Bertelsmann Medienkonzern steckt Milliarden in neue Märkte

Bertelsmann hat 2016 einen Rekordgewinn erzielt. Nun will Konzernchef Thomas Rabe in Länder wie Brasilien, China und die USA expandieren. Dafür nimmt der Medienriese aus Gütersloh mehrere Milliarden Euro in die Hand.
Update: 28.03.2017 - 12:52 Uhr Kommentieren
Der Medienkonzern hat im abgelaufenen Jahr dank florierender Geschäfte seiner Fernsehtochter RTL, im Musikrechtehandel sowie bei Technologie- und Logistikdiensten einen Rekordgewinn eingefahren. Quelle: dpa
Bertelsmann-Chef Thomas Rabe

Der Medienkonzern hat im abgelaufenen Jahr dank florierender Geschäfte seiner Fernsehtochter RTL, im Musikrechtehandel sowie bei Technologie- und Logistikdiensten einen Rekordgewinn eingefahren.

(Foto: dpa)

BerlinDer Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann will bis 2020 mehrere Milliarden Euro in seine Geschäfte investieren. Bei der internationalen Expansion werde er den Blick neben Brasilien, Indien und China besonders auf die USA richten, kündigte Vorstandschef Thomas Rabe am Dienstag in Berlin an.

Im vergangenen Jahr steigerte der Konzern seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Den größten Anteil am Gewinn steuerte die RTL Group mit 720 Millionen Euro bei. Der Konzernumsatz ging um weniger als ein Prozent auf 17,0 Milliarden Euro zurück. Rabe machte dafür Wechselkurseffekte und Firmenverkäufe verantwortlich. Um diese Faktoren bereinigt sei der Umsatz um knapp ein Prozent höher ausgefallen als 2015.

In den vergangenen vier Jahren hat der Konzern bereits mehr als drei Milliarden Euro in neue und digitale Geschäfte investiert. Die Wachstumsgeschäfte machen heute einen Anteil von knapp 30 Prozent am Konzernumsatz aus, mittelfristig soll er auf 40 steigen. Zu den Investitionen gehört eine Online-Akademie, ein Online-Videovermarkter und ein Mode-Netzwerk. Der Wandel des Unternehmens geht rasant: Als Thomas Rabe seinen Chefposten vor fünf Jahren einnahm, lag der Anteil der Wachstumsgeschäfte bei 20 Prozent.

In diesem Jahr wird Bertelsmann allerdings eine größere Investition in einem Bereich tätigen, den die wenigsten bislang als reinrassigen Wachstumsbereich identifiziert haben: Konzernchef Rabe will den Anteil an Penguin Random House, dem weltgrößten Buchverlag, aufstocken. Der britische Mitgesellschafter Pearson will sich von seinem Anteil trennen. Bücher sind zwar seit 182 Jahren das Kerngeschäft des Gütersloher Unternehmens, doch große Wachstumsphantasien entfacht dieses Segment bei den wenigsten.

Das steckt im Medienriesen aus Gütersloh
Die Geschichte
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1835 gründete Carl Bertelsmann das Unternehmen in Gütersloh als Buchverlag – den C. Bertelsmann Verlag. Die ersten 100 Jahre des Unternehmens stehen programmatisch im Zeichen der christlichen-protestantischen Tradition. 1928 öffnete sich der Verlag für Belletristik. Während des zweiten Weltkrieges gab der Verlag völkisch-nationale, teilweise auch antisemitische Literatur heraus. In der Wiederaufbauzeit wandelte sich Bertelsmann vom mittelständischen Unternehmen zu einem globalen Medienkonzern. Wachstumstreiber war über Jahrzehnte der Lesering, der 2015 endgültig eingestellt wurde.

Bertelsmann heute
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2016 hat Bertelsmann hat einen Rekordgewinn eingefahren. Das Betriebsergebnis kletterte im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Zum Konzernverbund gehören die Fernsehgruppe RTL Group, die Buchverlagsgruppe Penguin Random House, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, das Musikunternehmen BMG, der Dienstleister Arvato, die Bertelsmann Printing Group, die Bertelsmann Education Group sowie das internationale Fonds-Netzwerk Bertelsmann Investments.

RTL Group
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Die RTL Group ist mit 53 Fernseh- und 28 Radiosendern Europas größter Betreiber von werbefinanziertem Privatfernsehen und Privatradio. Die Mediengruppe, die von Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch geführt wird, gehört mehrheitlich (rund 75 Prozent) zu Bertelsmann.

Penguin Random House
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Random House fungiert als Dachgesellschaft für alle Bertelsmann-Verlage. 2013 fusionierte Random House mit Penguin Books, einem Verlag im Besitz der Mediengruppe Pearson, zum weltgrößten Publikumsverlag Penguin Random House. An dem Verlag hält Bertelsmann 53 Prozent und Pearson 47 Prozent der Anteile. Die eigenständige deutsche Sparte von Random House gehört Bertelsmann. Dazu gehören Verlage wie Goldmann, Blessing Verlag oder auch die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA).

Gruner + Jahr
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Gruner + Jahr (G+J) ist Europas größtes Druck- und Verlagshaus. Zu den Publikationen gehören Magazine wie „Stern“, „Capital“ und „Brigitte“, aber auch Beteiligungen am „Spiegel“, an Chefkoch.de und an der Henri-Nannen-Schule. Seit 2014 ist Bertelsmann der alleinige Eigentümer von Gruner + Jahr. Die Vorsitzende der Geschäftsführung ist Julia Jäkel.

BMG
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Mit BMG gründete Bertelsmann 2008 ein Musikunternehmen mit neuem Geschäftsmodell, das den Herausforderungen der digitalen Revolution auf dem Musikmarkt gerecht werden soll. Anders als sonst üblich werden Veröffentlichungs- und Aufnahmerechte aus einer Hand über eine gemeinsame Plattform international vertreten. BMG ist der viertgrößte Musikverlag der Welt. Zu den BMG-Künstlern gehört unter anderem Andreas Bourani.

Arvato
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Arvato ist ein international tätiger Outsourcing-Dienstleister. Das Unternehmen mit Sitz in Gütersloh ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Bertelsmann. Arvato beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 70.000 Mitarbeitern in über 40 Ländern. Das Unternehmen gliedert sich in sieben sogenannten Solution Groups, die Geschäftsbereiche wie Call-Center, Adresshandel, Direktmarketing, Finanzdienstleistungen oder auch Cloud Computing umfassen.

Banken sollten nun den genauen Wert ermitteln, den Rabe für den gesamten weltgrößten Buchverlag auf mehr als zwei Milliarden Euro bezifferte. „Ich erwarte Klarheit über die Bewertung nicht vor Sommer dieses Jahres.“ In den Büchern stehe Penguin Random House mit 2,4 Milliarden Euro, das sei aber lediglich ein bilanzieller Wert, sagte Rabe.

Es bleibe dabei, dass Bertelsmann seinen Anteil von 53 Prozent auf bis zu 70 bis 75 Prozent erhöhen und für den Rest einen Partner gewinnen wolle. Dieser müsse ein langfristiges Interesse an einer Zusammenarbeit und ein Faible für die Buchbranche haben. „Ich sage nicht, dass er dieselbe Leidenschaft für das Verlegen von Büchern haben muss, aber eine Leidenschaft wäre vorteilhaft.“ Kurzfristig orientierte Finanzinvestoren kommen nicht infrage, wie Rabe durchblicken ließ.

Trotz eines Rückgangs von Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr zählt Rabe Penguin Random House zum Kerngeschäft. Neu verhandelte Konditionen mit Amazon waren eine Ursache dafür, dass der Umsatz der Tochter um 9,6 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zurückging. Der Betriebsgewinn schrumpfte mit 3,6 Prozent auf 537 Millionen weniger stark.

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