Buzzfeed und Bytedance Klickzahlen-Könige unterzeichnen Kooperationsvertrag

Das amerikanische Medienunternehmen Buzzfeed drängt nach China. Ein Abkommen mit dem chinesischen Technologiekonzern Bytedance soll Nutzer auf das Angebot des US-Medienriesen locken.
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In der Heimat laufen die Geschäfte schleppend. Darum drängt das US-Portal nur nach China. Quelle: AFP
US-Portal Buzzfeed

In der Heimat laufen die Geschäfte schleppend. Darum drängt das US-Portal nur nach China.

(Foto: AFP)

PekingDer chinesische Medienmarkt wird momentan vor allem durch einheimische Medien beherrscht. Nun drängt ein US-Riese auf den wachsenden Markt. Am Freitag verkündeten das Medienunternehmen Buzzfeed und der chinesische Technologiekonzern Bytedance ein Lizenzierungsabkommen. Demnach sollen chinesische Nutzer künftig durch ihre Newsfeeds direkt auf die Inhalte des amerikanischen Anbieters zugreifen können.

Der Wert des Abkommens ist nicht bekannt. Die Marktanalystin Zhang Xueru von der chinesischen Firma 86research geht davon aus, dass die Summe nicht besonders hoch ist und beide Firmen sich eher darauf geeinigt haben, Werbe-Umsätze und Daten zu teilen.

Bytedance ist in China vor allem für seine Online-Plattform Toutiao bekannt, die jeden Newsfeed durch das Trainieren einer künstlichen Intelligenz Software nach den Vorlieben und Interessen des einzelnen Nutzers ordnet und gestaltet. Nach den neusten Zahlen verbringen rund 120 Millionen Nutzer täglich im Durchschnitt fast 80 Minuten auf der Plattform. Damit hat Toutiao eine höhere sogenannte „Stickiness“, also Zeit die jemand mit einem Medium verbringt, als jeder andere Mitbewerber. Zum Vergleich: auf Facebook verbringt der durchschnittliche User nur geschätzte 55 Minuten. „Dank der hohen Stickiness ist Toutiao sehr beliebt bei Werbeleuten.

Wo die Pressefreiheit in Gefahr ist
Internationaler Tag der Pressefreiheit
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Die jährliche Rangliste der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (RoG) bewertet die Lage der Informationsfreiheit in 180 Ländern. Auf der Grundlage eines Fragebogens erstellt RoG das Ranking. Die Fragen, die an Journalisten, Wissenschaftler und Juristen versendet werden, beschäftigen sich mit den Themen Medienvielfalt, Unabhängigkeit der Medien, journalistisches Arbeitsumfeld und Selbstzensur, rechtliche Rahmenbedingungen, institutionelle Transparenz sowie Produktionsinfrastruktur.

Aus den gewichteten Antworten wird eine Punktzahl zwischen 0 (optimal) und 100 (schlechtestmöglich) errechnet. Auch Übergriffe und Gewalttaten gegen Journalisten berücksichtigt die Organisation. Die Bilder zeigen jeweils die fünf Länder, in denen es am schlechtesten und am besten um die Informationsfreiheit bestellt ist.

Platz 176: China
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Chinas Medien unterliegen einer strengen Zensur. Das Propagandaministerium verschickt täglich Direktiven, mit denen die Berichterstattung gesteuert wird. Über heikle Themen darf nicht berichtet werden. Die chinesische Firewall blockiert viele Webseiten – auch Facebook, Youtube und Twitter. Die chinesische Twitter-Version „Weibo“ wird zensiert. China gehört zu den Ländern mit den meisten inhaftierten Journalisten und Bloggern weltweit. Auf dem Bild warten Journalisten im März 2017 auf den Einlass zum Volkskongress.

Platz 177: Syrien
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In einer Schule in der von Rebellen gehaltenen Stadt Douma bekommen Jungen Sicherheitsinstruktionen. Für Journalisten ist Syrien das gefährlichste Land der Welt. Das Assad-Regime versucht mit Zensur, Überwachung und willkürlichen Festnahmen, jede unabhängige Berichterstattung zu verhindern; unliebsame Beobachter werden gefoltert oder ermordet. Dschihadistische Gruppen überfallen oder bedrohen kritische Journalisten und Redaktionen und verbreiteten mit Entführungen und Exekutionen ein Klima der Angst. Bislang sind im Bürgerkrieg mehr als 130 Medienschaffende gestorben, die meisten davon waren syrische Bürgerjournalisten.

Platz 178: Turkmenistan
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In Turkmenistan herrscht unter Präsident Gurbanguli Berdymukhamedov strenge Zensur. Das Mediengesetz von 2013 bringt aufgrund schwammiger Formulierungen Journalisten in eine rechtlich unsichere Situation. Die Behörden wenden Folter an und lassen kritische Journalisten in psychiatrische Krankenhäuser einweisen. Wegen ihrer Hilfe bei Dreharbeiten für einen französischen Fernsehsender im JAhre 2006 saßen zwei Journalisten bis 2013 im Gefängnis.

Platz 179: Eritrea
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In Eritrea ist das koloniale Erbe allgegenwärtig – wie hier die katholische Kathedrale in der Hauptstadt Asmara. Doch an einer Verfassung und freien Wahlen fehlt es. Die Menschen fliehen vor lebenslangem Militärdienst, Terror und Verfolgung. Laut Auswärtigem Amt stehen die – ausnahmslos staatlichen Medien – unter strikter Kontrolle der Regierung. Private Zeitungen sind seit 2001 verboten. Damit war Eritrea zuletzt Schlusslicht des Rankings. Doch mittlerweile sind die Arbeitsbedingungen für Journalisten in einem anderen Land noch schlechter.

Platz 180: Nordkorea
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Trauriges Schlusslicht ist Nordkorea: Kein anderes Land ist derart abgeschottet. Der Staatssender, der die Bevölkerung mit Propaganda der Herrscherfamilie versorgt, ist an den TV- und Radiogeräten voreingestellt. Zwangsarbeit oder im äußersten Fall die Todesstrafe droht demjenigen, der beim Konsum ausländischer Medien ertappt wird. Auf das weltweite Internet haben nur ranghohe Kader Zugriff. Einige Informationen gelangen über die Grenze zu China ins Land. Nordkorea löst Eritrea als Schlusslicht ab.

Der Absteiger (-17 Plätze)
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Größter Absteiger in der Rangliste der Pressefreiheit ist Nicaragua, das 17 Plätze einbüßt. Die Wiederwahl von Präsident Daniel Ortega für eine dritte Amtszeit im November 2016 ging einher mit Zensur, Einschüchterung und Drohungen gegen unabhängige Journalisten. Medienschaffende werden schikaniert, willkürlich verhaftet oder bedroht. RoG platziert das mittelamerikanische Land auf Rang 92.

Buzzfeed wiederum ist für seine zeitvertreibenden Online-Quizze, Popkultur-Artikel, Listen aber auch preisgekrönten Recherchen bekannt. Das 2006 von Jonah Peretti gegründete Unternehmen erreicht derzeit nach eigenen Angaben ein weltweites Publikum von 690 Millionen Nutzern. Durch die Partnerschaft mit Bytedance könne man weitere „Millionen von Menschen in China erreichen“ und austesten, was die hiesigen Nutzer mögen, teilte der Vize-Präsident von Buzzfeed International Scott Lamb in einer Pressemeldung mit. 

Während Buzzfeed letztes Jahr sechs Prozent seiner Angestellten entlassen musste und seine Unternehmensziele für 2017 um 15 bis 20 Prozent verpasste, ist Bytedance im chinesischen Markt rapide gewachsen. Alleine 2017 verdoppelte sich der geschätzte Wert der Firma von zehn auf zwanzig Milliarden US Dollar. 2016 lag der Umsatz bei rund einer Milliarde Dollar, letztes Jahr sollen es 2,5 Milliarden Dollar gewesen sein und für 2018 hat Firmengründer und CEO Zhang Yiming mindestens fünf Milliarden US Dollar als Ziel ausgerufen. Bytedance, deren Hauptsitz in Peking ist, wird inzwischen als der nächste Tech-Gigant Chinas neben Baidu, Alibaba und Tencent gehandelt.

Trotzdem ist Zhang Xueru der Meinung, dass die Partnerschaft für beide Unternehmen profitabel sein wird. Denn mit der neuen Partnerschaft könne Bytedance legale und originelle Inhalte vertreiben, während der amerikanische Anbieter ein größeres Publikum erreiche. Wegen politisch sensibler Inhalte macht sich Zhang Xueru keine Sorgen. Anfang des Jahres hatte Bytedance Jobanzeigen für 2000 sogenannte „Rezensenten von Inhalten“ ausgeschrieben. Vor allem Mitglieder der kommunistischen Partei wurden dazu aufgefordert, sich für die Arbeit zu bewerben. Eine Woche zuvor war Toutiao für eine Woche geblockt worden, weil sie „pornographische und vulgäre Inhalte“ verbreitet hatten.  

Anfang November 2017 wurde bekannt, dass Bytedance 2016 versucht hatte, das amerikanische Online-Diskussionsforum für 1,8 Milliarden Dollar aufzukaufen. Kurz darauf kaufte Bytedance die mobile Video- und Gesangsplattform Musical.ly für eine Milliarde US Dollar, sowie den Nachrichten-Aggregator News Republic für 86 Millionen Dollar und die mobile Streaming-App Live.me für 50 Millionen Dollar. Zhang Yiming selbst hatte schon 2016 angekündigt: „Ich hoffe, Toutiao wird eines Tages eine ebenso grenzenlose Firma wie Google sein.“

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