Blackberry-Chef John Chen im Interview „Es gibt eine gute Chance auf ein Comeback“

Blackberry gibt es noch? Der Smartphone-Hersteller hat schwere Jahre hinter sich, doch Konzernchef John Chen verbreitet Optimismus: „Es gibt keine fundamentalen Probleme.“ Nun muss er noch seine Arzthelferin überzeugen.
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Der Manager richtet das Unternehmen neu aus – Software spielt eine immer wichtigere Rolle. Quelle: ap
Blackberry-Chef John Chen

Der Manager richtet das Unternehmen neu aus – Software spielt eine immer wichtigere Rolle.

(Foto: ap)

DüsseldorfJohn Chen erfindet Blackberry neu: Der Vorstandschef will die sichere Software des berühmten, aber kriselnden Smartphone-Herstellers künftig auch auf Geräten von Konkurrenten anbieten und so ein neues Geschäft aufbauen. Dabei spielt die deutsche Tochterfirma Secusmart, die seit 2014 zum Konzern gehört, eine wichtige Rolle. Bei einem Besuch in deren Düsseldorfer Büro nimmt sich der Konzernchef Zeit für ein Gespräch mit dem Handelsblatt – über spricht die neue Strategie und warum Blackberry immer noch eigene Handys baut.

Herr Chen, Firmen können Blackberry-Software künftig auch auf den Geräten anderer Hersteller nutzen. Warum sollten sie noch Blackberry-Smartphones kaufen?
Zum einen bietet Blackberry immer noch die höchste Sicherheit. Zum anderen sind der Akku und die Antenne viel besser. Außerdem gibt es viele Kommunikationsfunktionen. Es gibt starke Funktionen bei der Hardware, wir teilen nur die Software mit anderen Firmen.

Apple und Android dominieren aber den Markt. Welche Zielgruppe bleibt Ihnen da?
Wir konzentrieren uns auf Leute, die das Smartphone für die Arbeit brauchen, nicht für Spiele oder Videos – wir nennen sie „Power Professionals“. Dazu zählen beispielsweise Regierungsmitarbeiter, die eine sichere Kommunikationsplattform brauchen, aber auch Ärzte, Forscher, Anwälte oder Investment-Banker.

Sie haben sich also von den Durchschnittsnutzern verabschiedet?
Bei meinem Arzt sagte die Arzthelferin – ein junges Mädchen –, als sie mein Blackberry Passport sah: „Was ist das? Macht Blackberry immer noch Handys?“ Ich verstehe so eine Reaktion. Aber ich hoffe, dass die Öffentlichkeit in den vergangenen 18 Monaten wieder ein besseres Bild von Blackberry bekommen hat. Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen, aber es gibt eine gute Chance auf ein Comeback.

Quadratisch, praktisch, gut?
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Die Maße seines Namensgebers: Das Blackberry Passport hat das Format eines Reiseausweises, was Mobilität suggerieren soll. Auf den ersten Blick wirkt das Smartphone eher wie ein Mini-Computer mit quadratischem Bildschirm. Mit dem Metallrahmen und der ungewohnten Form zieht er im Büro aber sicher den einen oder anderen neugierig-wertschätzenden Blick auf sich.

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Auf der QWERTZ-Tastatur lässt sich gut schreiben, auch wenn das Y unten links anfangs schwer zu erreichen ist. Auch das Fehlen von Umlauten macht sich bemerkbar. Wenn man den Dreh erst einmal raus hat, schreibt es sich auch dank der Gesten-Steuerung recht angenehm.

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Größer als ein Smartphone, kleiner als ein Tablet: Mit seinen Ausmaßen ist das Passbook ein Zwischending, was die Branche als Phablet bezeichnet. Das Gerät passt zwar in eine Hosentasche, besser aufbewahrt aber ist es in der Innentasche eines Anzugs.

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Ganz schön wuchtig: Wie ein klassisches Smartphone sieht das Passport nicht aus, wenn man es sich ans Ohr hält. Wenn man es aber eh in der Anzugtasche trägt und mit einem Headset telefoniert, sollte die Größe weniger stören.

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Trotz der Tastatur: Einen Menü- oder Zurück-Button gibt es nicht. Die Navigation läuft beim Betriebssystem Blackberry 10 hauptsächlich über Gestensteuerung. Will man etwa ein Programm schließen, wischt man vom unteren Ende des Displays in die Mitte. Ein Tutorial erklärt alles.

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Alle Nachrichten auf einen Blick: Die Kommunikation bündelt Blackberry in der Nachrichtenzentrale Blackberry Hub.

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An der Seite befinden sich zwei Lautstärke-Regler. Mit dem Knopf dazwischen  kann man Videos und Sound-Dateien stoppen und fortsetzen. Hält man ihn länger gedrückt, wird der Spracheingaben-Assistent aufgerufen. Im Test wurde der Knopf kaum benutzt. Übrigens ist das Passbook auch ungefähr so dick wie ein Reisepass – der Vergleich zeigt es.

Allerdings ist der Verkauf im vergangenen Quartal weiter gefallen auf 1,6 Millionen Geräte…
Wir wussten, dass es so kommen würde. Wir wollen nicht zu viel Inventar aufbauen, weil das teuer ist. Wenn Sie heute ältere Modelle kaufen wollten, könnte selbst ich Ihnen kaum eines besorgen. Was dazu kommt: Die beiden größten Netzbetreiber in den USA, AT&T und Verizon, habe unsere neuen Geräte erst sehr spät ins Programm genommen, das ist kaum in die Bilanz eingeflossen. Es gibt aber keine fundamentalen Probleme im Hardware-Geschäft.

Eine Comeback-Story klingt aber anders.
Die Wende wird zwei Jahre dauern, das vergessen viele Leute. Noch vor einem Jahr haben wir Geld verbrannt und die Margen waren sehr niedrig. Erstmal ging es darum, einen positiven Cashflow zu erzeugen, jetzt verdienen wir wieder. Erst im nächsten Jahr wollen wir wieder wachsen. Viele Medienberichte waren sehr unfair, weil sie den Zeitplan außer Acht gelassen haben.

„Wir investieren mehr in Software als in die Geräte“
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2 Kommentare zu "Blackberry-Chef John Chen im Interview: „Es gibt eine gute Chance auf ein Comeback“"

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  • Danke für den Hinweis, das ist natürlich völlig richtig, auch wenn der Name Symbian aus Gewohnheit immer noch geläufiger ist als Sybase. Wir haben den Fehler korrigiert.

    Christof Kerkmann, Handelsblatt

  • Wann Mr. Chen bitte Symbian Chef? Eher Sybase nehme ich an.

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