Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bezahlsender Sky lässt eigene Serien in Serie gehen

Der Bezahlkanal wandelt auf den Spuren von Netflix: Mit „8 Tage“ startet eine weitere Eigenproduktion. Strategisch ist das enorm wichtig.
Kommentieren
Die Serie war die erste Eigenproduktion von Sky im Herbst 2017. Quelle: Die Verwendung ist nur bei redak
Babylon Berlin

Die Serie war die erste Eigenproduktion von Sky im Herbst 2017.

(Foto: Die Verwendung ist nur bei redak)

MünchenEs geht Schlag auf Schlag: An diesem Freitag startet mit „8 Tage“ bereits die zweite von Sky Deutschland selbst produzierte Serie in diesem Jahr. Das ist bemerkenswert: Zwei Jahrzehnte lang hat der Bezahlsender, der früher Premiere hieß, nur fremde Inhalte ausgestrahlt. Vor allem setzten die Münchener auf die Sogwirkung des Fußballs.

Das reicht nicht mehr: „Wenn wir wachsen wollen, müssen wir unterschiedliche, vor allem auch neue Zielgruppen ansprechen“, sagte Programmchefin Elke Walthelm. Schlüssel dazu sind für die Managerin exklusive Inhalte wie „8 Tage“. Zuvor hatte Sky bereits im Januar „Der Pass“ auf die Bildschirme gebracht.

Die erste Eigenproduktion war „Babylon Berlin“ im Herbst 2017, es folgte „Das Boot“ im vergangenen November. Mit den selbst produzierten Serien will Sky ein Publikum jenseits der Sportfans anlocken und auch für Frauen attraktiver werden. „Wir wollen mit unseren Serien eine Sogwirkung entfalten – ein guter Grund, zu Sky zu kommen und bei Sky zu bleiben“, unterstrich Walthelm.

Sky steht unter Druck durch die US-Konkurrenten Netflix und Amazon, die viel Geld in die Hand nehmen für Eigenproduktionen – aber weniger verlangen. Ein Netflix-Abo gibt es ab acht Euro für das gesamte Programm. Sky hingegen bietet ganz unterschiedliche Pakete an: Die Variante Entertainment mit den Serien schlägt derzeit mit 12,50 Euro im Monat zu Buche.

Das sogenannte Entertainment-Sky-Ticket, mit dem sich Inhalte auf dem Computer oder Smartphone streamen lassen, kostet zehn Euro. Wer die Bundesliga live verfolgen will, ist mit monatlich 20 Euro dabei. Hinzu kommt: Der Konkurrenzdruck nimmt zu. Disney, Warner und Apple werden vermutlich dieses Jahr mit eigenen Bezahlkanälen starten.

Das meiste Geld fließt in die Bundesliga

Mit anspruchsvollen Stoffen aus dem deutschsprachigen Raum will sich Sky einerseits von den Amerikanern absetzen. Andererseits geht es darum, mehr zu bieten als ARD und ZDF sowie die private Konkurrenz von RTL und Pro Sieben Sat 1. Walthelm: „Wir zeigen ein qualitativ höheres Niveau als die frei empfangbaren Sender, damit unterscheiden wir uns.“

Es waren nicht zuletzt finanzielle Gründe, weshalb Sky so lange mit Eigenproduktionen zögerte. Das Unternehmen schrieb über Jahre tiefrote Zahlen. Das meiste Geld fließt bis heute für die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga. Pro Saison überweist die Firma den Klubs rund 900 Millionen Euro.

Inzwischen ist der Spielraum aber größer. Seit Herbst gehört das Unternehmen zu Comcast, einem amerikanischen Kabelkonzern, der vergangenes Jahr 94,5 Milliarden Dollar Umsatz erzielte (83,3 Milliarden Euro) und 11,8 Milliarden Dollar Gewinn. Die Amerikaner haben den britischen TV-Konzern Sky geschluckt.

Sky Deutschland war seit Mitte des Jahrzehnts Teil von Sky. Comcast veröffentlicht keine Zahlen für die deutsche Tochter. Zuletzt hatte die Firma für Deutschland und Österreich gut fünf Millionen Abonnenten ausgewiesen.

Das Kalkül, mehr Frauen anzuziehen, gehe mit jeder neuen Serie besser auf, heißt es bei Sky. Bei der Serie „Babylon Berlin“ habe der Frauenanteil am Publikum 30 Prozent betragen, bei „Das Boot“ seien es 39 Prozent gewesen und bei „Der Pass“ sogar 45 Prozent.

Künftig will Sky jährlich bis zu acht Serien anbieten

Nun also kommt „8 Tage“. „Das ist von all unseren bisherigen Serien die radikalste“, sagt Marcus Ammon. Der Manager ist bei Sky für die Eigenproduktionen zuständig. In den acht Folgen geht es um die letzten acht Tage der Menschheit. Anschließend müssen sich die Sky-Abonnenten bis Herbst gedulden, ehe sie wieder Selbstgedrehtes zu sehen bekommen.

Dann flimmert „Hausen“ über den Fernseher, eine Horrorserie. Künftig soll in jedem Quartal mindestens eine Eigenproduktion zu sehen sein – bis zu acht im Jahr. Wann es so weit sein wird, lässt das Unternehmen aber offen.

Fest steht nur: Es ist ein Wettbewerb um die besten Stoffe entbrannt. „Die Kreativen sind derzeit sehr beschäftigt“, so Ammon. Denn die Konkurrenz setzt ebenfalls verstärkt auf deutschsprachige Inhalte. So hat der neue Chef von Pro Sieben Sat 1, Max Conze, angekündigt, vermehrt eigene, lokale Filme und Serien auszustrahlen.

„Darin wurde nicht genügend investiert“, kritisierte er im Herbst. So will der Manager mehr Zuschauer erreichen und damit letztlich die Werbeeinnahmen steigern. Der Ex-Chef des Staubsaugerherstellers Dyson braucht Erfolge. Er hat seinen Investoren kräftiges Wachstum in den nächsten Jahren versprochen.

Zudem baut Conze derzeit mit 7TV eine neue Onlinevideothek gemeinsam mit dem US-Konzern Discovery auf. Vom Sommer an sollen Zuschauer im Netz auf Filme und Serien zugreifen können. Auch exklusive Inhalte sollen dort zu sehen sein, etwa „Check Check“ mit Klaas Heufer-Umlauf. „Weitere Eigenproduktionen sind in Planung“, teilte Pro Sieben Sat 1 vergangene Woche mit.

Als Bezahlkanal bietet Sky ein Nischenprodukt an. Der Zuschauermarktanteil in Deutschland lag vergangenes Jahr bei 1,5 Prozent. Zum Vergleich: Marktführer ZDF kam auf knapp 14 Prozent, RTL auf gut acht Prozent. Das heißt aber nicht, dass die Eigenproduktionen nur von einem kleinen Publikum gesehen werden. In den ersten drei Wochen kam „Das Boot“ Unternehmensangaben zufolge auf 1,44 Millionen Zuschauer im Fernsehen und 2,8 Millionen Abrufe auf Handys und Computern.

Die ersten drei Serien waren so erfolgreich, dass Sky sie fortsetzt. Neue Staffeln von „Babylon Berlin“ werden im Winter zu sehen sein. Für „Das Boot“ sollen die Dreharbeiten im März starten. Auch mit „Der Pass“ werde es weitergehen, so Walthelm.

Es habe sich gezeigt, dass sich die Serien auszahlen. „Die Menschen nehmen Sky jetzt anders wahr. Unsere Serien sind auf dem besten Weg, unser Profil nachhaltig zu prägen.“ Auf Sport verzichten können sie bei Sky offenbar trotzdem nicht. Jüngst hat der Sender verkündet, dass von Mitte März an wieder die Formel 1 auf Sky zu sehen sein wird.

Mehr: Der Bezahlsender hat einen Rechtsstreit um seine Service-Hotline verloren. Warum, lesen Sie hier.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Bezahlsender - Sky lässt eigene Serien in Serie gehen

0 Kommentare zu "Bezahlsender: Sky lässt eigene Serien in Serie gehen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.