Bertelsmann Die große Abrechnung mit Thomas Middelhoff

Abrechnung zum Firmenjubiläum: In der Unternehmenschronik zum 175. Geburtstag von Bertelsmann wird der frühere Chef Thomas Middelhoff beschuldigt, die Fusion mit dem Internetkonzern AOL aktiv betrieben und damit die Eigenständigkeit des Unternehmens gefährdet zu haben. Middelhoff spricht von "Legendenbildung".
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Ob Thomas Middelhoff immer noch so herzlich zum 175. Firmenjubiläum gratulieren will? Quelle: Mart Klein

Ob Thomas Middelhoff immer noch so herzlich zum 175. Firmenjubiläum gratulieren will?

DÜSSELDORF. Der einstige Time-Warner-Chef Jerry Levin gestand die Niederlage mittlerweile ein: Auf dem Höhepunkt der Interneteuphorie im Jahr 2001 hatte er das US-Medienunternehmen mit dem Onlinekonzern AOL fusioniert. Neun Jahre später blickt er schuldbewusst zurück: Es sei wohl das "miserabelste Geschäft des Jahrhunderts" gewesen, sagte er. Die 164 Mrd. Dollar schwere Übernahme endete in einem Desaster und mit der Scheidung der beiden Unternehmen.

Als die Konzerne ihre Hochzeit vorbereiteten, waren AOL-Gründer Steve Case und der damalige Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff enge Geschäftspartner. In der Bertelsmann-Jubiläumschronik taucht der Vorwurf auf, Middelhoff hätte am liebsten Bertelsmann mit AOL verschmolzen, um den weltweit größten Medienkonzern aus der Taufe zu heben. Bertelsmann hätte dann wohl das Schicksal von Time Warner ertragen müssen.

Kurz vor dem Börsencrash

Das erste Exemplar des von der Bertelsmann AG herausgegebenen Jubiläumsbands zum 175-jährigen Bestehen überreichte Vorstandschef Hartmut Ostrowski auf der Bühne des Berliner Konzerthauses der Konzernmatriarchin Liz Mohn. Autor des Kapitels in der langen Unternehmensgeschichte ist der Wirtschaftshistoriker Hartmut Berghoff. Wörtlich schreibt der in Washington lebende Wissenschaftler: "Als Middelhoff Mohn 1999 drängte, der von Middelhoff angestrebten Fusion von AOL und Bertelsmann qua Aktientausch zuzustimmen, holte er sich prompt eine Absage." Berghoff schreibt weiter: "Bertelsmann wäre aufgrund des wenige Wochen vor dem Börsencrash aberwitzig hohen AOL-Kurses in dem neuen Unternehmen mit ca. einem Drittel der Anteile nur Juniorpartner gewesen und Mohn zur Randfigur geworden."

Mit dieser Darstellung fühlt sich Middelhoff von Bertelsmann provoziert. Der Manager, der bereits im Juli 2002 nach einem Zerwürfnis mit dem im vergangenen Jahr verstorbenen Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn den Konzern verlassen hatte, kämpft um seinen Ruf. Womöglich auch mit juristischen Schritten, wie er am Montag in Köln sagte.

In der Gütersloher Konzernzentrale hat man für den Unmut des früheren Chefs kein Verständnis. "Die Jubiläumspublikation soll einen objektiven Beitrag zur Erforschung und Erschließung der Unternehmensgeschichte des Hauses Bertelsmann leisten", sagte ein Unternehmenssprecher. "Die Autoren waren frei, im Rahmen der Gesamtkonzeption des Buches einen objektiven Blick auf ihren thematischen Gegenstand zu werfen." Historiker Berghoff bestätigt: "Bertelsmann hat mir völlig freie Hand gelassen. Der Konzern hat mir das Archiv weitgehend geöffnet und meine Unabhängigkeit respektiert."

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5 Kommentare zu "Bertelsmann: Die große Abrechnung mit Thomas Middelhoff"

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  • Alle Aufsichtsräte bei Arcandor haben begeistert den
    Dampfplauderer machen lassen- und nun, da alles in
    die Hose gegangen ist, zeigt sich keiner der Herren
    mehr, die bei Arcandor für die Kontrolle des völlig abgehobenen Thomas Middelhoff verantwortlich waren.Alle abgetaucht- wie immer!!!

  • Hinterher weiß man's immer besser, aber wie viele der Analysten und anderen Dummschwätzer hatten Middelhoff damals in den Himmel gelobt ? Vorbildpreis der Universität bayreuth, Ehrendoktortitel der Handelshochschule Leipzig sagt doch alles, es fehlt eigentlich nur das bundesverdienstkreuz.
    Und welche desaströsen Damager werden heute von denselben Analysten und Dummschwätzern hochgelobt ?
    Es hat sich nichts geändert. an hat gelernt, daß manauf kriminelle Weise Gelder von Firmen veruntreuen kann und nicht mal eingesperrt wird, jeder kleine Ladendieb vom Karstadt krieg's mit der Polizei zu tun, aber wer Milliarden abschöpft geht frei aus.

    SPERRT SiE ALLE EiN ! und die Helfershelfer z.b. Journalisten von Lobeszeitschriften dazu, damit sich was ändert.

  • Middelhoff kämpft um seinen Ruf, da hat er Glück. Eigentlich sollte er um sein Leben kämpfen müssen !

  • @winter: Genau so ist es. bertelsmann konnte sich vor seinem Größenwahn gerade noch retten. Frau Schickedanz gelang das leider nicht.
    Dass Middelhoff für den angerichteten Schaden nicht haften muss ist eine Ohrfeige für jeden Uternehmer. M. hat sich auf dubiose Art bereichert und dafür noch Millionen an Gehalt eingestrichen.

  • Middelhoff, frag mal einen Karstadt Mitarbeiter, was der von Middelhoff hält.

    Nach bertelsmann hat er doch bei Marlene Schickedanz sein Unwesen getrieben und die Frau über dubiose immobilientransaktionen, an denen er auch über Dritte verdient hat, um ihr Erbe gebracht.

    Dass dieser "Spitzen-Manager" noch frei rumläuft und noch nicht einsitzt hat er der deutschen Justiz zu verdanken, die jedem Manager aus dem Kreise von Daxkonzernen hier Narrenfreiheit gibt.

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