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Bertelsmann Mohns könnten sich mit Börsengang abfinden

Die Eigentümerfamilie von Bertelsmann könnte sich nach eigenen Angaben doch mit einem Börsengang des Gütersloher Medienkonzerns abfinden. Um die Kontinuität der Unternehmenskultur zu sichern, seien ganz andere Dinge von Bedeutung.
Liz Mohn will die Fäden nicht aus der Hand geben. Foto: AP

Liz Mohn will die Fäden nicht aus der Hand geben. Foto: AP

HB FRANKFURT. Ob die Bertelsmann-Aktien an der Börse notiert seien oder nicht, sei für die Familie von „untergeordneter Bedeutung“, sagte Liz Mohn, die die Interessen der Eignerfamilie vertritt, dem „Manager Magazin“ in einem am Dienstag in Auszügen vorab veröffentlichten Interview. Wichtig sei, dass die Familie weiter drei Viertel der Stimmrechte kontrolliere, um die Kontinuität der Unternehmenskultur zu sichern. „Mein Mann, unsere Kinder und ich, wir haben eine ganz klare Haltung, nämlich die, dass es für externe Investoren bei einer Grenze von maximal 25 Prozent bleibt“, sagte Mohn. „Das kann ein Aktionär sein, wie heute die GBL, das können aber auch tausende von Einzelaktionären sein.“

Die Groupe Bruxelles Lambert (GBL) des Investors Albert Frere hält 25,1 Prozent der Anteile und 25 Prozent der Stimmrechte an Bertelsmann. Sie kann seit Dienstag einem im Zuge des Einstiegs geschlossenen Vertrag zufolge verlangen, diesen Anteil an die Börse zu bringen. Mohn wurde nachgesagt, sie wolle einen Börsengang verhindern und dafür auch eine Menge Geld für einen Rückkauf der GBL-Anteile in die Hand nehmen, der laut Vertrag alternativ möglich ist. Der Wert des GBL-Anteils wird auf bis zu fünf Milliarden Euro geschätzt.

„Wir bereiten uns auf beide Varianten vor“, sagte Mohn. Der Bertelsmann-Vorstand hatte den Rückkauf, über den seit geraumer Zeit spekuliert wird, am Montag erstmals ins Spiel gebracht. Der Medienkonzern könne sich vorstellen, die Beteiligung „zu einem angemessenen Preis“ zurückzukaufen, wenn sich die Gesellschafter darüber verständigten. Auch bei einem Rückkauf würde Bertelsmann weiter investieren können und finanzielle Solidität erhalten.

Die Möglichkeit eines milliardenteuren Rückkaufs schreckte die beiden weltgrößten Ratingagenturen auf. Standard & Poor's (S&P) und Moody's kündigten an, eine Herabstufung der Bonität des Konzerns zu prüfen, wenn Bertelsmann dafür eine höhere Verschuldung in Kauf nimmt. Moody's stuft Bertelsmann derzeit mit „BAA1“ ein, S&P hat die Note „BBB+“ vergeben.

Geld könnte etwa der Verkauf des Musikgeschäfts bringen. In Finanzkreisen hatte es geheißen, Bertelsmann bereite den Verkauf des Musikverlags BMG Music Publishing vor, der bis zu 1,3 Milliarden Euro bringen könnte. Bertelsmann erwäge auch, seinen 50-Prozent-Anteil am Musik-Produzenten Sony BMG zu verkaufen.

GBL hatte bereits angekündigt, seinen Bertelsmann-Anteil 2007 an die Börse bringen zu wollen. Ein guter Rückkaufpreis könnte ihn jedoch davon abbringen. „Es ist eine Art Pokerspiel“, sagte Degroof-Analyst Hans D'Haese. „Seit klar ist, dass die Mohns sich vor einem IPO scheuen, könnte das bedeuten, dass der Preis für GBL besser werden könnte.“ Medienberichten zufolge schweben Frere fünf Milliarden Euro vor, während die Familie Mohn einen Preis in Richtung vier Milliarden Euro anpeile.

Einige Analysten können sich vorstellen, dass es am Ende zu einem ganz anderen Geschäft kommen wird. So könnte GBL seinen Anteil in zwei Stufen oder mehr Stufen verkaufen und würde dann an der Bertelsmann-Dividende beteiligt bleiben. Ebenso könnte GBL statt Geld Anteile etwa an der Bertelsmann-Fernsehgruppe RTL akzeptieren. 2001 hatte GBL seine 29,9 Prozent an RTL abgegeben und war dafür an Bertelsmann beteiligt worden.

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