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Blitzanalyse Vodafone erleidet Umsatzeinbruch

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Deutschland ist der wichtigste Einzelmarkt der Briten, hier lief das Geschäft besser. Quelle: dpa
Vodafone

Deutschland ist der wichtigste Einzelmarkt der Briten, hier lief das Geschäft besser.

(Foto: dpa)

London, DüsseldorfDer britische Telekomriese Vodafone hat am Mittwochmorgen Zahlen zu seinem ersten Geschäftsquartal vorgelegt. Hier die Eckdaten im Überblick.

  • Der Umsatz von Vodafone sank im ersten Quartal um 4,9 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte Vodafone ein Minus von 3,3 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro vermeldet. Zur Begründung verwies das Unternehmen zum einen auf ungünstige Wechselkurse und eine Umstellung der Bilanzierungsregeln.
  • Die deutsche Tochter von Vodafone kann derweil glänzen. Über alle Dienste hinweg verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzplus von 2,4 Prozent im abgelaufenen Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 2,55 Milliarden Euro.
  • Den Gewinn teilt Vodafone nur halbjährlich mit.
  • Für das Gesamtjahr hält das Management an seinen Prognosen fest. Das bereinigte Ergebnis (Ebitda) soll damit um ein bis fünf Prozent steigen und würde damit zwischen 14,15 bis 14,65 Milliarden Euro betragen.

Das fällt positiv auf

Gut läuft das Geschäft in Ländern wie der Türkei, Südafrika oder Ägypten. Auch surfen die Vodafone-Kunden immer mehr auf ihren Handys. Im vergangenen Quartal nutzten die Vodafone-Kunden im Schnitt 3,3 Gigabyte pro Monat – das sind 57 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor.

Beim Blick auf den wichtigen Deutschland-Markt kann das Unternehmen in den Kernbereichen Mobilfunk und Festnetz ein ordentliches Plus beim Service-Umsatz verbuchen. Im Mobilfunk steigt der Erlös im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,7 Prozent auf 1,515 Milliarden Euro.

„Im Mobilfunk zeigen wir im Umsatz das beste Quartal seit über fünf Jahren, mit einer Viertelmillion neuer Vertragskunden“, kommentierte Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter die Zahlen. Im Festnetz liegt das Plus sogar bei 3,4 Prozent auf 1,035 Milliarden Euro.

Allerdings gelang es dem Wettbewerber Telefónica Deutschland, der ebenfalls am Mittwoch Zahlen vorlegte, die Zahl der Mobilfunkvertragsabschlüsse sogar zwischen April und Juni um 333.000 zu steigern. Gleichzeitig konnte Telefónica Deutschland den Betriebsgewinn deutlich steigern. Das bereinigte Betriebsergebnis (Oibda) stieg von Januar bis Juni um 6,1 Prozent auf 927 Millionen Euro, wie der zum spanischen Telefónica-Konzern gehörende Mobilfunker mitteilte.

Das fällt negativ auf

Vor allem in Italien und Spanien ging der Umsatz von Vodafone deutlich zurück. Neue Regulierungsvorschriften und ein harter Konkurrenzkampf setzen dem Unternehmen hier zu, das hatte Firmenchef Vittorio Colao bereits angekündigt. Zwar konnte Vodafone im ersten Quartal in Europa 128.000 Neukunden für sein Breitbandnetz gewinnen, das war aber deutlich weniger als ein Jahr zuvor (237.000).

In Deutschland ging die Zahl der Mobilfunkkunden zurück. Verzeichnete Vodafone Deutschland von April bis Juni 2017 noch 30.838 Millionen Kunden, waren es im abgelaufenen Quartal nur noch 29,896 Millionen. Schuld daran ist laut Unternehmensangaben eine Sondersituation. Der verschärften Anti-Terrorvorgaben führen dazu, dass auch Prepaid-Karten mit einem Ausweis registriert werden müssen. Das Prozedere ist komplizierter als zuvor. Es trifft jedoch nicht nur Vodafone, sondern alle Anbieter von Mobilfunkkarten.

Die Situation hat für Vodafone jedoch auch einen positiven Nebeneffekt. Zwar konnte der Anstieg der Vertragskunden nicht den Rückgang bei den Prepaid-Karten auffangen. Aber mit den Festverträgen verdient Vodafone mehr Geld. Das führt dazu, dass der für die Mobilfunkbranche wichtige durchschnittliche Monatsumsatz je Nutzer (Average Revenue per User, kurz ARPU) um 3,6 Prozent auf 15,4 Euro gestiegen ist. Anders gesagt: Vodafone hat zwar mehr Kunden verloren als gewonnen. Doch die neuen Kunden mit festen Verträgen bringen mehr Umsatz als zuvor.

Was jetzt passiert

Das alles dominierende Thema für die nächsten Monate dürfte die Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia werden. Vodafone hat im Mai die Landesgesellschaften von Unitymedia-Mutter Liberty Global in Deutschland und Osteuropa für 18,4 Milliarden Euro gekauft. Bis Mitte kommenden Jahres dürften die Kartellbehörden über den Deal entschieden haben.

Vodafone ist seit dem Kauf von Mannesmann (D2) im Jahr 2000 in Deutschland aktiv. 13 Jahre später kaufte das Unternehmen Kabel Deutschland und verfügt seitdem über ein weitreichendes Kabelnetz – außer in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. In diesen Bundesländern ist Unitymedia aktiv.

Diese Trennung ist historisch bedingt: Die Deutsche Telekom musste nach der Privatisierung 1998 eines ihrer beiden Netze verkaufen: das Telefon- oder das TV-Kabelnetz. Sie entschied sich für letzteres, spaltete es auf und veräußerte es an unterschiedliche Anbieter. Doch die konsolidierten sich, und übrig blieben im Wesentlichen drei: die Firma Kabel Deutschland, die dann von Vodafone gekauft wurde, Unitymedia und Tele Columbus.

Gegen die Unitymedia-Übernahmen bringen sich die Vodafone-Wettbewerber in Stellung, allen voran die Deutsche Telekom und deren Chef Timotheus Höttges. Er hatte die Übernahme als nicht genehmigungsfähig bezeichnet. Letztlich werden das die Wettbewerbsbehörden entscheiden.

Für Vodafone ist jetzt schon klar, dass im kommenden Jahr massive Kosten auf das Unternehmen zukommen werden. Und die betreffen vor allem das Geschäft in Deutschland. Denn wenn die Übernahme genehmigt wird, kommen die Integrationskosten für Unitymedia in den Betrieb der Vodafone auf die Gesellschaft zu.

Gleichzeitig sollen im kommenden Jahr die Lizenzen für den nächsten Mobilfunkstandard versteigert werden. Vodafone wird vermutlich viel Geld in die Hand nehmen müssen, um sich attraktive Lizenzen sichern zu können und muss gleichzeitig massiv in den Netzausbau finanzieren. Denn die bestehenden Mobilfunkstationen müssen nicht nur für 5G umgerüstet werden, es müssen auch noch viele zusätzliche Stationen errichtet werden.

Und zu alledem steht Vodafone eine Zeitenwende bevor: Im Oktober übergibt der langjährige – und erfolgreiche – Firmenchef Vittorio Colao seinen Posten an den bisherigen Finanzvorstand Nick Read. Der kennt das Unternehmen aber bestens: Schließlich ist er seit 17 Jahren bei Vodafone und hatte eng mit seinem Chef Colao zusammengearbeitet.

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