinostreifen ist nicht das einzige Projekt. Derzeit verhandelt der Verlag mit der Bertelsmann-Filmtochter Teamworx über eine Kinoversion von "Das Pharma-Komplott" von Johannes K. Soyener. Das berichten Beteiligte. Außerdem spricht Lübbe mit der Constantin Film über die Verfilmung von "Beziehungswaise" von Michael Birbaek. Constantin-Produzent Oliver Berben spricht auch mit Lübbe über eine internationale Kinoverfilmung und eine TV-Reihe des Groschenroman-Helden "John Sinclair". Dazu soll ein Spiel in Zusammenarbeit mit dem Mediendienstleister Arvato auf den Markt kommen. "Mit Arvato zusammenzuarbeiten macht Spaß", sagt Lübbe. Zu den Plänen mit der Bertelsmann-Tochter Arvato äußert er sich aber nicht im Detail. In einem halben Jahr sollen aber schon die ersten Produkte auf den Markt kommen. Arvato ist nach eigenen Angaben bereits als Logistik- und IT-Dienstleister in der Spiele-Industrie für Branchengrößen wie Electronic Arts tätig.

Die Buchbranche steht vor einem Umbruch. Große Handelsketten wie Thalia, eine Tochter des Mischkonzerns Douglas, oder Weltbild, Buchableger der katholischen Kirche, gewinnen an Macht. In der Verlagsbranche wird die Marktentwicklung kritisch gesehen. "Die Abhängigkeit von den großen Buchhandelsketten wächst. Das ist nicht ohne Risiko für uns und die Branche", sagt Stefan Lübbe. Das Sterben der kleinen und kleinsten Buchhandlungen drohe weiterzugehen.

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