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Burda-Chef im Interview Paul-Bernhard Kallen: „Wir müssen eine eigene digitale Infrastruktur aufbauen“

Der Burda-Chef kritisiert, dass die US-Tech-Konzerne die Spielregeln diktieren. Er fordert ein Ende der Abhängigkeit und plädiert für eine digitale Souveränität in Europa.
03.08.2020 - 04:00 Uhr 5 Kommentare
Der Burda-CEO glaubt, dass es einen europäischen Gegenpol zur Vormachtstellung US-amerikanischer Tech-Konzerne geben müsse. Quelle: Daniel Grund für HBM
Paul-Bernhard Kallen

Der Burda-CEO glaubt, dass es einen europäischen Gegenpol zur Vormachtstellung US-amerikanischer Tech-Konzerne geben müsse.

(Foto: Daniel Grund für HBM)

München Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen plädiert für digitale Souveränität und fordert, dass Europa seine Rechte und Werte gegen die US-Tech-Konzerne durchsetzt. „Wir müssen eine eigene digitale Infrastruktur aufbauen, die unseren Wertvorstellungen entspricht – das betrifft den Browser, Suchmaschinen und so weiter“, sagte Kallen im Interview mit dem Handelsblatt.

Zudem bräuchte es eine entsprechende Regulatorik. „Wir müssen den bestehenden Playern Vorschriften machen, wie unsere Infrastruktur auszusehen hat. Diese Vorschriften müssen Europas Werte widerspiegeln, Werte wie Datenschutz, Datensicherheit, Datenintegrität.“

Europa müsse Regeln aufstellen und Gesetze erlassen, die nicht nur für alle ansässigen Firmen gelten würden, sondern auch für die außereuropäischen Unternehmen, die europäische Kunden bedienten. „Wir beschützen die Bürger in Deutschland sehr effizient vor deutschen Unternehmen, aber null vor außereuropäischen Unternehmen. Das ist ein Akt der Selbstgeißelung, der mir nicht einleuchtet. So bleibt Europa bei der digitalen Infrastruktur abhängig von ausländischen Firmen.“ Dabei befürchtet Kallen, dass der Aufbau digitaler Souveränität in Europa nur zum Preis außenpolitischer Konflikte gelingen werde. „Amerika tut gerade sehr viel dafür, dass Europa eine digitale Kolonie bleibt.“

Dass der Betrugsskandal rund um Wirecard die Euphorie für neue Technologien in Deutschland bremsen könnte, das glaubt der Burda-Chef nicht. Ihm kommt bei dem Thema eine andere Frage in den Sinn. „Die Frage ist eher, warum Payment keine Kernkompetenz der großen deutschen Banken ist“, sagte Kallen.

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    Das Geschäft läuft bei der Burda-Gruppe, zu deren bekanntesten Marken in Deutschland „Focus“ und „Bunte“ sowie Beteiligungen wie Holidaycheck und Events wie die Digitalkonferenz DLD gehören, laut Kallen trotz Coronakrise stabil. Das Unternehmen habe im ersten Halbjahr „mehr oder weniger den gleichen Umsatz gemacht wie 2019“. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 2,79 Milliarden Euro. „Das Ergebnis ist leicht besser als im Vorjahr. Das Investmentgeschäft lief noch vor Corona, also im Januar und Februar, sehr stark.“

    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Herr Kallen, viele Unternehmen, auch Verlage, leiden massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie. Wie geht es Burda?
    Gut. Jens Spahn war Mitte Februar zur Sicherheitskonferenz in München und bei Burda zu Gast. Er hat die Lage in China – und was sie für uns in Deutschland bedeutet – nachvollziehbar erklärt. Deswegen sind wir, als die Bedrohung hier greifbarer wurde, den Vorgaben des Gesundheitsministers gefolgt, der die Krise bislang gut gemanagt hat. Wir haben für viele Mitarbeiter die Möglichkeit geschaffen, von zu Hause aus zu arbeiten, und auch die Produktionsprozesse in der Druckerei und Logistik umgestellt.

    Und wie haben sich die Geschäfte bei Burda entwickelt? Für wegbrechende Umsätze gibt es keine Hygienekonzepte.
    Das stimmt. Wir haben im ersten Halbjahr allerdings mehr oder weniger den gleichen Umsatz gemacht wie 2019. Es gab also keinen Einbruch, wir sind aber auch nicht wie geplant um 4,5 Prozent gewachsen. Im letzten Jahr lagen wir bei einem Plus von 4,8 Prozent auf rund 2,8 Milliarden Euro, haben 177 Millionen Euro investiert.

    Die deutsche Wirtschaft steckt in der schlimmsten Rezession der Nachkriegsgeschichte, und bei Burda läuft fast alles nach Plan. Wie ist das möglich?
    Wachstum und Aufräumen standen schon vor Ausbruch der Coronakrise bei Burda im Vordergrund, deswegen sind wir mit einem gewissen Kostenvorteil ins Jahr gestartet. Dadurch wurde manches abgefedert. Das Ergebnis ist leicht besser als im Vorjahr. Das Investmentgeschäft lief noch vor Corona, also im Januar und Februar, sehr stark.

    Wachstum und Aufräumen – geht es ein wenig konkreter?
    Wir hatten nirgendwo Rückenwind. Aber wir haben im Digitalgeschäft, etwa beim E-Commerce, und auch in der Druckerei den Umsatz steigern können. Das klassische Anzeigengeschäft ist rückläufig, jedoch nach wie vor lukrativ, hat aber mit drei bis vier Prozent einen sehr geringen Anteil am Konzernumsatz. Das Tourismus- und Eventgeschäft ist komplett weggebrochen.

    Das Online-Reiseportal Holidaycheck hat die Krise sicher stark getroffen. Gibt es schon Überlegungen, strukturell etwas zu verändern – oder sich vielleicht gar zu trennen?
    Reisen ist ein Grundbedürfnis der Menschen. Und sie werden auch weiterhin Informationen im Netz suchen und dort buchen. Tendenz steigend. Holidaycheck plant, ergänzend zu den Paketen anderer Reiseveranstalter künftig mehr eigene Reisepakete zu verkaufen. Dieses und nächstes Jahr wird sich der Reisemarkt allerdings noch nicht erholen. Und wir hängen an regulatorischen Vorgaben: Wenn die Flugreise künftig doppelt so teuer sein wird wie in der Vergangenheit, was durchaus möglich ist, dann werden die Menschen weniger reisen.

    Und wann wird sich das Eventgeschäft wieder erholen?
    Wenn man sich nicht treffen kann, dann geht natürlich ein Teil von dem verloren, was so einen Event ausmacht. Nähe, Emotionalität, Networking. Wir testen gerade Webinars. Wenn man eine starke Marke hat, dann ist das ein gutes Tool, um die bestehende Community am Leben zu erhalten; aber ein schlechtes, um eine neue Community aufzubauen.

    Die Zeit ist für Verlage geradezu paradox: auf der einen Seite massive ökonomische Herausforderungen wegen der Coronakrise, auf der anderen Seite ein enormer Zuspruch zum Qualitätsjournalismus, weil die Menschen nach seriösen Informationen und Einordnung suchen – und nicht nach Kampagnen. Wie gehen Sie mit dem Dilemma um? Lob an die Redaktion bei gleichzeitiger Einführung von Kurzarbeit?
    Wir haben im Unternehmen nur minimal Kurzarbeit eingesetzt, allerdings nicht in Kernbereichen. Wir versuchen, wie schon seit Jahren, ohne Denkverbote neue Erlösquellen zu finden. Mit einigen journalistischen Produkten gelingt uns das gut. Wir haben Reichweite in mehr Umsatz umwandeln können. Aber es ist ganz klar, dass sich durch die Unachtsamkeit in Europa auf der Gegenseite des Atlantiks die größten Konzerne dieses Planeten positioniert haben – Amazon, Google, Facebook. Und deren Geschäftsmodell fußt darauf, nichts für Inhalte zu bezahlen. Sie diktieren die Spielregeln, und dadurch ist der Raum, der geblieben ist, um digital Erlöse zu erzielen, klein geworden.

    Wer ist schuld an der „Unachtsamkeit“ – die Politik, die Wirtschaft?
    Ab Mitte/Ende der 90er hat die Clinton-Administration geschaut, wo Amerika wachsen kann, und die entsprechenden Weichen gestellt. Es wurden zum Beispiel Gesetze zur Begrenzung der Haftung im Netz erlassen und Ausnahmeregelungen bei der Umsatzsteuer eingeführt. Amazon hat bis 2010 keine Umsatzsteuer in Amerika bezahlt. Fortune hat mal ausgerechnet, dass Amazon dadurch 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr gespart hat. China hat es ungefähr zehn Jahre später ähnlich gemacht und die heimischen Tech-Firmen gezielt gefördert. Viele andere Länder auch. Nur Europa nicht.

    Warum nicht?
    In Europa hat man gedacht, es geht automatisch. Die Politik hat nicht verstanden, dass nicht die Wirtschaft die Rahmenbedingungen setzt, sondern sie selbst. Und dass man Rahmenbedingungen braucht, damit neue Märkte entstehen können. Und dann gab es zur Jahrtausendwende einen kapitalstarken deutschen Medienkonzern, der sowohl in Europa als auch in den USA etabliert war und im Suchmaschinen-, Cloud- und E-Commerce-Geschäft etwas zu bieten hatte.

    Bertelsmann
    Ja. Das hat sich dann zwar im Laufe der Zeit anders entwickelt, aber wegen dieser Gemengelage haben wir uns als Mittelständler aus diesen Feldern ferngehalten und sind ab 1999 ins Venture-Capital-Geschäft eingestiegen.

    Wie kann Europa den Anschluss an die USA und China halten? Oder ist der Zug bereits abgefahren und außer Reichweite?
    Dazu brauchen wir einen echten Kraftakt. Wir müssen eine eigene digitale Infrastruktur aufbauen, die unseren Wertvorstellungen entspricht – das betrifft den Browser, Suchmaschinen und so weiter. Zudem brauchen wir eine entsprechende Regulatorik. Wir beschreiten ja kein Vakuum, sondern dringen vor in die Domäne der größten Konzerne der Geschichte der Menschheit mit einer Finanzkraft, die eher denen von Staaten entspricht. Die Tageskursschwankung von Apple hat den Wert der gesamten Siemens AG. Gegen die können wir im direkten Wettbewerb nichts mehr ausrichten. Die Anwendung bestehender Gesetze, gerade im Wettbewerbsrecht, reicht nicht. Margrethe Vestager…

    … die EU-Wettbewerbskommissarin …
    … hat eine ganze Reihe mutiger Entscheidungen getroffen und ein paar Milliarden eingenommen. Aber sie hat an den Spielregeln nichts verändern können.

    Wie müsste sich die Regulatorik ändern?
    Wir müssen den bestehenden Playern Vorschriften machen, wie unsere Infrastruktur auszusehen hat. Diese Vorschriften müssen Europas Werte widerspiegeln, Werte wie Datenschutz, Datensicherheit, Datenintegrität. Aber noch mal: Alles fängt damit an, dass wir einsehen, dass wir uns eine eigene digitale Infrastruktur aufbauen müssen. Technologie ist nie werteneutral. Der Code ist das Gesetz. Geht es um 5G oder Energieversorgung, dann reden wir jahrelang über Infrastruktur und Prozesse. Wenn es um das Internet geht, nicht.

    Apropos Technologie: Glauben Sie, dass der Betrugsskandal rund um Wirecard die Euphorie für neue Technologien in Deutschland bremsen könnte?
    Nein. Das ist eine traurige Geschichte, viele Mechanismen haben versagt. Daraus ziehen wir Lehren. Die Frage ist eher, warum Payment keine Kernkompetenz der großen deutschen Banken ist …

    Gibt es in Deutschland denn die Firmen, die eine digitale Infrastruktur aufbauen können?
    In Sachen Technologie und Talente stehen wir den USA und China in nichts nach. Wir bei Burda haben zum Beispiel mit Cliqz einen Browser mit integrierter Suchmaschine entwickelt, weil wir beweisen wollten, dass das in Europa geht, um zu entmystifizieren. Und siehe da, es geht. Sogar ohne Datensammelei, die braucht man aus kommerziellen Gründen nicht, sondern nur dann, wenn man Menschen überwachen will. Das steht aber keinem anderen Menschen zu.

    Aus der Bevölkerung kommt kein Aufschrei, wenn es um Datenschutz geht. Warum?
    Wir haben eine Umfrage mit Allensbach durchgeführt, und es kam ganz klar heraus, dass es den Menschen nicht egal ist, was mit ihren Daten passiert. Aber sie können sich nicht von WhatsApp fernhalten, weil sich die Schulklasse oder Kitagruppe darüber organisiert. Zudem halten die Nutzer es für zwecklos, die Einwilligung in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und damit die Einwilligung in die Verwendung ihrer Daten zu verwehren, da sie keine Alternative zu den Angeboten der Monopolisten haben.

    Also müsste man WhatsApp verbieten zugunsten eines europäischen Messenger-Dienstes?
    Oder wir behandeln WhatsApp als Telekommunikationseinrichtung und schreiben Facebook wie der Deutschen Telekom vor, dass die Daten alle 90 Tage gelöscht werden müssen. Wir müssen unser Recht und damit unsere Werte gegen die Tech-Riesen durchsetzen. Wir müssen in Europa Regeln aufstellen und Gesetze erlassen, die unseren Werten entsprechen und die nicht nur für alle ansässigen Firmen gelten, sondern auch für die außereuropäischen Unternehmen, die europäische Kunden bedienen. Wir beschützen die Bürger in Deutschland sehr effizient vor deutschen Unternehmen, aber null vor außereuropäischen Unternehmen. Das ist ein Akt der Selbstgeißelung, der mir nicht einleuchtet. So bleibt Europa bei der digitalen Infrastruktur abhängig von ausländischen Firmen.

    Die Bundeskanzlerin hat das Thema digitale Souveränität in den Mittelpunkt ihrer EU-Ratspräsidentschaft gestellt. Wie zuversichtlich sind Sie, dass Angela Merkel ein Durchbruch gelingt?
    Die Lage ist verzwickt, weil das Thema digitale Souveränität auch außenpolitische Implikationen hat. Donald Trump schaltet sich ja schon bei der Frage ein, ob wir digitale Unternehmen besteuern dürfen. Wie wird also die Intervention aussehen, wenn wir unsere digitale Infrastruktur selbst bauen? Ich vermute, das bezieht Angela Merkel in ihr Kalkül mit ein.

    Das heißt, der Aufbau digitaler Souveränität in Europa gelingt nur zum Preis außenpolitischer Konflikte?
    Ich befürchte, ja. Amerika tut gerade sehr viel dafür, dass Europa eine digitale Kolonie bleibt.

    Kann Ursula von der Leyen an der EU-Kommissionsspitze, die das Thema auch treibt, helfen?
    Ja, aber es ist immer eine Frage der Programmatik. Es geht alles in die richtige Richtung, aber die Maßnahmenpakete sind relativ klein, kein großer Wurf. Wir wollen beim Thema Künstliche Intelligenz führend sein, reden über Daten und Algorithmen – und greifen auf Software und Programme von Amazon, Microsoft und Google zurück.

    Es ist auch immer eine Frage des Geldes. Für Gaia X, das europäische Cloud-Projekt, hat die Bundesregierung in einem ersten Schritt 27 Millionen Euro reserviert. Das ist nichts gegen die Milliarden, die Amazon und Microsoft investieren.
    Ich glaube, man möchte Amazon und Microsoft nicht wehtun. Das sind Vorzeigeprojekte, die Mut machen. Aber sie tun wenig für die digitale Souveränität Europas.

    Zurück zu den außenpolitischen Implikationen. Die zeigen sich auch daran, wie schwer sich die Große Koalition tut, eine Position zu finden, wie man mit sicherheitsrelevanten Anbietern von 5G-Technologie, Huawei vornweg, umgeht. Das Gerangel um die technologische Führerschaft in der Welt hat schon fast etwas Merkantilistisches, oder?
    Ich würde eher sagen Kolonialistisches – böse formuliert. Das Interesse an Europa ist groß, weil man hier Beute machen kann, und zwar in Form von Marktkapitalisierung. Die Hälfte der Großkonzerne bezieht ihren Börsenwert aus Europa und der Tatsache, dass sie Umsätze auch noch steuerfrei vereinnahmen können. Da steht Europa überhaupt nicht zusammen. Das ist gerade mit Blick auf das 750 Milliarden Euro schwere Paket, das auf dem EU-Gipfel verabschiedet wurde, traurig. Wenn wir in Europa, was ich für richtig halte, Elemente einer Transferunion platzieren, dann darf es eine bestimmte Art von Trittbrettfahrerpolitik nicht geben. Dann brauchen wir unter anderem überall in Europa eine Grundversteuerung.

    Frankreich und Großbritannien wollen Huawei vom 5G-Ausbau ausschließen. Kann Deutschland sich jetzt noch anders positionieren?
    Es kann jedenfalls nicht sein, dass wir immer hinterherlaufen. Wir müssen in diesen Fragen eine europäische Position finden – und die gibt es nicht ohne Streit. Wir tun uns in Europa leicht, unsere Werte zu verteidigen, aber sehr schwer, unseren Wohlstand zu verteidigen.

    Ist das ein Kulturproblem?
    In Deutschland war es eine Zeit lang schick, in der Politik nichts von Wirtschaft zu verstehen.

    Viele in Deutschland haben keinen positiven Blick auf Wirtschaft und Unternehmertum. Statt stolz zu sein auf die eigenen unternehmerischen Erfolge, regiert oft die Skepsis.
    Ja, ich habe mich im Shutdown immer gefragt, warum wir zwischen Gesundheit und Wirtschaft einen Unterschied machen. Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Aspekte unserer Existenz, die muss doch jeder Mensch unentwegt miteinander vereinbaren.

    Herr Kallen, Sie sind jetzt 63, denken Sie gelegentlich ans Aufhören? Und gibt es eine klare Nachfolgeregelung?
    Es hat zu jeder Zeit im Unternehmen eine klare Regelung gegeben, was passiert, wenn mir ein Ziegelstein auf den Kopf fällt. Und ich durchdenke jedes Jahr einmal, welche Vorkehrungen notwendig sind für den „Ziegelsteinfall“.

    Und wie sind Ihre Pläne ohne Ziegelstein-Theorie?
    Die würde ich Ihnen sofort mitteilen, wenn sie stehen würden. Wir haben das Unternehmen 2017 mit Blick auf die nächste Generation von Burda umstrukturiert. Beide Kinder, Jacob Burda und Elisabeth Furtwängler, sitzen im Verwaltungsrat und sind heute 30 und 28 Jahre alt. Hubert Burda, der das Unternehmen zu dem gemacht hat, was es heute ist, ist weiterhin persönlich haftender Gesellschafter und vertritt in operativen Fragen die Stimmen seiner Kinder. Ich bin auch Vorsitzender des Verwaltungsrats, in dem die drei sitzen, und nehme in dem Moment, wo es keinen persönlich haftenden Gesellschafter gibt, eine starke Rolle ein. Das ist eine gute Vorbereitung auf eine Zeit, in der ein persönlich haftender Gesellschafter fehlt. Ich werde nicht fahnenflüchtig und gründe mein nächstes Digitalunternehmen. Obwohl die Versuchung groß ist. Vielleicht baue ich es nebenher auf.

    Herr Kallen, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Die großen US-Tech-Konzerne betreiben digitalen Kolonialismus.

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    5 Kommentare zu "Burda-Chef im Interview: Paul-Bernhard Kallen: „Wir müssen eine eigene digitale Infrastruktur aufbauen“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es liegt eindeutig an der fehlenden wirtschaftlichen Kompetenz unseres politischen Führungspersonals.

      Alleine schon die Tatsache, dass Deutschland und die EU für die Weiterentwicklung wichtiger digitaler Kerntechniken einige Millionen investiert werden, einzelne Unternehmen in USA im Gegensatz zig Milliarden und uns Europäer deshalb immer überlegener werden, zeigt es wo die Reise hingeht.

      Es ist ein Trauerspiel.

    • Schade das Cliqz eingestellt wurde! Ich versuche Alternativen zu Gafam zu nutzen, aber Cliqz ist mir kaum aufgefallen und wurde nur daher nie in Erwägung gezogen.
      Warum schafft Burda es nicht mit seinen Medien mehr Aufklärung gegenüber den Gefahren durch GAFAM in die Bevölkerung zu bringen.
      Ich glaube die Menschen müssen ständig und wiederholt über die digitalen Gefahren aufgeklärt werden. Viele meinen, das ihr altes Schulwissen und die erlernten Erfahrungen reichen. Aber was die Digitalisierung heute kann, wie unterwandert das Internet ist und das man Europa aktiv schützen und "brutal" fördern muss verstehen wenige, glaube ich.
      Also, lieber Herr Burda, da habe Sie mehr Werkzeuge in der Hand. Bitte nutzen Sie diese noch viel stärker um Europa zu wecken!
      Die Digitalisierung gehört täglich auf die Titelseiten der Zeitungen. Ich rede fast täglich mit meinen Kinder übers Handy und Internet. Nicht weil ich diese Aufklären will, sondern weil diese Dinge so einen unglaublichen Raum im Leben eingenommen haben und die Kinder in diesem Raum aufwachsen und selber darüber reden.
      Wir brauchen viel mehr digitale Aufklärung!


    • ....wird hier die Zensur durch die Hintertür gefordert ?

    • ....wird hier die Zensur durch die Hintertür gefordert ?

    • Um eine digitale Souveränität in Europa aufzubauen, müssen wir die chinesische Vorgehensweise imitieren und uns fehlende Technologien in China besorgen, welche wir dann an unsere Standards anpassen. Die US-Abhängigkeit Europas ist tödlich.

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