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Nahaufnahme eines Steuerungschips

Die Anleger profitieren davon, dass es Deutschlands größtem Chipproduzenten besser geht. Die Dividende klettert dieses Jahr um acht Prozent auf 27 Cent je Aktie.

(Foto: Bloomberg)

Bilanzcheck Der Aufschwung bei Infineon hat seinen Preis

Der Chipkonzern ist kerngesund, wovon vor allem die Anleger profitieren. Das Wachstum der vergangenen Jahre hinterlässt dennoch Spuren in der Bilanz.
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MünchenDie Hauptversammlungen der vergangenen Jahre waren für Reinhard Ploss ein Kinderspiel. Der Vorstandschef von Infineon hatte fast nur Gutes zu berichten, die Aktionäre waren meist voll des Lobes.

Auch an diesem Donnerstag hat der 63-Jährige keine überbordende Kritik zu erwarten. Aber die Anteilseigner dürften genauer nachhaken als auf früheren Treffen. Denn nicht alle Kennziffern haben sich positiv entwickelt. Zudem ist der Aktienkurs binnen Jahresfrist um neun Prozent gesunken.

In einem wichtigen Wert hat sich Infineon aber auch im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich verbessert. So liegt die operative Rendite jetzt bei 17,8 Prozent. Sie fällt damit 0,7 Prozentpunkte höher aus als im Vorjahr und überstieg das selbst gesetzte Ziel von mindestens 17 Prozent. Diese sogenannte Segmentergebnis-Marge ist die zentrale Größe, an der Infineon den Erfolg misst.

Verlässliche Dividende

Die Anleger profitieren davon, dass es Deutschlands größtem Chipproduzenten besser geht. Die Dividende klettert dieses Jahr um acht Prozent auf 27 Cent je Aktie. Das Plus fällt damit allerdings etwas geringer aus als 2018, damals steigerte der Konzern die Ausschüttung um 14 Prozent.

Infineon begründet dies so: Ziel sei es, über die Jahre eine möglichst konstante Dividende zu zahlen. Die fällt in guten Jahren nicht so hoch aus, wie es das Ergebnis zulassen würde. Dafür werde in mageren Zeiten auch nicht weniger verteilt. Bei Konzernen, die sich an eine bestimmte Ausschüttungsquote halten, kann die Dividende dagegen stark schwanken.

Infineon: Der Aufschwung des Chipkonzerns hat seinen Preis  Quelle: Reuters
Reinhard Ploss

Der Chef von Infineon hat einige wichtige Veränderungen für den Konzern im Blick.

(Foto: Reuters)

Nicht nur die Dividende klettert, auch die Erlöse sind im vergangenen Geschäftsjahr gewachsen: um acht Prozent auf rund 7,6 Milliarden Euro. Damit ist Infineon etwas weniger dynamisch vorangekommen als in den beiden Jahren zuvor. Auch in der Chipbranche insgesamt ging es 2018 stärker bergauf als bei den Bayern. Der Umsatz der Industrie weltweit kletterte den Marktforschern von Gartner zufolge um gut 14 Prozent.

Beruhigend für die Aktionäre: Die drei größten Segmente legten zu, wenn auch unterschiedlich stark. Digital Security Solutions (DSS), die frühere Chipkartensparte, ist hingegen geschrumpft. Am wichtigsten ist das Umsatzplus von 13 Prozent der Autodivision. 43 Prozent der Erlöse stammen aus dieser Sparte, das ist mehr, als die Bereiche Power Management & Multimarket (PMM) und DSS zusammen erwirtschaften.

Die schlechte Nachricht: Die Gewinnspanne im Autogeschäft beträgt nur noch 14,2 Prozent. Damit ist die Segmentergebnis-Marge um 1,7 Prozentpunkte gesunken und liegt unter dem Konzernschnitt. Der operative Gewinn ging um zwölf Millionen auf 466 Millionen Euro zurück.

Gute Ausgangsposition im Geschäft mit der E-Mobilität

Infineon begründet dies damit, dass die Division mehr Produkte für Elektrofahrzeuge verkauft habe. Deren Anteil am Spartenumsatz sei von sieben auf zehn Prozent geklettert. Für diese neuen Chips müsse der Konzern mehr Geld für Entwicklung und Fertigung in die Hand nehmen als bei den bisher üblichen Bauteilen.

Was die Marge kurzfristig belastet, kann sich langfristig lohnen. So will sich der Konzern eine gute Ausgangsposition schaffen, um im Geschäft mit selbstfahrenden Autos und Elektrofahrzeugen eine führende Rolle zu spielen. Spätestens 2021, wenn strenge Abgasrichtlinien der EU greifen, rechnet Infineon mit einem Boom.

Die Industriesparte kam ebenfalls auf ein Wachstum von zehn Prozent, sie produziert Halbleiter für Windräder, Waschmaschinen oder Lokomotiven. Die Marge war bereits im Vorjahr um drei Prozentpunkte in die Höhe geschossen und kletterte nun erneut, von 15,2 auf 19,3 Prozent. Infineon begründet dies mit höheren Erlösen sowie einer besseren Auslastung der modernen Produktionslinie in Dresden.

Im Mittelfeld liegt PMM mit einem Umsatzwachstum von acht Prozent. Die Sparte verkauft unter anderem Komponenten für den Mobilfunk und für Computerhersteller und steht für knapp ein Drittel des Konzernumsatzes. PMM ist der Renditekönig im Infineon-Reich: Die Division liegt mit 23 Prozent deutlich über allen anderen und hat sich erneut um rund drei Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Das sei nicht zuletzt auf den gestiegenen Umsatz zurückzuführen.

Enttäuschend entwickelte sich dagegen DSS. Schon im vorangegangenen Geschäftsjahr hinkte das Segment mit einem Umsatzplus von einem Prozent hinterher. Nun sind die Erlöse um sechs Prozent geschrumpft. Infineon macht dafür das schwache Geschäft mit sogenannten SIM-Karten verantwortlich, wie sie in Handys eingesetzt werden.

Die Marge der Sparte fiel erneut, von 17,5 auf 15,8 Prozent. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren es noch 19,2 Prozent. Infineon erklärt dies, genau wie im Vorjahr, mit Neueinstellungen in der Forschung sowie höheren Entwicklungskosten durch zusätzliche Kundenprojekte und einem vergrößerten Produktportfolio.

Zudem habe der niedrigere Umsatz die Marge gedrückt. Die Division ist die kleinste von Infineon, Ploss hält aber eisern an ihr fest, unter anderem, weil sie die Sicherheitstechnik für alle anderen Sparten bereitstellt. Unter dem Strich blieben knapp 1,1 Milliarden Euro übrig, ein Plus von 36 Prozent.

Dass der Gewinn stärker als der Umsatz kletterte, hat vor allem einen Grund: Infineon hat einen Teilbereich für 270 Millionen Euro veräußert. Dem standen allerdings höhere Steuern entgegen. Negativ wirkte sich auch ein Verlust aus nicht fortgeführten Aktivitäten von 143 Millionen Euro aus.

Viel Spielraum für Zukäufe

Alles in allem ist Infineon jedoch kerngesund, und Konzernchef Ploss besitzt Spielraum für Zukäufe. Infineon hat abzüglich aller Schulden gut eine Milliarde Euro auf dem Konto. Die sogenannte Netto-Cash-Position ist damit um fast zwei Drittel gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Enttäuschend entwickelte sich dagegen der Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Free Cashflow nur ganz leicht um 24 Millionen Euro auf 618 Millionen. Der Wert wäre noch viel niedriger, hätte Infineon nicht ein Geschäftsfeld verkauft.

Die Stagnation hat ihren Grund: Infineon hat im vergangenen Geschäftsjahr gut 1,2 Milliarden Euro investiert, knapp ein Viertel mehr als im Vorjahr. So will CEO Ploss das Wachstum bewältigen. Zum Teil muss Infineon seine Auftraggeber monatelang vertrösten.

Die Investitionsquote ist um zwei Prozentpunkte auf 16,5 Prozent gestiegen. Das Geld floss vor allem in die weltweit 17 Werke. Damit liegt die Investitionsquote deutlich über dem im vergangenen Jahr angehobenen Ziel von 15 Prozent. Zuvor hatte der Manager 13 Prozent angestrebt. Ploss hat 2018 angekündigt, den Umsatz im Schnitt Jahr für Jahr um neun Prozent zu steigern. Ein Umsatzplus pro Jahr von lediglich acht Prozent hatte Ploss zuvor in Aussicht gestellt.

Es gibt Risiken, die die Anleger im Blick behalten sollten. Zum einen ist China für das Münchener Unternehmen enorm wichtig. Ein Viertel des Umsatzes stammt aus dem Land. Vergangenes Jahr brach der Absatz von Personenwagen in der Volksrepublik um sechs Prozent gegenüber 2017 ein. Es war der erste Rückgang seit zwei Jahrzehnten. Sollte sich die Konjunktur in dem riesigen Reich insgesamt abkühlen, könnte das Infineon ins Mark treffen.

Dämpfer im neuen Jahr

Darüber hinaus rechnen die Marktforscher für 2019 mit einem deutlich schwächeren Wachstum des Chipmarkts als vergangenes Jahr. Ein weltweiter Wirtschaftsabschwung könnte auch Infineon mitreißen. Anfang Februar hat Ploss bereits seine Prognose gekappt. Statt mit bis zu elf Prozent rechnet der Ingenieur für das laufende Geschäftsjahr nur noch mit neun Prozent Umsatzplus.

Die operative Marge soll etwa 17,5 Prozent statt der ursprünglich angepeilten 18 Prozent betragen. Ploss ist dennoch zuversichtlich: „Wir haben die Herausforderungen eines schwieriger werdenden Umfelds bislang gut gemeistert.“

Wichtig für Aktionäre: Im Frühjahr geht Finanzvorstand Dominik Asam. Der Aufsichtsrat hat bislang trotz monatelanger Suche keinen Nachfolger ernannt. An der Spitze des Aufsichtsrats steht ebenfalls ein Wechsel an. Der Chef von Voestalpine, Wolfgang Eder, 67, wird Eckart Sünner ablösen, der das Gremium seit vergangenem Frühjahr führt.

Bei dem österreichischen Stahlkonzern hört Eder im Sommer auf. Gut möglich, dass dann auch der Stabwechsel erfolgt. Den Zeitpunkt lässt der Konzern momentan aber offen. Infineon bleibt also in Bewegung. Zum Glück für die Anteilseigner stimmt die Richtung.

Mehr: Hier können Sie nachlesen, warum der von Anlegern erwartete Crash in der Chipbranche ausgeblieben ist und die Aktienkurse von Infineon, NXP und ST Micro steigen.

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