Bill & Melinda Gates-Stiftung „Es geht uns nicht ums Geldverdienen“

Ist Mark Zuckerberg ein edler Spender oder nur ein guter Rechner? Die Europa-Direktorin der Gates-Stiftung sagt, was sie von der Stiftung des Facebook-Chefs hält – und warum sie 1,5 Milliarden Dollar in Firmen stecken.
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Melinda Gates und ihr Ehemann Bill: Das Paar hat es sich zur Aufgabe gemacht, allen Menschen ein produktives Leben möglich zu machen. Quelle: dpa
Bill und Melinda Gates

Melinda Gates und ihr Ehemann Bill: Das Paar hat es sich zur Aufgabe gemacht, allen Menschen ein produktives Leben möglich zu machen.

(Foto: dpa)

Anfang Dezember sorgte ein öffentlicher Brief von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg an seine neugeborene Tochter für Furore. Darin kündigte er an, 99 Prozent seiner Aktien an dem Sozialen Netzwerk in eine Stiftung überschreiben zu wollen. Die waren zu diesem Zeitpunkt 45 Milliarden Dollar Wert. Zu den ersten Gratulanten gehörte Melinda Gates. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, Microsoft-Gründer Bill Gates und Großinvestor Warren Buffett hat sie ebenfalls eine Stiftung gegründet, mit einem Kapital von derzeit rund 41 Milliarden Dollar. Anja Langenbucher, Direktorin des Europa-Büros der Stiftung steht Rede und Antwort.

„Gute Entwicklungszusammenarbeit kann langfristig armutsbedingte Migration verhindern,“ sagt die Direktorin des Europa-Büros der Bill & Melinda Gates-Stiftung.
Anja Langenbucher

„Gute Entwicklungszusammenarbeit kann langfristig armutsbedingte Migration verhindern,“ sagt die Direktorin des Europa-Büros der Bill & Melinda Gates-Stiftung.

Frau Langenbucher, die Bill & Melinda Gates-Stiftung war lange die bekannteste Privatstiftung der Welt. Jetzt hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Ihnen mit der Ankündigung, eine derzeit 45-Milliarden schwere Stiftung zu gründen, wahrscheinlich den Rang abgelaufen. Stört Sie das?
Nein. Das ist sehr zu begrüßen und ein tolles Zeichen. Wir stehen vor großen Herausforderungen, und es gibt viel zu tun. Da ist jede Unterstützung hilfreich.

In Deutschland wurde dieser Schritt Zuckerbergs von einigen als Marketingaktion oder Steuersparmodell abgetan. Kennen Sie diesen Vorwurf gegenüber Ihrer Stiftung, die ebenfalls ein erfolgreicher Unternehmer gegründet hat?
Ab und zu haben wir mit solchen Vorwürfen zu tun – in  Europa mehr als in anderen Ländern. In den USA ist das Spenden ein Teil der Kultur. Wichtige Teile des gesellschaftlichen Lebens werden dort schon seit Jahrhunderten durch Philanthropie finanziert. Der grundsätzlich kritische Gedanke, dass jemand nur spendet um …. ja, um was eigentlich? Natürlich spart Zuckerberg Steuern, aber er hat das Geld ja auch nicht mehr zur Verfügung.

Wie reagieren Sie auf den Vorwurf, Ihre Stiftung sei nur ein Prestigeprojekt des Ehepaars Gates?
Das stört mich nicht. Die Stiftung ist aus einer Grundüberzeugung von Bill und Melinda Gates entstanden. Sie haben sich ein Ziel gesetzt und das verfolgen sie. Ihr Kernziel ist, dass jeder Mensch ein Recht auf ein produktives Leben haben sollte, wo auch immer auf der Welt er geboren worden ist. Deswegen ist uns etwa unser Impfprojekt Gavi so wichtig: Wieso sollte ein in Deutschland geborenes Kind Zugang zu einer Grundimmunisierung haben und eines, das woanders geboren wird, nicht.

Beruhigt diese Erklärung Kritiker?
Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir halten dies für eine gute Erklärung. Und wir bleiben kritisch. Bill und Melinda reisen viel zu den Projekten, überprüfen vor Ort den aktuellen Stand und geben Impulse für neue Initiativen.

Bill Gates hat einmal gesagt, die Stiftung würde wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt. Was bedeutet das?
Unser Ansatz ist etwas anders als der traditioneller Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit. Das liegt zum einen daran, dass wir eine private Stiftung sind und unsere Mittel anders einsetzen können als wenn sie steuerfinanziert wären. Wir können uns etwa stärker fokussieren und uns Teilprobleme rausgreifen, von denen wir glauben, dass sie einen besonderen Einfluss haben. Dann können wir deutlich risikoreichere, aber auch innovativere Projekte ausprobieren. Denn wenn sie nicht klappen, müssen wir uns nicht vor den Steuerzahlern rechtfertigen. Die Entwicklungsarbeit braucht solche Projekte. Bill Gates ist ein Unternehmer, der mit einem starken Fortschrittsoptimismus daran glaubt, dass Innovation viele Probleme beheben kann.

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11 Kommentare zu "Bill & Melinda Gates-Stiftung: „Es geht uns nicht ums Geldverdienen“"

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  • Endlich Privat-Leute die die Welt zum Besseren ändern, wir sollten alle dankbar sein.

  • Raten wir: Bill Gates ist die Reibungshitze beim über den Tisch ziehen seiner Kunden so peinlich, dass es ihn in die Wohltätigkeit getrieben hat.

    Zücken wir also die Taschentücher

  • ach nee, das heißt ja Windwos oder Windows oder irgendwas mit Fenster zur Welt....

  • Bei "indows 10 wird mir so richtig warm ums Herz vor soviel Philanthropie, dass mit fast die Tränen kommen wollen.

  • „Es geht uns nicht ums Geldverdienen“
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    Philanthropie wird jenen überlassen bleiben, die es längst nicht mehr "nötig" haben, Geld zu verdienen - Die Rede ist, mit Verlaub, von Leuten, die kräftig mitgeholfen haben "das System" zu erodieren, um hernach als Philanthropen groß Staat zu machen.

    Dabei ist weder Geldverdienen oder Geldmachen das Problem - noch Philanthropie.

    Unseren edlen Spendern wird die Einsicht kaum erspart bleiben: wohltätig zu werden, wenn man schon nicht mehr weiss wohin mit der Kohle.

    Ehren wir sie also und ihr erstaunlich schlicht gestricktes Weltbild.

  • Zitat: "Das Paar hat es sich zur Aufgabe gemacht, allen Menschen ein produktives Leben möglich zu machen."
    Dann hätten sie mal durchdachte Software machen sollen. Damit wäre die Arbeit vieler Menschen deutlich produktiver (gewesen). Um den Scheiß auszugleichen müssen sie viiiiel spenden.

  • Egal was der Wohlhabende macht ... der "kleine Mann" wird immer mosern. Deshalb ist er ja auch der "kleine Mann" geblieben.
    Ich würde als Milliardär nichts spenden. Gar nichts!!

  • Hat Du was trunken oder raucht ?

  • Das deutsche Volk, jawoll das DEUTSCHE VOLK, himmelsakrament halleluja sog i, das Deutsche volk wird nie und nimmer diese honks wählen die hier penetrant beworben werden. Nie und nimmer. halleluja. Wenn alle 5 min die partei beworben wird dann kommt selbst dem größten depp komisch vor. halleluja sog i. und guat is.

  • Jeder Dollar, der am Staat, Frau Merkel und ihren Freunden vorbei, sinnvoll verwendet wird, ist mir recht.

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