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Bilanzcheck Deutsche Telekom will so viel investieren wie nie zuvor

Der Mobilfunkstandard 5G und das US-Geschäft verlangen der Deutschen Telekom Rekordinvestitionen ab. Der Dax-Konzern ringt um Effizienz.
27.03.2019 - 03:58 Uhr Kommentieren
Deutsche Telekom will 12,7 Milliarden Euro investieren Quelle: dpa
Deutsche Telekom

Der Dax-Konzern ist die höchstbewerteste Telekomfirma Europas.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Timotheus Höttges hat ein zentrales Versprechen eingelöst. Dem CEO der Deutschen Telekom ist es gelungen, den Dax-Konzern zur höchstbewerteten Telekomfirma Europas auszubauen. Unter dem Slogan „Leading European Telco“ dürfte Höttges diesen Führungsanspruch auch auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag in Bonn bekräftigen.

Diesen Führungsanspruch konnte der 56-Jährige vor allem dank eines starken Geschäfts in den USA erreichen. Doch ein genauer Blick in die Daten für die US-Tochter T-Mobile US entlarvt, dass der Markt für die Telekom bei Weitem nicht so lukrativ läuft, wie es scheint.

Erst wenn die Fusion mit dem Rivalen Sprint gelingt, dürfte es deutlich besser laufen. Doch die Entscheidung darüber liegt nicht bei der Telekom, sondern bei den US-Behörden. Und auch in Europa steht der Konzern vor großen Herausforderungen. Etliche Auktionen für den künftigen Mobilfunkstandard 5G stehen an.

Zumindest stimmt die Basis für den Konzern. Der Umsatz ist im vergangenen Jahr organisch – also bei konstanten Wechselkursen und unverändertem Konsolidierungskreis – um 3,1 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro gewachsen. Bereinigt um Sondereinflüsse, etwa der Einigung im Schiedsverfahren um den Mautbetreiber Toll Collect, weist die Telekom ein um 7,2 Prozent auf 23,3 Milliarden Euro gestiegenes bereinigtes Ergebnis (Ebitda) aus.

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    Der Konzernüberschuss ist zwar von 3,5 Milliarden Euro im Vorjahr auf 2,2 Milliarden für das Jahr 2018 gefallen. Der Rückgang war jedoch erwartet worden. Denn im Vorjahr hatte die Telekom etwa in den USA von einer Rückzahlung durch die US-Steuerreform profitiert. „Die Steuerreform gab es leider nur einmal“, sagte Höttges bei der Bilanzpressekonferenz.

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    Den Free Cashflow, der Maßstab für die Dividende ist, konnte die Telekom um 0,7 Milliarden Euro auf 6,2 Euro steigern. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Telekom die US-Tochter T-Mobile US verstärkt konzernintern finanziert, dadurch günstigere Konditionen erreicht und Zinsen spart. Entsprechend soll die Dividende von 0,65 Cent je Aktie auf 0,70 angehoben werden.

    Ausgerechnet in ihrer zentralen Steuergröße, der Kapitalrendite (ROCE) schwächelt die Telekom jedoch. Sie zeigt, wie effizient der Konzern mit dem eingesetzten Kapital wirtschaftet. Grundlage dieser Kennziffer ist der operative Gewinn nach Steuern (Ebit verringert um den Steueraufwand). Dieser Wert ist zu teilen durch die Bilanzsumme (abzüglich nicht zinstragender Verbindlichkeiten und liquider Mittel).

    Der Dax-Konzern verschlechterte sich in dieser wichtigen Messgröße um 1,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr auf 4,7 Prozent. Erklärtes Ziel der Telekom ist es aber, dass der Wert die Kapitalkosten übersteigt. Wie der Konzern einräumt, war das 2018 nicht der Fall.

    Wie weit die Telekom von ihrem Ziel entfernt ist, gibt sie nicht an. Die Finanzagentur Bloomberg aber weist für das vergangene Jahr für die Telekom „gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten“ (kurz WACC) von 5,4 Prozent aus. Demnach fehlte zuletzt eine Marge von 0,7 Prozentpunkten.

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    Die Kapitalrendite ist für die Telekom eine zentrale Steuergröße. Denn in der gesamten Telekommunikationsbranche werden zwar hohe Umsatzrenditen erwirtschaftet. Die Firmen müssen jedoch jährlich enorme Investitionen in ihre Netze tätigen, um die steigenden Ansprüche der Kunden zufriedenzustellen und wettbewerbsfähig zu bleiben.

    Selbst ohne die Ausgaben für Mobilfunkfrequenzen investierte die Telekom 2018 den Rekordbetrag von 12,2 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr kündigte Finanzvorstand Christian Illek an, die Ausgaben auf 12,7 Milliarden Euro zu steigern. Sie sollen den Umstieg auf den künftigen Mobilfunkstandard 5G vorbereiten. In dem geplanten Investitionsbetrag sind die Kosten für Frequenzauktionen nicht mitgerechnet. In Deutschland läuft seit dem 19. März die Auktion. Und in etlichen weiteren Ländern in Europa stehen ebenfalls Vergaben an.

    Und die Zukunft von T-Mobile US ist ungewiss. Die Beteiligung in den USA ist das Aushängeschild der Telekom. Die Vereinigten Staaten sind der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt für die Telekom. Das Geschäft in den USA steuerte mit 36,5 Milliarden Euro rund 48 Prozent zum Umsatz des Konzerns bei. Der Anteil der USA am bereinigten Ergebnis (Ebidta) lag mit rund 10,1 Milliarden Euro bei rund 43 Prozent.

    Doch das Geschäft in Nordamerika ist keinesfalls so lukrativ, wie es auf den ersten Blick scheint. Die bereinigte Ebitda-Marge für T-Mobile US lag 2018 bei 27,6 Prozent. Zum Vergleich: Im Segment Deutschland brachte es die Telekom auf eine bereinigte Ebitda-Marge von 39,7 Prozent.

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    Auch in Sachen Kapitalrendite (ROCE) ist die US-Tochter ein Underperformer. Nach Berechnungen des Handelsblatts schaffte T-Mobile US 2018 gerade einmal einen Wert von 3,4 Prozent – womit die US-Beteiligung 1,3 Prozentpunkte weniger abwarf, als der Bonner Konzern im Durchschnitt erwirtschaftete. Das Kapital wäre damit in anderen Teilen des Konzerns besser aufgehoben gewesen – zumindest bilanziell.

    Den ersehnten Effizienzgewinn in den USA soll der Zusammenschluss mit dem Rivalen Sprint bringen. Nach langen Verhandlungen war es Höttges gelungen, sich mit dem japanischen Konzern Softbank auf die Übernahme von dessen US-Mobilfunktochter zu verständigen. Die Telekom geht zwar von Integrationskosten in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar aus. Dafür erwartet sie anschließend jedoch auch Synergien im Barwert von rund 43 Milliarden US-Dollar.

    Damit das gelingt, fehlen der Telekom allerdings noch einige Genehmigungen der US-Behörden für den Deal. Noch steht das Okay der Telekommunikationsbehörde FCC und des Justizministeriums aus. Und es fehlen Genehmigungen auf der Ebene der Bundesstaaten. Die FCC hatte vor rund drei Wochen am Tag 122 ihrer 180-tägigen Frist die Prüfung ausgesetzt, um weitere von T-Mobile US eingereichte Unterlagen zu prüfen.

    Unterdessen sprechen sich einige Senatoren und Gewerkschaften gegen die Übernahme aus. Sie fürchten den Abbau zahlreicher Stellen und höhere Mobilfunkpreise. Dennoch zeigte sich Höttges optimistisch: „Wir sind zuversichtlich, die Genehmigungsverfahren insgesamt erfolgreich abschließen zu können.“

    Das US-Geschäft ist jedoch längst nicht die einzige Belastung für die Kapitalrendite der Telekom. Auch in Osteuropa gibt es Herausforderungen. So senkte die Telekom im vergangenen Jahr den Goodwill ihrer Beteiligung in Polen. In Rumänien schrieb sie den Goodwill komplett ab.

    Bislang ist Rumänien die einzige Beteiligung an einem Landessegment außerhalb Deutschlands, deren Goodwill die Telekom mit null Euro beziffert. Der Goodwill bemisst sich bei erworbenen Beteiligungen aus der Differenz zwischen gezahltem Kaufpreis und dem bewertbaren Vermögen des erworbenen Unternehmens.

    Die Beteiligung in Rumänien gestaltet sich seit Jahren schwierig. Allein 2018 brach das bereinigte Ergebnis (Ebitda) um rund 17 Prozent auf 138 Millionen Euro ein. Der Umsatz ging um vier Prozent auf 933 Millionen Euro zurück. Daraus ergibt sich eine bereinigte Ebit-Marge von gerade einmal 14,8 Prozent – ein schwacher Wert in der Telekommunikationsbranche.

    Um die Kapitalrendite zu steigern, müsste die Telekom die Marge ihrer Beteiligung in Rumänien deutlich erhöhen, oder sie müsste sie abstoßen. Gerüchte über einen Verkauf der Beteiligung in Rumänien gibt es seit einigen Jahren. Da jedoch auch der rumänische Staat an der Firma Anteile hält, könnte ein Verkauf auf Widerstand der Behörden stoßen.

    Eine weitere Sparte, die auf die Marge drückt, ist die angeschlagene Großkundentochter T-Systems. Zum Jahresanfang 2018 holte Höttges den US-Manager Adel Al-Saleh als Chef zu T-Systems, um das Geschäft wieder auf Profit zu trimmen. Der kündigte ein Kostensparprogramm sowie die Streichung und Verlagerung von bis zu 10.000 der rund 38.000 Mitarbeiter an. Zwar gelang es ihm, den Auftragseingang im Jahr 2018 um rund ein Drittel zu steigern. Jedoch brach das bereinigte Ergebnis (Ebitda) um 15,7 Prozent ein.

    Ein schwieriges Umfeld zeigt sich schon jetzt in der Bilanz der Telekom. Auf beiden Seiten des Atlantiks steht die Telekom unter Druck, ihr Kapital effizienter einzusetzen. Ihr Problem: Das eigene Geschäft liegt dabei häufig in den Händen von Regierungen und Behörden.

    Stärken und Schwächen der Telekom-Bilanz
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